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was-macht-eigentlich: Hans Hartz?

In Zeiten der Friedensbewegung hatte der Nordfriese Anfang der Achtziger mit »Die weissen Tauben sind müde« seinen großen Hit

Anfang der 80er landeten Sie Ihren ersten Hit: »Die weißen Tauben sind müde«. Ihr alter Song scheint nie aktueller gewesen zu sein als heute.

Schrecklich, nicht? Ich werde diese Bilder aus New York nie vergessen. Man hat ja gedacht, man wäre im falschen Film. Hoffentlich behält der Bush die Nerven.

Eigentlich wollten wir Ihnen gratulieren: Sie feiern derzeit Ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Waren Sie so eine Art Kinderstar?

Na ja. Ich hab mit dreizehn in Hamburg im Star-Club begonnen, da bin ich mit den Avalons aufgetreten. Das war die erste weiße Soulband ? wir haben fürchterlich einen losgemacht. Damals spielten die Beatles gegenüber im Kaiserkeller, die habe ich dort oft gesehen und gehört.

Mit dreizehn auf dem berüchtigten Kiez ? gab das keinen Ärger zu Hause?

Für meinen Vater war?s okay. Er war damals Studienrat an einem Gymnasium und wollte sofort seinen Job hinschmeißen und mein Manager werden. Aber die Idee fand ich nicht so gut. Ärger gab es eher mit den Herren von der Davidwache ? die holten mich wegen meines Alters immer um 22 Uhr von der Bühne. Ich musste mich heimlich zurückschleichen

Ein paar Jahre nach den weißen Tauben sollen Sie sich mit Ihrer Produktionsfirma gestritten haben und quasi pleite gewesen sein.

Ja, das ist leider richtig. Nach den Jahren der Zusammenarbeit war bei uns die Luft raus. Ich fiel in ein ganz tiefes Loch, habe es aber mit viel Power und Willenskraft, die man in diesem Geschäft haben muss, geschafft, aus dem Tal rauszukommen.

1991 schwammen Sie wieder auf der Erfolgswelle ? mit »Sail Away«, dem Song aus der Becks-Werbung.

Ja, der war im Original von mir. Als ich aber merkte, dass der Sponsor nicht genug für mich tat, habe ich den Vertrag Ende 94 gekündigt. Und so singt Joe Cocker heute die Coverversion. Es musste ja ?ne ähnliche Stimme sein.

Wie sind Sie zu Ihrem rauen Organ gekommen ? 40 Zigaretten am Tag?

Nein. Ich komme ja aus der Soul-Musik, meine Vorbilder waren Otis Redding, James Brown und Co. Das ist ?ne reine Sache der Modulation. Und, wie Sie hören, meine klare Stimme existiert auch noch.

Sie haben ewig an der Nordsee hinterm Deich gelebt und wohnen nun in Frankfurt. Was treibt einen Friesen an den Main?

Die Liebe! Ich habe meine Dorith auf Tournee kennen gelernt. Und bin ihretwegen vor sechs Jahren nach Frankfurt gezogen. Auch wenn in meinen Adern immer noch mehr Nordseewasser als Blut fließt.

Sie waren dreimal verheiratet. Würden Sie?s noch mal wagen?

Aber klar. Mit dem Mädel schon. Sie hat mich aufgebaut, sodass ich wieder richtig gut arbeiten kann. Dieses Geschäft schleift sich ab. So ein Gefühl wie bei deinem ersten Album ? das kriegst du nie wieder.

Heute haben Sie eine Produktionsfirma.

Ja, ich bin Produzent, Komponist und Sänger. Hier kann ich mir als Rockmusiker treu bleiben ? zwischen diesem ganzen Hip-Hop-Dance-Floor-Kram.

Stimmt es, dass Sie mal an der Frankfurter Börse aufgetreten sind?

Ich hab mal einer Firma einen eigenen Song geschrieben: »Informationen«. Als diese Firma an die Börse ging, habe ich das Stück dort gesungen ? gegen Gage. Ausgerechnet ich - bin ja politisch eher links!

Sie sind bekannt für Ihre sozialkritischen Songs. Worüber singen Sie heute?

Auf meinem letzten Album »Der Wahnsinn blüht« hab ich mal von mir erzählt. Von meinem neuen Leben. Das nächste wird wieder kritisch. Da geht?s um Kohl und Koch, die Spendenaffäre, den Rinderwahn und gegen rechte Gewalt. Auch wenn ich mir damit manche Tür verschließe ? ich muss zu solchen Missständen Stellung beziehen. Ich war nie ein Bequemer. Mit mir muss man rechnen.

Interview: Ulrike von Bülow

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