was-macht-eigentlich Jody Scheckter


Der Südafrikaner gewann 1979 den letzten Formel-1-Weltmeistertitel für FERRARI. Ein Jahr später gab er den Rennsport auf

Der Südafrikaner gewann 1979 den letzten Formel-1-Weltmeistertitel für FERRARI. Ein Jahr später gab er den Rennsport aufZur Person :

NACHFOLGE GESICHERT? Jody, 50, und Tomas Scheckter, 20, mit dem Weltmeister-Boliden, in dem Scheckter 1979 auch den Grand Prix von Monaco gewann. Nach seinem Rückzug aus dem Formel-1-Zirkus baute der zehnmalige Grand-Prix-Sieger in Amerika eine High-Tech-Firma auf und wurde damit reich. Mit seiner zweiten Frau, von der er drei kleine Kinder hat, kehrte er 1996 nach England zurück; Sohn Tomas soll - vom Vater gemanagt - bei der Formel 1 mitfahren

stern: Mr. Scheckter, werden Sie sich diesen Sonntag das Formel-1-Rennen in Suzuka ansehen?

Scheckter: Muss ich wohl, ich schreibe eine Kolumne für ein britisches Motorsportmagazin.

stern: Das klingt, als wären Sie nicht gerade begeistert vom Verlauf der WM.

Scheckter: Als ich 1980 mit dem Rennfahren aufgehört habe, hat mich die Formel 1 überhaupt nicht mehr interessiert. Erst seit mein Sohn Tomas Rennen fährt, verfolge ich das Ganze wieder. Gelegentlich bin ich auch bei Formel-1-Läufen. Aber meistens reise ich schon samstagabends ab, nachdem mein Junge im Rahmenprogramm gestartet ist.

stern: Dürfen wir vermuten, dass Sie bei den letzten beiden Läufen Michael Schumacher nicht die Daumen drücken? Sein Sieg würde Sie ja um den Ruhm als letzter Ferrari-Weltmeister bringen.

Scheckter: Es war schon hilfreich, diesen Titel so lange geführt zu haben. Er hat mir bei den Mädels gut geholfen. Mein Sexleben würde zweifellos darunter leiden, wenn Michael mir diese Ehre jetzt abnimmt.

stern: Es heißt, Sie hätten nach jedem verpassten WM-Titel Ferraris ein Flasche Champagner aufgemacht.

Scheckter: Ich habe nicht gefeiert, wenn Ferrari verloren hat. Ich freue mich, wenn sie gewinnen - aber nur, wenn sie es auch verdient haben. Mein Herz schlägt allerdings längst nicht mehr für Ferrari - obwohl mich die Magie und der Mythos nach wie vor faszinieren. Wer in einem roten Rennwagen sitzt, fährt nicht einfach für ein Team, sondern für eine Nation.

stern: Haben Sie einen Ferrari?

Scheckter: Mir gehört das Auto, mit dem ich 1979 Weltmeister geworden bin. Sonst fahre ich Mercedes.

stern: Würden Sie wohl Rabatt von Ihrem alten Arbeitgeber bekommen, wenn Sie jetzt einen roten Flitzer erwerben wollten?

Scheckter: Ich fürchte, nein. Selbst während meiner aktiven Zeit haben sie sich, was Rabatte angeht, ziemlich knausrig angestellt.

stern: Wer wird Weltmeister 2000?

Scheckter: Mika ist als Fahrer nicht so komplett wie Michael. Der ist ein solider Kerl, ich mochte ihn schon immer. Obwohl er ein paar Sachen machte, die mir nicht gefallen haben.

stern: Was denn?

Scheckter: Als er Villeneuve 1997 im WM- Finale von der Piste schoss - das war hässlich. Ich habe den Ausraster öffentlich kritisiert. Darauf riefen mich Ferrari-Boss Montezemolo und -Rennleiter Jean Todt an und beschimpften mich: Wie ich als ein Freund des Hauses schlecht über einen Ferrari-Fahrer reden könne.

stern: Und wie hat Schumacher reagiert?

Scheckter: Gar nicht. Er macht Fehler und gibt sie zu. Ich mag seine Einstellung zum Rennsport: Er will immer gewinnen. Da ist er mir ähnlich, obwohl ich nie so gut war wie er.

stern: Sie haben auch nie so viel verdient wie er?

Scheckter: Höchstwahrscheinlich kassiert sein Manager heute mehr als ich damals. Aber ich habe auch eine hübsche Menge Geld gemacht.

stern: Ihre ältesten Söhne sind ebenfalls Rennfahrer. Haben sie etwas von Ihrem Talent geerbt?

Scheckter: Toby, der Ältere, nicht so sehr. Er wollte in die Formel 1. Aber er ist einfach nicht gut genug. Das habe ich ihm unverblümt gesagt. Er fährt jetzt Renault-Cup für ein holländisches Team.

stern: Nicht gerade schön für einen Vater, seinen Jungen so zu entmutigen.

Scheckter: Manchmal muss man hart sein, wenn man sich sorgt. Aber Tomas ist mit seinen 20 Jahren sehr gut. Er fährt Formel 3, den Porsche-Cup und testet nächstes Jahr für Jaguar in der Formel 1. Neben ein bisschen Imobiliengeschäften kümmere ich mich full time um seine Karriere. Es würde mich wundern, wenn er nicht ein erstklassiger Fahrer wird.

stern: Worin ähnelt er Ihnen besonders?

Scheckter: In seinem Ehrgeiz und seiner Fähigkeit, außerhalb des Jobs all den Druck und die Gefahr durch Spaß zu kompensieren. Etwa mit Kumpels einen zu trinken. Oder mit Mädchen rumzumachen. Tomas ist Gott sei Dank wie jeder normale Junge: Er interessiert sich nur für schnelle Autos und Sex.

Interview: Bernd Dörler


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