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was-macht-eigentlich: Katrin Krabbe

Die frühere Pädagogikstudentin aus Neubrandenburg avancierte bei der Leichtathletik-WM 1991 zur 'Sprint-Göttin'. Bereits ein Jahr später wurde sie durch eine Doping-Affäre zur Unperson des deutschen Sports

Die frühere Pädagogikstudentin aus Neubrandenburg avancierte bei der Leichtathletik-WM 1991 zur 'Sprint-Göttin'. Bereits ein Jahr später wurde sie durch eine Doping-Affäre zur Unperson des deutschen Sports STERN: Ihre frühere Partnerin bei Starts und Sperren, Grit Breuer, hat ein sauberes Comeback hingelegt. Haben Sie Ihren Rückzug schon bedauert?

KRABBE: Nein. Wenn ich wieder so erfolgreich geworden wäre wie Grit, hätte ich meinen Mann und meine beiden Kinder nicht. Und die möchte ich nicht mehr hergeben.

STERN: Als Sie nach Ihrer ersten Sperre wieder an den Start gingen, rechneten alle mit einer triumphalen Rückmeldung. Doch Sie liefen nur mäßige 11,70 Sekunden. Fehlten Ihnen die Tabletten?

KRABBE: Quatsch. Ich konnte mich auf den Start mental überhaupt nicht vorbereiten. Um mich herum nur Reporter, Kameras, Fotografen. Ich hätte einfach das Stadion verlassen sollen.

STERN: Dafür sorgte dann der Deutsche und später der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF mit einer insgesamt dreijährigen Sperre. Zu Recht?

KRABBE: Es war blöd, die 'Spiropent'-Tabletten zu nehmen - ohne Rezept. Aber das Mittel stand nicht auf der Dopingliste. Und dann gleich zweimal für dieselbe Sache bestraft zu werden, das war zu viel.

STERN: Für entgangene Einnahmen fordert Ihr Anwalt nun von der IAAF 2,55 Millionen Mark Schadensersatz.

KRABBE: Die Sperre des Verbandes hat meine Karriere faktisch beendet. Sonst hätte ich weiter laufen und unheimlich viel Geld verdienen können. Jetzt will ich nur mein Recht, die Summe ist mir relativ egal.

STERN: Ihr Ehemann Michael Zimmermann, ein früherer Ruder-Weltmeister, ist Rechtsanwalt. Hilft er Ihnen bei der Klage?

KRABBE: Nein. Wir wollen Privates und Berufliches auseinander halten. Außerdem ist er auf Straf- und Familienrecht spezialisiert.

STERN: Die Werbeagenturen bauten Sie zur schnellsten Grace Kelly aller Zeiten auf. Für welche Produkte werben Sie heute?

KRABBE: Für keine mehr. Mit einer Creme gegen Schwangerschaftsstreifen war Schluß.

STERN: Zwei Jahre lang galten Sie als das Glamour-Girl des Sports. Fotosessions, TV-Auftritte, VIP-Partys in St-Tropez - und nun Pinnow.

KRABBE: Vielleicht mag das komisch klingen, aber ich genieße das normale Leben hier im Dorf. Denn eigentlich bin ich ein Familienmensch, und ich war nach den vielen Reisen immer glücklich, wieder zu Hause zu sein. Leider ist es uns in Pinnow inzwischen zu klein geworden. Ende August ziehen wir nach Neubrandenburg, in ein Einfamilienhaus.

STERN: Dort besitzen Sie seit 1991 ein Sportgeschäft. Stehen Sie hinter der Ladentheke?

KRABBE: Ja, halbtags, aber erst wieder ab September. Bis dahin bin ich im Babyjahr.

STERN: Läuft das Geschäft auch ohne Sie?

KRABBE: Es ist schon schwierig, aber das hat nichts mit mir zu tun. Im Einzelhandel klagen ja alle.

STERN: Wie halten Sie sich fit?

KRABBE: Im Winter werde ich wieder regelmäßig ins Sportstudio gehen. Zur Zeit bringen mich meine Kinder auf Trab. Mein Sohn Bruno macht mit mir gern Wettrennen im Garten. Natürlich gebe ich ihm stets einen kleinen Vorsprung.

STERN: Zwei Söhne haben Sie schon. Soll's mal eine Staffel werden?

KRABBE: Ne, ne. Die beiden reichen mir.

STERN: Wenn Bruno so gern sprintet, wird Aaron dann Ruderer wie der Papa?

KRABBE: Das hat Zeit. Bruno wird im nächsten Jahr erst mal mit Fußball anfangen.

STERN: Da ist er gerade fünf.

KRABBE: Natürlich nicht in der Champions League, sondern in der 'Pampers League'.

Mit Katrin Krabbe sprach STERN-Redakteur Dieter Krause.

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