was-macht-eigentlich Zachi Noy


Der israelische Schauspieler hatte es durch die Softporno-Filme »Eis am Stiel« zu internationaler Bekanntheit gebracht. Die Serie wurde auch in Deutschland zum Dauerbrenner

Der israelische Schauspieler hatte es durch die Softporno-Filme »Eis am Stiel« zu internationaler Bekanntheit gebracht. Die Serie wurde auch in Deutschland zum DauerbrennerZur Person :

ROLLENWECHSEL Zachi Noy bei Dreharbeiten in Israel, wo der 47-Jährige in neuen Folgen von »Eis am Stiel« einen gesetzten Familienvater spielt. 1985 gab er in der Erfolgsserie noch den dicklichen Tollpatsch mit Schwimmring. Noy lebt heute mit seiner Frau Myriam und seinen beiden Kindern in Herzlia. Er arbeitete jahrelang beim israelischen Fernsehen als Moderator und tritt in Musicals auf

stern: Herr Noy, wie viele Kilos bringen Sie heute noch auf die Waage ?

Noy: Ich habe mein Gewicht gehalten, wiege nie mehr als 85 Kilogramm. Ich gehe zweimal wöchentlich ins Fitness-Studio, anschließend schwimmen und in die Sauna. Da bleiben alle überflüssigen Pfunde auf der Strecke.

stern: Die Hawaii-Hemden von damals sind also heute eine Nummer zu groß?

Noy: Natürlich, die sind auch schon längst aus der Mode. »Eis am Stiel« war immer nur ein Job, einer von vielen.

stern: Trotzdem haben Sie es nie geschafft, sich von dieser Rolle zu lösen.

Noy: Die wird mich bis in mein Grab verfolgen. Ich bin stolz auf jeden Film, den ich gedreht habe - mittlerweile über 40. Ich habe an der Seite von Franco Nero gespielt, mit Melanie Griffith oder dem kürzlich verstorbenen Oliver Reed. Schade, dass man mich auf diese eine Rolle festlegt.

stern: Zurzeit werden in Israel neue Folgen von »Eis am Stiel« gedreht, und wieder spielen Sie eine der Hauptrollen ...

Noy: Ich gehöre aber nicht mehr zu den drei Typen, die den Film bestimmen. Ich spiele einen angejahrten Eishändler, habe selbst eine Tochter und muss mich darum kümmern, dass sie nicht mit solchen Kerlen verkehrt, wie ich sie mal dargestellt habe. Die Produktionsfirma will die Rechte weltweit verkaufen, ich würde mich freuen, wenn ich auch in Deutschland wieder zu sehen wäre.

stern: In Israel gelten Sie als Superstar, können sich nur mit Sonnenbrille und Baseball-Mütze auf die Straße trauen.

Noy: Es ist schwer vorzustellen, aber hier kennt mich jedes Kind. Ich bin ein Begriff in jeder Familie, so wie in Deutschland vielleicht Mario Adorf. Ich habe ja nicht nur Filme gemacht, sondern auch über Jahre erfolgreich eine Kindersendung im israelische Fernsehen moderiert. Und wenn ich mit einer Musicalproduktion auftrete, sind die Vorstellungen in wenigen Stunden ausverkauft.

stern: Was singen Sie denn da?

Noy: Ich habe den Peter Pan gespielt und in »Cinderella« und »Der Zauberer von Oz« mitgewirkt. Es macht mir Spaß, auf der Bühne zu stehen, der Kontakt zum Publikum ist schließlich das Wichtigste für einen Schauspieler.

stern: Sie sind seit knapp 20 Jahren verheiratet, wie viel Zeit haben Sie getrennt von Ihrer Frau verbracht ?

Noy: Eine Menge, ich war teilweise über Monate im Ausland. Erst Anfang des Jahres habe ich für Artur Brauner den Film »Lara - Tödliche Entscheidung« in Russland gedreht, da war ich fünf Wochen nicht zu Hause. Aber eine gute Ehe kann solche Distanzen überwinden, es gibt ja auch noch Telefon und Faxgeräte. Wir stehen zueinander, Myriam und ich sind ein perfektes Team. Natürlich versuche ich heute immer mal wieder, für ein paar Tage nach Hause zu fliegen, schon allein der Kinder wegen.

stern: Werden Ihre Kinder auf den Vater angesprochen ?

Noy: Ja, aber nicht negativ. Die Mitschüler meiner Tochter oder meines Sohnes haben mich dann wieder mal in einer Talkshow oder in einem Film gesehen und finden das gut. Hier in Israel geht man anders mit seinen Stars um, es gibt nicht diesen Neidfaktor wie in Deutschland.

stern: Zuletzt haben Sie an der Seite von Hape Kerkeling die Serie »Gisbert« gedreht, mögen Sie den deutschen Humor?

Noy: Ich kann über Kerkeling lachen, kenne auch Verona Feldbusch, die ich übrigens sehr schlau finde. Aber ich kann nicht über die deutschen Gesetze lachen, mir wird ja ganz schwindelig, wenn ich daran denke, welchen Steuersatz ich für meine Gage gezahlt habe.

stern: Sie interessieren sich sehr für die politischen Veränderungen in Israel. Haben Sie jemals Partei ergriffen für einen Politiker ?

Noy: Nein, ich habe nie aktive Werbung für einen Politiker oder für eine Partei gemacht. Ich bin gut befreundet mit Shimon Peres, es ist entsetzlich, dass er die Wahl verloren hat. Mit ihm hätten wir den Friedensprozess wieder anschieben können, er ist ein guter Mann, hat Visionen und Ideen. Und er kommt regelmäßig zu meinen Premieren.

Interview: Sascha Hellen


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