Der ehemalige Profiboxer Wladimir Klitschko (50) erinnert sich im Rahmen des 40. Jahrestags der Katastrophe von Tschernobyl an seinen Vater. Wäre dieser damals nicht im Einsatz gewesen, könnte er heute vielleicht noch leben, glaubt der mehrfache Schwergewichtsweltmeister.
Nachdem es zum Unfall gekommen war, musste Klitschkos Vater, der damals Offizier war, an den Aufräumarbeiten mitwirken. "Ich war damals zehn Jahre alt", erinnert sich der heute 50-Jährige im Gespräch mit der "Bild am Sonntag" zurück. Damals sei sein Vater nach Hause gekommen und habe "mit ungewöhnlich ernstem Ton" der gesamten Familie gesagt, "dass etwas sehr Schlimmes passiert sei". Die Ernsthaftigkeit der Lage wurde auch den Kindern bewusst, viel wurde jedoch nicht erklärt. "Gesprochen wurde darüber kaum. Mein Vater machte klar, dass wir schweigen sollten. Dieses Schweigen, diese typisch sowjetische Kultur des Geheimnisses, ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben", erklärt der jüngere Bruder von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (54).
Wladimir Klitschkos Vater starb an Folgen einer Krebserkrankung
Als Kind habe Wladimir Klitschko das komplette Ausmaß von allem noch nicht verstanden, er habe allerdings gespürt, "dass mein Vater an einer äußerst gefährlichen Operation beteiligt war". Tage- und wochenlang habe er ihn teils nicht gesehen. "Etwa 80 Prozent der Soldaten, die an dieser Operation beteiligt waren, starben nach einem, zwei oder drei Jahren", erklärt er heute. "Die übrigen 20 Prozent starben später, und mein Vater gehörte wahrscheinlich zu dieser zweiten Gruppe. Bei ihm wurde 2007 Krebs diagnostiziert, 2011 ist er an den Spätfolgen gestorben."
"Beide Brüder waren am Boden zerstört, als sie von der Nachricht gehört haben", teilte damals der Manager der Klitschkos, Bernd Bönte, laut Medienberichten mit. Oftmals denke der Ex-Boxer daran, dass sein Vater, der ebenso Wladimir hieß, vielleicht ohne den Einsatz noch am Leben wäre, erzählt er jetzt: "Mein Vater war bis zu seinem 60. Lebensjahr praktisch nie beim Arzt. Deshalb bin ich überzeugt, dass er ohne Tschernobyl heute noch leben könnte."
Zur gleichen Zeit gebe es bei Klitschko aber nicht nur die Trauer, sondern auch großen Stolz. "Für mich war mein Vater ein Held. Er hat sich mit seinen Kameraden geopfert - nicht nur für sein Land, sondern letztlich auch für viele andere Menschen in Europa", sagt er.