Ausstellung Max und die Mäntel


Sie sind der Inbegriff des vornehmen Understatement: Mäntel der italienischen Edelschneiderei Max Mara. Die gibt es ab 30. November nicht mehr nur in der Boutique, sondern auch im Museum.

Er hatte keine Ahnung vom Schneidern, aber eine Idee. Als der italienische Jurist Achille Maramotti 1951 einen Schweizer Regenmantel-Hersteller beriet, kam ihm ein Gedanke: Warum nicht die Haute-Couture mit industrieller Massenproduktion verbinden? In einer Zeit, in der man seine Kleidung beim Schneider anfertigen ließ, leistet Maramotti so Pionierarbeit für die Prêt-à-porter, Mode also, die in hoher Stückzahl und zu bezahlbaren Preisen aufgelegt wurde. Die gab es damals noch nicht.

Mit Hilfe einer Zeichnerin schneiderte Maramotti seinen ersten Kamelhaarmantel. Er ließ 500 weitere anfertigen und nannte sein Label Max Mara. Über die Entstehung des ersten Namensteils kursieren zwei Versionen: Die eine besagt, dass Achille Maramotti von seinen Jugendfreunden "Max" gerufen wurde. Die andere lautet, dass ein gewisser Signor Max, ein stets elegant gekleideter Adeliger aus Maramottis Heimatort Reggio Emilia, Namenspate sei.

Die Ausstellung "COATS! Max Mara, 55 Jahre Mode aus Italien" im Kulturforum der Staatlichen Museen zu Berlin widmet sich auch der italienischen Modemarke, die heute für Mäntel mit Understatement bekannt ist. "Unsere Mäntel drängen sich nicht auf. Denn Max-Mara-Kundinnen brauchen ihre Kleidung weder als Persönlichkeitsersatz noch als Statussymbol", hat Luigi Maramotti einmal gesagt, der Sohn des Firmengründers. Nachdem sich der Vater 1991 aus dem Unternehmen zurückgezogen hatte und 2005 verstarb, leiten Luigi und seine Geschwister Maria und Ignazio die Firma.

70 Originalmäntel von Max Mara in der Ausstellung

In der Retrospektive in Berlin können die Besucher die Geschichte des Mantels kennenlernen. Im Mittelpunkt stehen die 70 Originalmäntel von Max Mara. "Ich finde es spannend, dass ein Betrieb, der sich der Mode verschreibt, etwas aufhebt. Es gibt ungefähr 15.000 eigene Kollektionsstücke. Die Auswahl aus dem Archiv war daher sehr zeitaufwändig. Aber diese Basis ist einmalig und wunderbar", so Adelheid Rasche, die Kuratorin der Ausstellung.

Max Mara, auch hier sehr zurückhaltend, bewahrt über seine Designer stets Stillschweigen. So ist es bislang eher verborgen geblieben, dass seit den 60er Jahren bekannte Designer wie Karl Lagerfeld, Jean Charles de Castelbajac, Dolce & Gabbana und Franco Moschino anonym für das Unternehmen gearbeitet haben. Das zeigen bislang unveröffentlichte Skizzen. Unter den Designern findet sich auch Anne Marie Beretta, die 1981 den Klassiker 101/801 entwarf. Hinter der Artikelnummer verbirgt sich ein zweireihiger Kamelhaarmantel mit Raglanärmeln, der jedes Jahr neu aufgelegt wird. Seine Einheitslänge von 120 Zentimetern ist ein Teil des Designs - angeblich soll er jeder Frau passen, egal welche Konfektionsgröße sie trägt.

Wer einen Ärmel anfasst, bekommt ein Video zu sehen

Ein großer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit Modefotografie: Christy Turlington, Carla Bruni oder Isabella Rossellini ließen sich von berühmten Fotografen wie Richard Avedon, Peter Lindbergh und Steven Meisel für Max Mara-Werbekampagnen in Szene setzen. Laut Frau Rasche wird den Besuchern auch eine Art interaktiver Raum geboten. "An Hand von Videos und Geräuschen wollen wir die Produktionsatmosphäre einfangen. Hier dürfen die Mäntel auch berührt werden. Wenn man zum Beispiel am Ärmel anfasst, läuft ein Video los."

Aus dem einzelnen Kamelhaarmantel ist mittlerweile ein Kosmos aus rund 30 Labels und Kollektionen entstanden. Die neuste Kreation, der "Berlin"-Mantel, ist eine Hommage an die Stadt und Hans Holbein. Das karamellfarbene Kleidungsstück besteht aus zwei Teilen, einem nerzgesäumten Cape und einem Kimonomantel mit breitem Schal und Lederbordüre. Der Grundgedanke der Prêt-à-porter wurde diesmal allerdings nicht berücksichtigt: Der "Berlin"- Mantel ist auf 80 Stück limitiert.

Katja Weiland von Ruville

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