Babymesse Maximum für die Minis


Leute, vermehret euch! Denn noch nie gab es so viel ulkigen Schnickschnack fürs Kind, wie ein Ausflug zu Deutschlands größter Babymesse zeigt.
Von Viola Keeve

Düster sieht es aus für Deutschland: Es will - oder kann - einfach nicht mehr windeln. Da werden Mahn-Manifeste durch die Feuilletons gereicht (allen voran Frank Schirrmachers "Minimum"), Harald Schmidt fordert einen "Bundesbefruchtungswart", und die "taz" aus Berlin giftet: "Alles Schlampen außer Mutti". Von Panik ist jedoch auf der "Babywelt", Deutschlands größter Babymesse, die vor kurzem in Hamburg öffnete und bis Jahresende noch in drei weitere Städte zieht, nichts zu spüren.

Alles hier ist rosa und hellblau, niedrig und niedlich - deutsches Dutzidutziland. Hostessen reichen ungefragt Schwangerschaftstee ("Gut für den Beckenboden") oder bieten Ultraschall to go an. Man kann viel lernen über "Oh, la, la Captiva", den geruchszersetzenden Windeleimer, und "Hot Safe Spoon", den intelligenten Thermolöffel zur Breihitzemessung. Und angesichts der rund 120 Stände, an denen sich Hebammen, Reiseveranstalter, Kinderfotografen, Modedesigner, Casting-Agenturen, Schwimmschulen, Versicherer und Babyausstatter präsentieren, keimt Hoffnung auf fürs aussterbende Volk: Wo so viele ausgeklügelte Angebote sind, können die neuen Nachfrager nicht mehr weit sein.

Dabei scheint gerade die Gruppe der gebildeten Besserverdiener in den Fokus der industriellen Anbieter zu rücken. Diejenigen, die das Glück einer späten (solventen!) Elternschaft erleben und ihre Reproduktion dem bisherigen Lifestyle angemessen zelebrieren wollen. Wenn es um künftige kleine Könige geht, sind Individualangebote (handgenähte "Prinz Phillip"-Mini-Slipper) ebenso im Angebot wie Komplettlösungen ("Starterset für neue Erdenbürger"). Für Schlabbermäulchen gibt es das Edel-Lätzchen "Bäuerchen de luxe", für den Transport "Xplory" - eine poppige Kreuzung aus Hochstuhl, Golftrolley und Einkaufswagen, die sich zum Buggy umbauen lässt. Der Vorteil: Wenn Baby Heia macht, liegt es höher, atmet weniger Abgase ein und wird nicht von jedem Hund beschnüffelt.

Auch wer den Kult ums Kind schon mit der Kugel beginnen lassen will, wird nicht enttäuscht: Anja Maria Höpfner von "Bellyart" aus Berlin war die Erste, die Gipsabdrücke von Schwangeren-Bäuchen nahm und als Kunst verkaufte - und jetzt schon Konkurrenten wie "Natal Art" hat. "Schwangersein macht schön", sagt die 39-Jährige. Ein echter Mutmachersatz im deutschen Schwundland.

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