Bikini Lieber bauch- als busenfrei


"Oben ohne" ist in diesem Sommer passé. Ob am Berliner Schlachtensee oder an der Nordsee - Frauen greifen wieder verstärkt zum Bikini-Oberteil.

Widmete der "Spiegel" 1978 dem "befreiten Busen" noch eine Titelgeschichte, so ist "oben ohne" in diesem Sommer anscheinend eher passé. Ob am Berliner Schlachtensee oder an der Nordsee - Frauen greifen wieder verstärkt zum Bikini-Oberteil. "Das ist ein großer Trend", meint Schwimm-Meister Henry Claushen vom Kaifu-Bad in Hamburg. Vor einigen Jahren sei "oben ohne" noch häufig gewesen, heute müsse man förmlich danach suchen, heißt es.

Bedeckt am Strand

Samone Schwier von der Nordsee-Tourismus-Service GmbH in Husum hat diesen Trend ebenfalls beobachtet. "Es ist mir aufgefallen, dass man weniger Frauen sieht, die 'oben ohne' herumlaufen", sagt sie. Eine Erklärung hat sie dafür nicht. Auch an der schleswig-holsteinischen Ostsee zeigen sich viele Frauen lieber mit Oberteil - vorbei die Zeiten, in denen sie sogar oben ohne Beachball spielten oder halb nackt aufs Surfbrett stiegen. Im Nordosten ist noch kein Trend zu mehr Textilien in Sicht. Das Motto am Strand laute eher "Jeder, wie er möchte", sagt Christian Hardt vom Tourismusverband Mecklenburg- Vorpommern in Rostock.

Nackt ist "out"

Dabei war der nackte Busen einmal Gegenstand hitziger Debatten. "Sittenverfall oder die Überwindung falscher Prüderie? Was macht Deutschlands Frauen - auch die, die es sich nicht leisten können - so mutig?", fragte der "Spiegel" vor 25 Jahren. Noch heute sind deutsche Frauen im Ausland ob ihres blanken Busens verschrien - anscheinend nicht immer zu recht. Auch ganz nackt mögen sich viele Deutsche nicht gern zeigen, und die organisierte FKK-Bewegung verliert Mitglieder.

Lieber bauch- als busenfrei

In einer Umfrage der Zeitschrift "Lisa" gaben 65 Prozent der 20- bis 49-Jährigen an, dass sie niemals hüllenlos schwimmen gehen. Nackt oder oben ohne - das mögen auch die Jugendlichen nicht. Zwar hätten sie kein Problem, Haut zu zeigen, mit Hot Pants, tiefen Ausschnitten oder bauchfreien Tops, sagt Eveline von Arx, Leiterin des "Dr. Sommer Teams" bei der Jugendzeitschrift "Bravo". "Die tragen alle Bikini." Prüderie sei das aber nicht.

Der Rückkehr jenes Zweiteilers, den es seit 1946 gibt, hat auch modische Gründe. Die Oberteile sind sehr viel variantenreicher, wie Alexandra von Richthofen von der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" berichtet. Es gibt viele neue Bindeeffekte, hinter dem Nacken, im Rücken und an den Seiten der Hosen. "Diese Bänder werden jetzt wieder schön verziert mit Glasperlen, Steinen oder bunten Kugeln, so wie es schon mal in den 70er Jahre war."

Reizvolle Bondage-Effekte

Dazu kommen so genannte Bondage-Effekte, dabei werden lange Bänder mehrfach um die Taille gewickelt. "Die Bikinis wirken allgemein dadurch wieder verspielter, femininer", erklärt von Richthofen. Außerdem erleben die 50er Jahre ein Comeback. US-Schauspielerin Jennifer Lopez ließ sich jetzt für das Magazin "Esquire" im drallen Pin-up-Look fotografieren - ganz züchtig im Badeanzug.

Für Peter Wippermann vom Trendbüro Hamburg passt das Ganze zum "Redesign der Geschlechter", einer Abkehr von der in den 90er Jahren modischen Androgynität. "Dazu gehört auch, dass Frauen wieder weiblicher werden." Wippermann spricht von einer Rückkehr des "Fräuleinwunders" der 50er Jahre. Aber: "Die Leute werden nicht prüder, es sieht einfach besser aus."


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