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Shitstorm gegen Calvin Klein: Dicke Models? Will ich nicht sehen!

Ein neues Calvin-Klein-Model sorgt für einen Aufschrei. Der absurde Grund: Myla Dalbesio sei zu dünn für ein Model für große Größen. Doch will dicke Models wirklich jemand in der Werbung sehen? Nein!

Ein Kommentar von Jens Maier

Wem würden Sie lieber eine Unterhose abkaufen: dem "echten Mann" oder Fußballer Fredrik Ljungberg?

Wem würden Sie lieber eine Unterhose abkaufen: dem "echten Mann" oder Fußballer Fredrik Ljungberg?

Um eines vorweg zu nehmen: Myla Dalbesio ist nicht dick. Die 27-jährige US-Amerikanerin, die neuerdings für Calvin Klein wirbt, ist das, was viele als normal bezeichnen würden. Doch in der Modewelt, die von Size Zero geprägt ist, macht sie das zu einem Moppelchen. Es kommt eben auf die Relation an. Und im Vergleich zu Kate Moss sieht jeder fett aus.

Gegen diesen Magerwahn wollte Calvin Klein ein Zeichen setzen. Ein kleines zumindest. Die Firma, die vor allem für ihre sexy Unterwäschewerbung mit durchtrainierten männlichen und weiblichen Models bekannt ist, engagierte Dalbesio als Model für eine neue Kollektion. Mit ein bisschen mehr Dekolleté als üblich sollte sie zeigen, dass auch größere Größen gut aussehen.

Doch statt den Trend weg vom Size-Zero-Model zum Normalo zu beklatschen, erlebt Calvin Klein einen Shitstorm. Auf Twitter und Facebook werden der US-Designer und seine Modefirma wüst beschimpft. Myla Dalbesio sei kein Größe-40-Model, dafür sei sie viel zu dünn. "Ladies, aufgepasst: Größe 38 ist jetzt Plus Size", empört sich eine Userin via Twitter. Der Vorwurf: Statt den Magerwahn zu bekämpfen, fördere Klein ihn mit seinem angeblichen Große-Größen-Model. "Wenn die fett ist, was ist dann der Rest der Welt?", fragt eine Kommentatorin.

Doch der Aufschrei ist gleich aus drei Gründen ungerecht und überzogen. Erstens hat Calvin Klein nie behauptet, dass Dalbesio ein Plus-Size-Model sei. Zweitens rechnet sich Dalbesio selbst eher zu den größeren Models. Und drittens zeigt sich einmal mehr, dass es den jetzt aufschreienden Feministinnen, Weltverbesserern und Gutmenschen nur schwer recht zu machen ist.

Zu dünn geht nicht. Ein bisschen dick geht aber auch nicht, weil das dann für dick immer noch zu dünn ist. Was wollen die? Die Weather Girls in Lingerie? Sollen künftig Sumo-Ringer für Calvin-Klein-Unterhosen Werbung machen? Die bittere Wahrheit ist: Das will niemand sehen.

Die Modeindustrie lebt vom Wunsch nach gutem Aussehen

Die Modewelt ist eine Scheinwelt. Es werden Träume verkauft und Fantasien geweckt. Vor allem in der Werbung. Toffifee oder Chipsletten schaufeln in TV-Spots auch nur dünne Menschen in sich hinein. Warum sollte das gerade in der Modeindustrie, die von Hedonismus und dem Wunsch nach gutem Aussehen lebt, anders sein?

Im vergangenen Jahr stellte die amerikanische Website "Buzzfeed.com" die Unterhosenwerbung von Calvin Klein mit "echten Männern" nach. Neben Cristiano Ronaldo, David Beckham und Fredrik Ljungberg waren Männer wie du und ich in den knappen Höschen abgebildet. One-Pack statt Six-Pack.

Keiner der Männer war hässlich. Und trotzdem: Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich spontan für eine Unterhose von Beckham statt von Mister Bierbauch entscheiden. Das mag politisch nicht korrekt und gesellschaftlich beklagenswert sein, ist aber so. Kein Shitstorm und kein Weltverbesserer wird das ändern.

Hier können Sie den Autor @dermaierjens auf Twitter beschimpfen.