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Plus-Size oder Normalgewicht?: Myla Dalbesio bringt Calvin Klein Shitstorm ein

Mit der Anstellung von Myla Dalbesio sprengte Mode-Gigant Calvin Klein erstmals ganz bewusst seine Gewichtsvorlagen. Das Model trägt Kleidergröße 40. Dennoch hagelt es heftige Kritik.

Von Frank Siering, Los Angeles

Das Modehaus Calvin Klein (CK) wollte endlich etwas gegen den Magerwahn in der eigenen Branche unternehmen. Für die neue "Perfectly Fit" Unterwäsche-Kampagne wurde darum kurzerhand Myla Dalbesio angeheuert, die mit der amerikanischen Kleidergröße Zehn (entspricht etwa der deutschen Größe 40) nicht gerade die klassischen Model-Maße ihrer Victoria’s-Secret-Kolleginnen hat. Doch CK schien das egal zu sein. "Wir wollten eine Linie entwickeln, die sich an unterschiedliche Frauen wendet. Wir wollen inklusiver sein", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Nicht Calvin Klein, sondern die Medien bezeichneten Dalbesio in ihrer anschließenden Berichterstattung als "Übergröße-Model" – und lösten damit einen echten Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus. Diverse Blogger und Twitterer regten sich darüber auf, dass Dalbesio in Fernsehbeiträgen als Übergröße-Model herausgestellt wurde. "Diese Frau ist ein 'Plus Size’-Model, das ist lächerlich”, schrieb eine Frau auf Twitter. Und eine Andere fügte hinzu: "Wann lernen wir endlich dazu? Diese Frau ist stinknormal, hat eine tolle Figur. Was hat das mit Übergröße zu tun?”.

Zusammenarbeit mit ultradünnen Models

Kurioserweise könnte Dalbesio selbst zu dem Shitstorm im Internet beigetragen haben. In einem Interview mit einem US-Magazin hatte das Model vor kurzem noch gesagt, dass sie "zu den Mädchen zähle, die ein bisschen dicker sind". Und weiter: "Ich bin mit Sicherheit etwas fülliger als die Mädchen, mit denen Calvin Klein in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat". Tatsächlich ist gerade Calvin Klein dafür bekannt, in der Vergangenheit mit ultradünnen Models wie Kate Moss, Natalia Vodianoa und auch Christy Turlington zusammengearbeitet zu haben.

Dalbesio allerdings gab zu, dass es für ihre CK-Kampagne keine Restriktionen oder gar "Größen-Kontroversen" gegeben habe. "Calvin Klein hat mich mit all den anderen Models gleichzeitig für diese Kampagne gebucht. Es gab keine separate Kampagne für die Plus-Size Girls", so das Model.

Keine Diäten mehr

Schon einmal, im Jahr 2010, hatte die Modeindustrie versucht, Frauen mit "normalen Kleidergrößen" als Models zu vermarkten. Doch schnell kehrte die Modeindustrie zurück zu abgemagerten Supermodels, die eine eher ungesunde Figur haben.

Unlängst hatte Victoria Secret mit der "Perfect Body"-Promotion für Aufsehen gesorgt. Darin räkelten sich Frauen, die dem viel besagten "Strich in der Landschaft" glichen und wahrlich nicht die durchschnittliche Amerikanerin repräsentierten. Ebenfalls unter Druck war kürzlich die Ladenkette "Topshop" geraten, die ultradünne Mannequins in ihren Läden ausgestellt hatte.

Dalbesio selbst litt jahrelang unter sogenannten "Crash-Diäten", weil sie dem durch Werbekampagnen vorgeschriebenen Körperbild der Modeindustrie entsprechen wollte. "Heute mache ich keine Diät mehr. Ich fühle mich wohl in meiner Haut", so das neue und mittlerweile gut beschäftigte Calvin-Klein-Model.

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