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Chefredakteurin Anna Wintour: "Vogue" treibt den Teufel aus

Sie ist die einflussreichste Frau in der Fashionwelt. Ihrem Führungsstil verdankt sie den Spitznamen "Eiskönigin". Seit sie im Film "Der Teufel trägt Prada" verewigt wurde, ist sie über die Modebranche hinaus berühmt: Anna Wintour leitet seit 20 Jahren die "Vogue". Jetzt wackelt ihr Thron.

Von Kathrin Buchner

Perfekt gestylt ist sie immer, an ihrem akkurat geschnittenen Pagenkopf und der überdimensionierte Chanel-Sonnenbrille erkennt man sie, auf Modenschauen sitzt sie in der ersten Reihe: Anna Wintour, 59, ist seit 20 Jahren Chefredakteurin der amerikanischen "Vogue", der einflussreichsten Modezeitschrift der Welt. Sie bestimmt die Trends, ihr Urteil entscheidet über Karrieren von Fashiondesignern. Wen sie entdeckt, der wird es weit bringen in der Welt des Glamours. Unter ihrem Regiment entwickelte sich die "Vogue" zur Bibel der Modewelt, die bis zu 800 Seiten umfassten. Über die Branche hinaus wurde sie berühmt durch den Kinohit von 2006 "Der Teufel trägt Prada". In der Buchvorlage verarbeitet Lauren Weisberger, Ex-Assistentin der Wintour, ihr Martyrium unter der tyrannischen Chefin.

Doch es scheint, dass der Thron der "Nuclear Wintour", so ihr Spitzname, wackelt. Ihr Vertrag läuft im nächsten Jahr aus, und in New York mehren sich derzeit die Gerüchte um einen Abtritt. Feuer bekommen diese von einem Medienblogger namens "Gawker". Der habe in einem New Yorker Nobelrestaurant erfahren, "Vogue"-Verlagschef Newhouse wurde sich in Paris mit Carine Roitfeld treffen. Die wiederum ist Chefredakteurin der französischen "Vogue" und gilt als heiße Kandidatin für die Nachfolge von Wintour.

Verleger Newhouse ließ die Gerüchte zwar umgehend dementieren, aber ein Fünkchen Wahrheit könnte darin schon stecken. Denn auch der Condé-Nast-Verlag ist von der derzeitigen Anzeigenflaute in Printmedien betroffen. Der Kioskumsatz der "Vogue" brach bereits um zwölf Prozent ein. Erste Sparmaßnahmen gibt es bereits: Die Ausgabe der "Men's Vogue" wird statt bisher zehn Mal nur noch zwei Mal im Jahr erscheinen, "Vogue Living", ein Ableger des Mutterblattes, in dem es ums Einrichten geht, wurde bereits eingestellt. Da würde es gut passen, das üppige Gehalt von Wintour einzusparen, das auf zwei Millionen Dollar jährlich geschätzt wird.

Wintour selbst dementierte die Gerüchte vor ein paar Tagen bei einer Podiumsdiskussion im New Yorker Plaza-Hotel: "Ich habe keine Pläne 'Vogue' jetzt oder in absehbarer Zukunft zu verlassen", sagte die 59-jährige Britin laut "New York Post". Über die Frage, ob Condé-Nast-Chef Newhouse ihren Vertrag verlängert habe, der im kommenden Jahr abläuft, hüllte sie sich jedoch in Schweigen. Der Abgang der eisigen Anna wäre das Ende einer Ära, das Ende des Modediktats einer allmächtigen Herrscherin, die vorschreibt, was man anzieht, um "in" zu sein, das Ende des Prototyps "hochnäsige Moderedakteurin". Der Fall der Modekönigin könnte also das Ende der Monarchie im Fashion-Zirkus bedeuten, die unter anderem abgelöst wird von den vielen Style-Blogs im Internet.

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