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Fashion Week Berlin Boss und Co. gehen fremd


Ein bisschen Dschungelcamp-Feeling für Boris Becker und Milla Jovovich: Sie sind die Stargäste der ersten Modenschau der Fashion Week Berlin, die im Tropenhaus des Botanischen Gartens stattfindet. Die meisten Shows werden jedoch in einem Zelt am Bebelplatz gezeigt. Nur Topdesigner gehen fremd.
Von Jens Maier

Wer mitten im Januar in Berlins Mitte zelten will, hat offenbar noch nie etwas vom berüchtigten Winter in der Hauptstadt gehört. Sibirische Tiefausläufer drohen, den eisigen Wind durch jede unabgedichtete Naht zu wehen - ein Iglu wäre weitaus angebrachter. Trotzdem wird der Bebelplatz an Berlins Prachtmeile "Unter den Linden" in den nächsten Tagen zum Zeltplatz umfunktioniert. Direkt neben der Deutschen Staatsoper steht ein riesiges Zelt. Wer mitten im Winter campiert? Modedesigner, Models, Einkäufer und Journalisten.

Von Mittwoch bis Sonntag findet zum vierten Mal die Berliner Fashionweek statt. Nationale und internationale Designer wie Michael Michalsky, Joop, Hugo Boss oder die Newcomer Kaviar Gauche und Felder&Felder präsentieren ihre Kollektionen für Herbst/Winter 2009/2010. Zentraler Schauplatz wird, wie bereits im Sommer vergangenen Jahres, das Fashionshowzelt am Bebelplatz sein. Auf dem dort aufgebauten Laufsteg werden 20 der insgesamt 25 Modenschauen gezeigt, die restlichen an sogenannten "Offsite"-Locations.

Boss-Show in tropischen Gefilden

Den Anfang macht dabei am Mittwochabend Boss. Ein Hauch von Dschungelcamp wird die erste Modenschau der diesjährigen Fashionweek umgeben. Grund ist der ungewöhnliche Veranstaltungort. Offenbar wollte Chefdesigner Ingo Wilts ganz sicher gehen, dass seine Gäste im Warmen sitzen und präsentiert die neusten Kreationen des Labels Boss Black im Tropenhaus im Botanischen Garten in Dahlem. Gäste und Models müssen allerdings keine Kakerlaken-Attacken fürchten. Das Tropenhaus steht nach einer Komplett-Renovierung im vergangenen Jahr noch komplett leer.

Dass Designer ihre Kreativität auch in der Wahl ihrer Locations austoben, beweisen auch andere Designer. Dirk Schönberger hat für die Joop-Show den Hamburger Bahnhof angemietet, Michael Michalsky sogar eine Kirche. Bei dem Motto seiner Schau "Huren und Heilige" wird es den Zuschauern am Freitagabend in der Zionskirche am Prenzlauer Berg bestimmt heiß genug werden. Winterjacken und dicke Strümpfe hat hingegen Bernhard Wilhelm verordnet: "Winterolympiade 1976" lautet sein Motto am Samstag im Postbahnhof.

Berliner müssen draußen bleiben

Der Durchschnittsberliner kann sich die Shows leider nicht ansehen. Die Schauen sind ausschließlich geladenen Gästen und Fachbesuchern vorbehalten, zu denen in erster Linie Mode-Journalisten, Industrievertreter und Prominente zählen. Um die Berliner nicht ganz von der Modewoche auszuschließen, wird es allerdings auch in diesem Jahr die Showroom-Meile geben. Über 50 junge Designer und Modeschulen zeigen ihre aktuellen Kollektionen und Projekte an öffentlich zugänglichen Orten rund um den Bebelplatz. Die geplanten Großleinwände, auf denen die Shows live übertragen werden sollten, wird es allerdings nicht geben.

Dafür können sich die Berliner bereits eine Woche vor Beginn der Berlinale mit prominenten Gästen schmücken: Boris Becker, Benno Führmann, Ralf Möller, Eva Padberg und Wolfgang Joop haben ihr Kommen angekündigt, außerdem die Berliner Haute Voilé rund um Udo Walz und Sabine Christiansen. Und natürlich der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der am Abend bei der Eröffnungsshow von Boss Black dabei sein wird.

Eine ist bereits seit Tagen in der Stadt präsent: Auf mehr als 40 überdimensionalen Postern ist in ganz Berlin das Konterfei von Julia Stegner zu sehen. Die 24-jährige Münchnerin mit Wohnsitz in New York löst Eva Padberg als Gesicht der Fashionweek ab. Stegner hatte ihren großen Durchbruch als Model für Yves Saint Laurent, sie arbeitete für Boss und Chanel und war auf dem Cover von großen Modezeitschriften wie der Vogue und der Elle. Und außerdem kennt sich Stegner sehr gut mit Zelten aus. Entdeckt wurde die 1,84 Meter große Blondine als Teenager auf dem Oktoberfest.

Mercedes sagt Einhaltung des Sponsorings zu

Und ähnlich wie das größte Volksfest für München ist die Fashionweek für Berlin zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. "Der Modebereich erwirtschaftet jährlich rund 250 Millionen Euro", sagt Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf. Darüber hinaus sorgt die Branche für zahlreiche Arbeitsplätze. Über 800 Designer arbeiten mittlerweile in Berlin, die je nach Erfolg in ihren kleinen Ateliers wiederum Angestellte haben. Niedrige Mieten und der Ruf der Stadt als einzige Metropole Deutschland sind nur zwei Gründe dafür, dass zahlreiche Designer sich in der Hauptstadt niedergelassen haben. Auch die Förderung durch die Stadt spielt eine wichtige Rolle. Mehr als drei Millionen Euro hat die Senatsverwaltungen seit 2005 für die Unterstützung der Modeindustrie ausgegeben.

Die Fashionweek selbst lebt vor allem von Geldern von Hauptsponsor Mercedes-Benz. Der Autobauer hatte sich für fünf Jahre verpflichtet, das Event zu unterstützen und hält auch trotz Wirtschaftskrise an dieser Zusage fest. "Weil die Modewoche ein so großer Erfolg ist", wie Kristina Hammer, Marketing-Direktorin von Mercedes, bestätigte.

Damit die Gäste nicht frieren müssen, hat Veranstalter IMG übrigens ein besonders gut isoliertes Zelt am Bebelplatz aufgestellt und eine Heizung einbauen lassen. Wie schön Wintercampen in Berlin sein kann, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.


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