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Guru: Da blüht uns was!

In Italien gehört es zu den erfolgreichsten jungen Modelabels. Jetzt will sich Guru auch in Deutschland verstärkt ausbreiten.

Von Oliver Creutz

Nein, es ist wirklich nicht leicht für Matteo Cambi. Da sitzt er in einem prunkvollen Hotelzimmer, vor ihm ein gedeckter Frühstückstisch, und er könnte entspannt losplaudern, um die Geschichte seines Modelabels zu erzählen. Eine Erfolgsgeschichte, keine Frage. Cambi ist Italiener, er lebt in der Stadt Parma, sein Mitteilungsdrang ist groß - nur die Sprache steht ihm im Wege, dieses verflixte Englisch. Er scheint geübt zu haben, hat sich die Worte zurechtgelegt wie für einen Vokabeltest, und doch passiert es, dass Cambi, 30, zu kaum einer Frage die passende Antwort findet. "Was war die Ursprungsidee für Guru, Herr Cambi?" - "Wir sind die am stärksten wachsende Modemarke der Welt. In vier Jahren haben wir um mehr als 5000 Prozent zugelegt", so seine Erwiderung, aufgesagt mit der Präzision einer Sprechpuppe.

Matteo Cambi trägt einen grobmaschigen Cashmere-Pulli, und trotz der grauen Jahreszeit ist sein unrasiertes Jungengesicht auffällig gebräunt. Unermüdlich trägt er seine Antwort-Stanzen vor: "2005 haben wir 95 Millionen Euro Umsatz gemacht. 14 Prozent davon gehen in Marketing und Werbung. Wir besitzen fünf Flagship-Läden, bald sollen es 30 sein." Und während immer neue Zahlen durch den Raum schwirren, denkt man für sich, dass man Modemacher doch bitte nur Mode machen lassen sollte. Zum Reden scheinen die wenigsten von ihnen geschaffen. Doch nach und nach füllt sich das Notizbuch mit Aussagen von Matteo Cambi - zusammengefügt ergeben sie die Geschichte des Modelabels Guru.

Es ist eine sehr italienische Geschichte, Meer und Strand kommen in ihr vor, auch Partys auf Sardinien sowie Fußballstars und Rennfahrer. Sie beginnt mit der einsamen Entscheidung eines 23-Jährigen, sich ins Modegeschäft zu begeben, begleitet vom Kopfschütteln seiner Eltern. 1999 entwirft Matteo Cambi ein paar T-Shirts, die er in seinem Freundeskreis verteilt. Im Folgejahr schafft Cambi eine kleine Kollektion für Surfer und wählt als Erkennungszeichen eine Margerite - ein moderner Hippie? "Nein, ich glaubte nicht an die power of the flower", sagt er. Das ändert sich schnell: Die Margerite schmückt unübersehbar eine Vielzahl der detailverliebten Freizeit-Stücke von Guru - Hemden, Sweatshirts und Blusen, bunt bedruckt, locker geschnitten, zum schnellen Drüberziehen. Bequem und trotzdem stylish.

2001 führen die Geschäfte

Cambi nach Sardinien in den "Billionaire"-Club von Flavio Briatore, seit 2004 prangt die Gänseblume auf dem Rennanzug des Formel-1-Weltmeisters Fernando Alonso, der für Briatores Renault-Team fährt. Ebenso aufmerksam pflegt Cambi seine Freundschaften zu Italiens Profi-Fußballern: Von 2002 an treten Stars wie Paolo Maldini und Christian Vieri in Guru-Shirts auf. Aus dem ehemaligen Ein-Mann-Unternehmen wächst eine Firma mit fast 100 Angestellten. "Heute muss ich mein Büro unkenntlich machen, sonst würde sich davor eine Menschenschlange bilden", sagt Cambi. Auch bei seinen Eltern haben sich die Sorgenfalten längst geglättet: Die Mutter beaufsichtigt bei Guru die Designabteilung, der Vater kümmert sich um den Verkauf.

Matteo Cambi selbst hält mittlerweile an Hochschulen Vorlesungen über Marketing - es gibt schließlich einiges von ihm zu lernen über den Aufbau einer Marke. Etwa, dass Prominente zwar die Bekanntheit beschleunigen, aber keine Garantie für den Abverkauf in großem Stile sind. Möglicherweise ist Cambi in seiner Muttersprache sogar ein guter Redner. Hier, in diesem Zimmer in Berlin, wünscht man sich: Lasst Blumen sprechen - und Cambi schweigen.

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