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Kritik an US-Modemarke: Attraktiv und fett in Abercrombie & Fitch

Der Shitstorm gegen das US-Label Abercrombie & Fitch geht weiter. Jüngstes Beispiel: US-Bloggerin Jes Baker. Die übergewichtige Blondine provoziert Firmenchef Jeffries mit freizügigen Fotos.

Von Julia Kepenek

Sie ist blond, am ganzen Körper tätowiert und trägt Kleidergröße 54. Die Amerikanerin Jes Baker gehört zu den Frauen, die Mike Jeffries, Chef der Klamottenmarke Abercrombie & Fitch (A&F), als "uncool" bezeichnete. Dicke Frauen, so glaubt Jeffries, sollten nicht in seinen Läden einkaufen. Für dieses diskriminierende Weltbild musste der 68-Jährige viel Kritik einstecken. Im Internet brach ein gewaltiger Shitstorm gegen Jeffries los. Auch wenn sich der Unternehmer inzwischen öffentlich für seine Aussagen entschuldigt hat - vom Tisch ist das Thema nicht.

Auf ihrem Blog "The Militant Baker" hat Jes Baker einen Brief an Mike Jeffries veröffentlicht. Darin schreibt sie, dass er nicht der einzige sei, der dicke Menschen für unattraktiv halte. Mit seinem Kommentar habe er aber die weitverbreitete Meinung, Dicke seien "Versager, wertlos und unattraktiv" noch bekräftigt. Zudem prangert Baker die Schönheitsideale der Werbeindustrie an, die in ihren Kampagnen stets nur schlanke Models zeige. Dass eine dicke Frau mit einem dünnen Mann posiere, sei undenkbar.

Genau das tut Baker aber. Die Blondine aus Tuscon, Arizona, postete 18 Schwarzweißbilder, auf denen sie mit dem amerikanischen Männermodel John Cameron Shay zu sehen ist. Shay ist dunkelhaarig, durchtrainiert und wohl das, was Mike Jeffries für den perfekten Kunden hält. Baker räkelt sich mal barbusig auf dem ebenfalls oberkörperfreien Männermodel, mal trägt sie ein T-Shirt von Abercrombie & Fitch und Shorts. Versehen sind die Aufnahmen, die an Werbebilder erinnern, mit der Aufschrift "Attractive & Fat".

Auch eine übergewichtige Frau kann A&F tragen

Die Fotos sind ein klarer Seitenhieb auf Mike Jeffries. Schau her, ein Abercrombie & Fitch T-Shirt in Größe L passt auch einer Frau, die über 100 Kilogramm wiegt! Zudem schreibt Baker: "Ich habe diese Bilder nicht machen lassen, um zu beweisen, dass mich das Männermodel attraktiv oder die Fotografin fotogen findet oder um zu zeigen, dass du (Mike Jeffries) ein arrogantes Arschloch bist. Vielmehr wollte ich dokumentieren, dass ich mich in meiner Haut wohlfühle."

Dick = Sexy ist eine Rechnung, die für Mike Jeffries offenbar nicht aufgeht. Falls doch, so fordert Baker, solle er ihr das Gegenteil beweisen und oberkörperfrei mit einem "heißen, fetten Mädchen" posieren. Oder aber einen Scheck mit einer "beträchtlichen Summe" ausstellen, damit sie nie wieder Klamotten von Abercrombie & Fitch trägt. Eine Anspielung auf ein weiteres Fettnäpfchen in der Firmengeschichte. Denn 2011 bot Abercrombie & Fitch dem Reality-Soap-Star Michael Sorrentino Geld, damit er nicht mehr in A&F-Klamotten herumläuft. Auch damals fürchtete Mike Jeffries einen Image-GAU. Was der 58-Jährige nicht bedacht hat: Es sind nicht die dicken, uncoolen oder prolligen Kunden, die dem Ansehen von Abercrombie & Fitch schaden. Es ist allein er mit seiner diskriminierenden Einstellung.