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Abercrombie & Fitch: Modelabel zahlt Seriendarstellern Geld für nichts

Geld für keine Werbung: Das sollen die Stars einer US-Serie von Abercrombie & Fitch bekommen. Die Modefirma will sie dafür bezahlen, dass sie keine Kleidung des Labels mehr tragen. Der Grund ist vor allem Vorzeigeprolet Michael Sorrentino.

Von Jens Maier

Eigentlich zeigt er sich ohnehin am liebsten ohne T-Shirt: Michael Sorrentino ist einer der Hauptdarsteller der amerikanischen Reality-Soap "Jersey Shore". Und der Prototyp eines Proleten. Er lässt sich gerne mit seinem Spitznamen "The Situation" rufen, trägt eine Frisur wie Bushido, ist selbsternannter Macho und zeigt auf jedem roten Teppich mindestens einmal seinen Sixpack-Bauch, indem er sein Shirt bis über die Brustwarzen nach oben zieht. Besonders gerne trägt der Italo-Amerikaner Kleidung der Firma Abercrombie & Fitch (A&F). Und genau das findet man in der Firmenzentrale in Ohio gar nicht lustig.

Das Modeunternehmen hat Sorrentino jetzt ein kurioses Angebot gemacht. Er soll Geld dafür bekommen, dass er künftig keine A&F-Kleidung mehr trägt. Auch andere Darsteller von "Jersey Shore" hätten eine ähnliche Offerte erhalten, sagte eine Firmensprecherin. Wie hoch das Angebot genau ist, darüber wollte sie keine Auskunft geben. Im Fall von Sorrentino soll es sich aber um eine "beträchtliche Summe" handeln.

Bei "Jersey Shore" geht es um Saufen und Frauen anbaggern

Die Verantwortlichen bei Abercrombie treibt die Sorge um, das über Jahre aufgebaute Image des coolen und trendigen Labels könnte Schaden nehmen. A&F-Chef Mike Jeffries sprach sogar von "einer schrecklichen Nachricht", als er erfahren habe, dass Sorrentino in der Serie Kleidung der Marke getragen habe. Denn die Sendung stehe im Gegensatz zum "angestrebten Charakter" des Labels und könnte vielen Kunden "Sorgen bereiten".

In "Jersey Shore" geht es um das Leben von acht Italo-Amerikanern, die mit der Kamera begleitet werden. Überwiegend bekommen die Zuschauer dabei eine Macho-Welt vorgeführt. Die Darsteller betrinken sich gerne, stählen ihre Muckis und machen mit dummen Sprüchen Frauen an. Obwohl die Serie umstritten ist, weil sie Amerikaner mit italienischen Wurzeln angeblich zu stereotyp darstelle, läuft bereits die vierte Staffel. Und die Darsteller avancieren zu Stars.

Sorrentino vermarktet sich selbst

In bester Daniela-Katzenberger-Manier versteht es vor allem Sorrentino, sich selbst zu vermarkten. Er hat nicht nur eine Biografie und eine Platte veröffentlicht, sondern im vergangenen Jahr sogar mit der Republikanerin Sarah Palin einen öffentlichen Auftritt für eine Wohltätigkeitsveranstaltung absolviert. Außerdem ist er gern gesehener Gast in unzähligen Talkshows, hat in der Show "Dancing with the Stars" mitgemacht und soll 2010 mehr als fünf Millionen Dollar durch Werbeverträge für einen Wodka-Hersteller, eine Sportartikelfirma und Vitaminpillen verdient haben.

Jetzt soll der 29-Jährige also auch Geld dafür bekommen, wenn er nicht wirbt. Der Sender MTV, bei dem die Serie ausgestrahlt wird, hält die Mitteilung von A&F für einen PR-Schachzug. Der Einzelhändler aus Ohio wolle etwas vom beträchtlichen Zuschauererfolg der Serie abbekommen, glaubt man beim Musiksender. Viele Internet-User in den USA teilen diese Ansicht.

"Wer trägt schon noch Abercrombie & Fitch?", schreibt ein Kommentator auf der Website des Fernsehsenders CBS. "Die sollen froh sein, wenn ihre Klamotten überhaupt noch jemand anzieht." Ein anderer ist der Meinung, dass die Mitteilung über das Angebot dem Modelabel mehr schadet als nützt. "Wenn die einem Idioten Geld dafür bezahlen, dass er ihre Kleidung nicht mehr trägt, dann ist das ein Grund für mich, diese Sachen ganz bestimmt nicht mehr zu kaufen."

Abercrombie leidet unter Umsatzschwund

Abercrombie & Fitch, zu deren Marken auch Hollister und Gilly Hicks gehören, war seit den 90er Jahren auf Expansionskurs. Die Umsätze zogen stark an, in ganz Amerika wurden Shops eröffnet und das Label wurde vor allem unter neureichen amerikanischen Kids zur Kultmarke. Freizügige Werbekampagnen, in denen nur leicht bekleidete weibliche und männliche Models zu sehen waren, sorgten in den USA für großes Aufsehen. Wegen der gutaussehenden männlichen Models wurde die Marke außerdem besonders bei Homosexuellen beliebt. Inzwischen wird die Kleidung aber oft in Outlet-Stores verramscht, die Firma hat mit großen Umsatzeinbußen zu kämpfen.

Einziger Gewinner der Posse wird wohl Michael Sorrentino sein. Der ließ es sich in seinem Profil auf dem sozialen Netzwerk Twitter jedenfalls nicht nehmen, Abercrombie eins auszuwischen. In Anspielung auf seinen Spitznamen "The Situation" schrieb er: "Sieht ganz so aus, als hätte sich A&F selbst in eine Situation gebracht."