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Kampagne gegen Abercrombie & Fitch: A&F für arm und fett

Schöne Klamotten für schöne Menschen - das ist das Motto von Abercrombie & Fitch. Nun regt sich im Netz Widerstand gegen das elitäre Gehabe: Die teuren Klamotten werden an Obdachlose verschenkt.

Von Christoph Fröhlich

Mike Jeffries' Weltbild ist mitunter recht simpel gestrickt: Schöne Klamotten gehören nur an schöne Körper. Mit seinen radikalen Ansichten sorgt der Chef des Modelabels Abercrombie & Fitch (A&F) immer wieder für Schlagzeilen: "In jeder Schule gibt es die coolen und beliebten Kids, und dann gibt es noch die nicht so coolen Kinder. Offen gesagt, wir wollen die coolen Kids", sagte Jeffries dem Magazin "Salon" vor einigen Jahren. Dicke Frauen seien in seinen süßlich-duftenden Läden ebenso unerwünscht wie untrainierte Männer, sagt er. Genussmenschen mit ein paar Pfunden zu viel auf den Hüften hätten in seinen T-Shirts und Jeans nicht verloren. Wenn sie denn überhaupt in diese hineinpassen: Die Damenkollektion von A&F endet bei Kleidergröße L, Hosen gibt es nur bis zur Konfektionsgröße 40. "Wir stellen gut aussehende Menschen ein, denn die wirken auf andere attraktive Menschen anziehend. Alle anderen fassen wir gar nicht ins Auge", sagte der Firmenchef in einem Interview im Jahr 2006.

Netzsturm gegen A&F

Dieses elitäre Gehabe fliegt Jeffries nun im Netz um die Ohren: Auf Twitter wird das Unternehmen wüst beschimpft, auf Facebook hagelt es seit Tagen negative Kommentare. Auslöser für den jüngsten Shitstorm ist ein Youtube-Video des bis dahin unbekannten Drehbuchautors Greg Karber. Er kommt aus Los Angeles und hatte in einem Artikel gelesen, dass Abercrombie & Fitch Kleidung mit Produktionsfehlern lieber verbrennt als sie an Bedürftige zu spenden, um das Image der Marke nicht zu beschädigen.

Das wollte Karber nicht länger hinnehmen und startete eine Gegenkampagne: Dafür kaufte er eine Tüte voller A&F-Kleidung und verteilte die Shirts der Schönen und Reichen kostenlos an Obdachlose. Anschließend fordert er seine Zuschauer auf, es ihm gleichzutun und gebrauchte A&F-Klamotten an Obdachlose und Bedürftige zu verschenken. Nur so könne man es dem elitären Firmenchef Jeffries heimzahlen und gleichzeitig etwas Gutes tun, sagt er. "Zusammen können wir die Marke A&F neu erfinden", schreibt Karber unter sein Youtube-Video. Mit Erfolg: Das Video wurde innerhalb von vier Tagen mehr als 3,5 Millionen Mal angeklickt.

Auch in sozialen Netzwerken wird die Gegenkampagne heiß diskutiert: Auf dem Internetportal "Reddit" verbreiten Nutzer seit Tagen Bilder von alten T-Shirts, Hosen oder Röcken, die sie nun verschenken wollen. Auf Twitter kursieren unter dem Hashtag #FitchTheHomeless Bilder von Obdachlosen mit A&F-Shirts. Sie halten Pappschilder mit Aufschriften wie "Zu arm für dieses Shirt" oder "Zu fett für dieses Shirt".

Nett oder verwerflich?

Doch es gibt auch Widerstand gegen Karbers Verschenk-Aktion: Ist es einfach nur nett, teure Klamotten an Obdachlose zu verschenken - oder würdigt dieses Vorgehen Menschen ohne ein Dach über dem Kopf nur noch mehr herab? Vor allem in den Kommentaren unter dem Youtube-Video wird eine ethische Debatte geführt. So schreibt ein Nutzer: "Er beschämt also A&F, in dem die Klamotten von Obdachlosen getragen werden? Ist das nicht fies gegenüber den Obdachlosen?"

Mike Jeffries hat sich auf der Facebook-Seite mittlerweile zu Wort gemeldet. Seine sieben Jahre alten Zitate aus dem Jahr 2006 wären in der jetzigen Diskussion aus dem Zusammenhang gerissen, schreibt der A&F-Chef. "Ich bedauere, dass meine Wortwahl in einer Art und Weise interpretiert wurde, dass sie als Beleidigung empfunden wird." Bei den Usern scheint die halbgare Entschuldigung nur wenig Eindruck zu hinterlassen. So fragt eine Facebook-Nutzerin spöttisch: "Wie kann man 'Wir mögen es nicht, wenn dicke Menschen in unseren Läden arbeiten oder unsere Klamotten tragen' falsch verstehen?"

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