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Männermode: Adam - taufrisch

Für die Herren der Schöpfung tritt Kosmetik jetzt in Pflegephase zwei - mit Nachtcremes, Peelings und Gesichtsmasken.

Falls stimmt, was Forscher bei der Untersuchung des menschlichen Erbguts festgestellt haben, gehen Männer schweren Zeiten entgegen: Das Y-Chromosom wird immer kleiner, möglicherweise gibt es schon in ein paar Millionen Jahren keine Männer mehr. Bis dahin allerdings hat die Kosmetikindustrie noch einiges mit ihnen vor. Denn wer der Frauenwelt schon alle erdenklichen Tinkturen verkauft, dem bleibt nur noch Terra incognita: der Mann. Und der ist längst in Pflegephase zwei eingetreten. Nach Düften, Deos und Aftershaves kommen nun Masken, mattierende Gels, Feuchtigkeitslotionen und straffende Nachtcremes auf den Markt. "Revitalisierung" heißt das neue Zauberwort.

"Age Fitness Night Recharge" etwa von Biotherm Homme soll die Haut mit Olivenextrakt und Thermalplankton im Schlaf glätten, Clarins Gel "Anti-Brillance" Talg auf Nase, Stirn und Kinn absorbieren. "Men Expert" von L'Oréal verspricht einen "Energie-Kick" durch Vitamin C und Koffein, Niveas "Hydro-Gel" verwendet Taurin, bisher vor allem aus Energy Drinks bekannt.

Es muss schön markig klingen

"Der Mann hat sich in der Pflege emanzipiert. Er schätzt die immer größere Auswahl", sagt Martin Ruppmann vom Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse. Das Geschäft mit dem starken Geschlecht boomt: Pionier und Marktführer "Nivea for Men" verbuchte 2005 ein Umsatzplus von 26 Prozent.

"Unsere Kosmetik kaufen vor allem Männer unter 35, also die, die es eigentlich gar nicht nötig haben", sagt Björn Held, Marktforscher bei Beiersdorf. "Auch Frauen spielen eine entscheidende Rolle: als Beraterin." Denn 80 Prozent der deutschen Damen finden, dass sich Männer mehr pflegen sollten. Damit die auch wirklich zugreifen, müssen die Produkte sportlich-markant klingen - wie Clarins "Total Wrinkle Control" oder das Waschgel "Active Face Scrub". Bei Frankreichs Kultmarke Nickel heißt das Aftershave "Contre-Feu", Kiehl's Lotion für Kerle schlicht "Facial Fuel".

Einfach sonne und Nikotin meiden

Ob das starke Geschlecht wirklich so viele Produkte benötigt, bezweifeln Experten allerdings. Richtig sei, dass Männer meist eine zu fettige Haut haben und eine leichte Creme vollkommen ausreicht. Ingrid Moll, Direktorin der Hamburger Universitätshautklinik: "Ab Mitte 30 verliert auch die dickere, straffere männliche Haut an Kollagen, und es bilden sich sogar tiefere Falten als bei Frauen." Insofern sei Pflege schon sinnvoll. Auch dass einige neue Männer-Produkte Falten glätten, will Professor Moll nicht bestreiten: "Dafür reicht es aber, die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen."

Worin sich alle einig sind: Der wirksamste Anti-Aging-Schutz besteht darin, hautschädigende Faktoren wie Sonne oder Nikotin zu meiden. Das sei weit wirkungsvoller als der Versuch, es später wieder gutzumachen. Die Frage ist nur, wie weit Männer wirklich gehen, um ihre Haut zu retten.

Matthias Wieland / print
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