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Seltene Komplikation Nach missglücktem Eingriff bei Linda Evangelista: Das ist über die Risiken von "CoolSculpting" bekannt

Linda Evangelista im Mai 2008 
Linda Evangelista im Mai 2008, Nach einer misslungen Schönheitsbehandlung ist sie heute kaum wiederzuerkennen. 
© Ian West / Picture Alliance
"CoolSculpting" soll Fettzellen mithilfe von Kälte verschwinden lassen. Doch offenbar ist ein solcher Eingriff bei dem früheren Topmodel Linda Evangelista schiefgegangen. Die bei ihr beobachtete Komplikation ist bekannt, aber selten.

Das kanadische Topmodel Linda Evangelista war früher Werbegesicht für bekannte Marken wie L'Oréal und zierte weltweit Magazincover – zuletzt war es um die heute 56-Jährige allerdings ruhig geworden. In der vergangenen Woche nannte Evangelista nun einen Grund für ihre unfreiwillige Auszeit: eine offenbar verpfuschte Schönheitsbehandlung.

Sie sei "brutal entstellt", schreibt das Model auf Instagram. "CoolSculpting", ein Verfahren, das eigentlich dazu diene, Fettzellen zu verkleinern, habe bei ihr zum Gegenteil geführt und die Zellen vergrößert. Zwei korrigierende Eingriffe glückten demnach offenbar ebenfalls nicht, sie sei "dauerhaft deformiert". Das frühere Supermodel hat den Hersteller des dabei eingesetzten Gerätes auf 50 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 42,6 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Evangelista gibt an, nicht ausreichend über mögliche Risiken der Methode aufgeklärt worden zu sein.

"CoolSculpting" kommt vielfach auch in Schönheitszentren in Deutschland zum Einsatz. Die Methode gilt als sanftere, da nicht-operative Alternative zur Fettabsaugung – ist allerdings nicht ohne Risiken. Ein Überblick über die wichtigsten Infos.

Was passiert bei "CoolSculpting" genau?

"CoolSculpting" ist eine spezielle Form der Schönheitsbehandlung, auch Kryolipolyse genannt. Sie basiert auf der Annahme, dass unter der Haut befindliches Körperfett durch Kälte geschädigt und reduziert werden kann. Dafür werden die Fettdepots mithilfe von Applikatoren, die den zu behandelnden Bereich ansaugen, stark heruntergekühlt. Ein Geltuch schützt dabei die Haut. In den Tagen und Wochen nach der Behandlung sollen die Fettzellen abgebaut und verstoffwechselt werden, die Silhouette frühestens nach sechs Wochen schlanker oder straffer erscheinen. Die Fettschicht bildet sich in der Regel um circa 20 bis 25 Prozent zurück.

Was kostet eine Sitzung?

Eine Sitzung dauert meist zwischen 60 bis 75 Minuten. Übliche Sätze beginnen ab etwa 250 Euro pro Sitzung und behandelter Zone. Mitunter sind mehrere Behandlungen notwendig.

Wann kommt die Methode zum Einsatz?

Die Methode kommt bei hartnäckigen, kleineren bis moderaten Fettansammlungen zum Einsatz, die nicht durch Sport oder eine gesunde Ernährung verschwinden. Am besten erprobt ist das Verfahren im Bereich des Bauches oder der Arme – grundsätzlich kommt die Methode jedoch auch an anderen Körperstellen zum Einsatz, etwa am Kinn, am Knie oder den Achseln.

Welche Risiken gibt es?

Der Eingriff ist mitunter schmerzhaft. An der Behandlungsstelle kann während der Behandlung ein leichtes Druckgefühl, Stechen, Kribbeln und Brennen auftreten. Eine Betäubung braucht es in der Regel aber nicht. Nach der Behandlung können sich blaue Flecken bilden. Auch kann sich der behandelte Bereich nach der Behandlung zeitweise taub anfühlen, geschwollen oder gerötet sein. Diese Begleiterscheinungen bilden sich in der Regel innerhalb von zwei Wochen zurück. Seltene Nebenwirkungen sind später einsetzende Schmerzen, Kälteverbrennungen und Brüche in der Bauchgegend, sogenannte Hernien.

Was ist im Fall von Linda Evangelista passiert?

Das Ex-Topmodel leidet nach eigenen Angaben unter einer weiteren seltenen, aber bekannten Nebenwirkung des Verfahrens – der sogenannten paradoxen adipösen Hyperplasie. Sie tritt Schätzungen zufolge etwa bei einem von 20.000 behandelten Patienten auf. Hierbei bildet sich das Fettgewebe nicht wie erhofft zurück, sondern vermehrt sich im Umfang – die Behandlung hat damit exakt den gegenteiligen Effekt. Die Nebenwirkung äußert sich durch eine anhaltende Schwellung der Behandlungsstelle. Warum die Methode in seltenen Fällen zu einer Hyperplasie führt, ist unklar.

Was wird im Falle einer Hyperplasie unternommen?

Die Komplikation kann mittels Liposuktion behandelt werden. Dabei wird das überschüssige Fett abgesaugt. Offenbar führte eine Behandlung im Fall von Linda Evangelista aber nicht zum gewünschten Ergebnis.

Werden Patienten über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt?

Ja, vor der Behandlung müssen Patienten über die zu erreichenden Ergebnisse und mögliche Risiken der Behandlung aufgeklärt werden. Vor der Behandlung erfolgt eine schriftliche Einwilligung.

Für welche Patienten eignet sich "CoolSculpting" nicht?

Klassische Kontraindikationen sind unter anderem Blutgerinnungsstörungen, Durchblutungsstörungen, eine bekannte Kälteempfindlichkeit sowie bestimmte Erkrankungen des Nervensystems oder der Haut. Auch Schwangere und Stillende dürfen nicht mit der Methode behandelt werden. Zur Behandlung von schwerem Übergewicht und Adipositas wird die Methode nicht empfohlen. Auch können bei Patienten, die überwiegend Bauchfett haben, in der Regel keine guten Ergebnisse erzielt werden.

Quellen: Bericht Kryolipolyse / Instagram

ikr

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