Mode im Gericht Saddams Schneider


Maßarbeit für Massenmörder: Seit er als Angeklagter in einem Gerichtssaal in Bagdad steht, ist Iraks Ex-Diktator stets in elegante Anzüge gekleidet. Ein Kurde stattet Saddam Hussein aus.

Unvergessen, wie er im Unterhemd aus einem Erdloch gezogen wurde. Der Diktator ohne Kleider erschien auf diesen Fotos als der Barbar, als den ihn viele Iraker während seiner Herrschaft erlebt hatten.

Doch dies war nicht das letzte Bild von Saddam Hussein: Seit dem 19. Oktober ist er wieder aufgetaucht, als Angeklagter in einem Gerichtssaal in Bagdad, stets gekleidet in einen eleganten Anzug. Und jedes Mal, wenn er in die Innentasche seines Sakkos greift, offenbart er das Etikett seines Schneiders, "Cesur", von Fernsehkameras festgehalten und um die Welt gesendet.

Eigentlich müsste sich Recep Cesur über diese Art von Reklame ärgern. Cesur ist Kurde. Gerade sein Volk hat unter der Tyrannei Saddams gelitten. Doch der 37-jährige Maßschneider mit Hauptsitz in Istanbul lässt seiner Freude über diese Bilder freien Lauf: "Ich schätze, Werbeminuten für sechs Millionen Dollar haben wir so bisher bekommen", äußerte er Ende November gegenüber mehreren Zeitungen. Inzwischen sind noch viele hinzugekommen.

Die Werbung funktioniert: Seit Prozessbeginn hat sich die Auftragslage gut entwickelt, "unsere Verkaufszahlen im Irak haben sich verdreifacht", sagte Cesur der britischen Zeitung "The Guardian".

Saddam gehört zu den Stammkunden des Schneiders: Von 1996 an ließ der Diktator über einen Mittelsmann Anzüge, Hemden und Schuhe in Cesurs Filiale in Bagdad einkaufen, später wurde der Modemacher persönlich zum Vermessen in den Palast gebeten. Saddam Husseins Maße sind ihm wohl vertraut: Jacke 56, Hose 58, Schuhe 45.

Nach dem Sturz des Herrschers dachte Cesur, der außerdem den Präsidenten von Pakistan, Pervez Musharraf, sowie Nelson Mandela in seiner Kundenkartei führt, nie wieder etwas von Saddam zu hören. Doch dann erreichte ihn der Auftrag der neuen irakischen Regierung: Der Angeklagte wünsche als Prozesskleidung vier Anzüge aus reiner türkischer Wolle zum Stückpreis von 470 Dollar. Alles wie früher, nur die Hosengröße ist auf 54 geschrumpft.

Cesur versucht, den Fall klein zu halten: Für ihn stellt der ExDiktator lediglich ein gutes Modell dar. Je länger der Prozess in Bagdad dauert, desto besser fürs Geschäft, doch eine Sache ist auch für den Schneider selbstverständlich: "Dann können sie ihn gern verurteilen."

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