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Models: "Die Lippen verkaufen das Produkt"

Wenn alternden Playboys posieren möchten, brauchen sie junge Schönheiten: Fürs Werbe-Shooting der Firma Puma in Monaco setzten sich die Rolling-Stones-Töchter Liz Jagger und Theodora Richards in Szene - und standen stern.de Rede und Antwort.

Das Event hier in Monaco steht unter dem Motto "A Jetset Experience". Fühlen Sie sich als Teil des internationalen Jetsets?

Liz Jagger: Als Kinder sind wir mit unseren Vätern und den Stones um die Welt gereist - dieses Leben war schon das, was man gemeinhin als Jetset bezeichnen würde. Aber jetzt leben wir unser eigenes Leben. Ich bin vor einer ganzen Weile von New York weggezogen und habe mir eine Cottage auf dem Land bei London gekauft. Da lebe ich jetzt die meiste Zeit mit meinen Hunden, kümmere mich um den Garten, koche gern und male viel. Das hat eher wenig mit Jetset zu tun.

Theodora Richards: Ich bin in Connecticut auf dem Land aufgewachsen und durfte erst mit 16 anfangen zu modeln. Da war es natürlich spannend, nach New York zu ziehen und dort in die Partywelt einzutauchen. Inzwischen bin ich aber kaum noch abends unterwegs, außer natürlich wenn es ein Job ist. Nach einer Weile weiß man, dass auch die "verrückte" New Yorker Partyszene aus den immergleichen Leuten, den immergleichen Orten mit der immergleichen Musik besteht....
Jagger: ...ja, und das ist fast ausschließlich HipHop - überhaupt nicht mein Ding! Außerdem ist in New York alles so wahnsinnig hektisch. Jeder hier steht ständig unter Strom und ist dauergestresst.
Richards: Okay, aber dafür passiert in dieser Stadt auch dauernd etwas. New York ist offen für alles und die Menschen bereit für das Neue.
Jagger: Ich finde, dass New York verdammt einsam machen kann.
Richards: Deswegen verbringe ich ja auch die meiste Zeit dort mit meinem Bruder und anderen lieben Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind.

Das klingt ja alles sehr geerdet und normal. Was hat ihnen bei dem bewegten Leben ihrer Eltern geholfen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren?

Jagger: Na, was wohl: unsere Eltern! Sie haben uns streng, aber sehr liebevoll erzogen. Wer unter berühmten Leuten aufwächst, hat ja ständig einen Spiegel vor Augen. Du siehst die Stars um dich herum und versuchst automatisch noch ein bisschen fester auf dem Boden zu bleiben.
Richards: Ich finde es schade, dass die Leute in den immergleichen Stereotypen über uns denken. Die sind geradezu verwirrt, wenn wir ihnen ganz normal und freundlich begegnen.
Jagger: Man darf nicht vergessen, dass unsere Eltern aus ganzen normalen Backgrounds kommen. Sie waren nur mit dem, was sie machen, ungeheuer erfolgreich. Als Menschen haben Sie sich, soweit ich das beurteilen kann, nicht groß verändert.

Also empfinden Sie Ihren berühmten Namen nicht als Bürde?

Richards: Nein, definitiv nicht! Es ist ein Geschenk, einen berühmten Namen zu tragen...
Jagger: ...und am Ende des Tages ist es auch nicht dein Name, der hilft, ein Produkt zu verkaufen. Es sind...
Richards: ...die Lippen! (lacht)

Vor einigen Wochen gab es viel Aufregung über das Gewicht der Models auf den internationalen Laufstegen. Was denken Sie über die Mager-Model-Debatte?

Jagger: Ich finde, dass die Diskussion sehr unfair ist. Wer dick ist, wird bemitleidet, aber wer von Natur aus dünn ist, wird angefeindet. Niemand sagt: 'Du Armes Mädchen, Du isst dreimal am Tag ausgiebig und kannst trotzdem nicht zunehmen'.
Richards: Das Schlimme an der ganzen Aufregung waren die Pauschalurteile. Sicher gibt es Models, die besorgniserregend dünn oder sogar krank sind. Aber man kann uns doch nicht alle über einen Kamm scheren.
Jagger: Da geht es auch ganz viel um Eifersüchteleien, soviel steht fest.

Ihre Mütter waren, bzw. sind seit Jahrzehnten erfolgreiche Fotomodelle. Welchen Rat haben Sie Ihnen für Ihre Karrieren mit auf den Weg gegeben?

Jagger: Meine Mum hat mir immer gesagt, dass das Modeln ein tolle Nebenbeschäftigung ist. Man kann einen Tag im Monat arbeiten und den Rest der Zeit mit anderen Dingen verbringen.
Richards: Meine Mum hat mir auch geraten, rechtzeitig den Absprung aus dem Modelbusiness zu finden. Ich nehme seit Jahren Schauspielunterricht, aber ich fühle mich noch nicht so weit, auf die Bühne zu gehen. Mich reizt das Theater oder ein Musical mehr als die Filmindustrie, aber als gute Schauspielerin musst Du selbstsicher und stark sein. Wer seine eigene Rolle im Leben noch nicht gefunden hat, kann auch nicht überzeugend andere Rollen spielen – das ist meine Meinung.
Jagger: Stimmt, man braucht einen gewissen Grad an Reife für die Schauspielerei. Und die Rollenwahl ist sehr entscheidend: Man hat ja leider nur eine Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen.

Was sagen denn Ihre Väter eigentlich zu Ihrem Job? Haben Sie keine Angst, dass ihre Töchter in der wilden Model-Szene unter die Räder kommen?

Richards: Nein, sie sind sehr sehr stolz auf uns und unterstützen uns in jeglicher Hinsicht.
Jagger: Außerdem ist die Modelszene auch nicht gefährlicher als andere Jobs. Diejenigen, die etwas mit Drogen oder sonstigen Exzessen zu tun haben, sind in der absoluten Minderzahl. Ich modele jetzt seit 10 Jahren und kann die Situationen, in denen es irgendwie kritisch wurde, an einer Hand abzählen.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre. Wovon träumen Sie?

Richards: Ich lebe Stunde für Stunde, Tag für Tag. Ich mache grundsätzlich keine langfristigen Pläne.
Jagger: Meine Wünsche? Wenn ich irgendwann mal eine Familie gründen sollte und die mir nur annähernd so viel bedeutet, wie meine Eltern und Geschwister, dann habe ich's geschafft. Aber momentan bin ich Single und weit entfernt davon...
Richards: Mir geht es wie Liz: Meine Familie ist das Wichtigste in meinem Leben. Sie gibt mir das Gefühl, wahrhaft priviligiert zu sein.

Interview: Mareile Grimm

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