Modemacher Wie sehen die denn aus?

Die einen sind sich selbst ihr liebstes Model, die anderen der personifizierte Gegenentwurf ihrer Kleidermacherkunst. Nach den Schauen in Mailand und Paris hat der stern Topdesigner zu ihren privaten Modemarotten befragt.

Donatella Versace

Donatella Versace

Frau Versace, ihre Entwürfe sind oft ausladend und verspielt. Sie selbst tragen meistens schwarz. Wie kommt's?

Ich muss einfach für den Laufsteg Schwarz tragen, auch wenn ich im normalen Leben Farbe mag. In Schwarz fühle ich mich nämlich sicher. Auf dem Runway muss es aber etwas Schlichtes sein, nichts Modisches. Es ist, als bringe es mir Glück, immer das Gleiche anzuziehen. Ich fürchte mich fast, mich für die Show zu verändern.

Und wenn sie sich sexy fühlen wollen - was tragen sie dann?

Schwarze Hosen und High Heels. wann haben sie begonnen, mit kleidung zu spielen? Da war ich noch sehr jung: Mein Bruder Gianni hat mich mit Mode in Berührung gebracht. Auf eine spielerische Art: Ich war seine Puppe.

Wie früh haben sie zu Ihrem Stil gefunden?

Als ich jünger war, habe ich Miniröcke bevorzugt. Jetzt trage ich Röcke am liebsten bodenlang. Knielange Modelle kommen mir nicht in den Kleiderschrank!

Vivianne Westwood

Vivienne Westwood

Ihre Modeschüler haben sie jahrelang mit einer Frage gequält: "Würdest Du in Deinen Sachen sexy aussehen?" Stellen sie an ihre eigenen Entwürfe die gleiche Anforderung?

Ich glaube, ich selbst will vor allem wichtig aussehen. Und wenn das auf andere verrückt wirkt, umso besser! Das sieht dann für mich erst recht wichtig aus.

Was hält ihre Mode am Leben?

Die geistige Beschäftigung. Ich bin immer auf der Suche nach etwas. In der nächsten Saison ist es eine Art geheime Revolution...

Ist ihr eigener Stil von dem ihrer Kollektionen trennbar?

Niemals!

Kean Etro

Kean Etro

Überraschung: Sie sind gar nicht bunt heute!

Ich habe eben noch ein anderes Hemd getragen. Aber es ist zu heiß! Doch die Farben dieser Saison gehen ohnehin vom Frühling aus: Ich habe viele Stücke in zarten Tönen gehalten, einige sogar in Weiß. Ein paar bunte sind aber auch dabei...

Macht bunt sie glücklich?

Es ist ein wenig so, wie jeden Tag aufzublühen. In einem Regenbogen findet man auch kein Schwarz: Denn dieser Ton bedeutet die Abwesenheit von Licht. Schwarz ist wie ein Versteck. Farbe zu zeigen wirkt hingegen offensiv.

Das klingt nach Überwindung.

Anfangs ist es nicht einfach: Bei mir hat es acht Jahre gedauert, bis ich es gewagt habe, bunte Sachen anzuziehen. 1986, auf meiner ersten Etro-Reise nach Japan, trug ich noch einen grauen Anzug. Und einen Aktenkoffer.

Welches ist momentan ihr Lieblingsstück?

Zurzeit mag ich Seersucker-Hosen. Solche, wie ich sie gerade trage, in verschiedenen Farben. Ich staune über die Qualität des Stoffes - und über die Anzahl der Taschen. Sehr nützlich übrigens für einen Mann, wenn er kein Jackett trägt...

Christopher Bailey

Christopher Bailey - Burberry

Sie tragen ja schon ein Hemd aus ihrer neuen Kollektion.

Stimmt! Das Jackett stammt ebenfalls aus der neuen Burberry-Kollektion. Marineblau ist meine Lieblingsfarbe im Moment.

Überhaupt haben sie sich bei den Farben der Saison sehr zurückgenommen. Ich wollte eine heitere, gelassene Stimmung erwecken. Also habe ich mich für weiche Pastelle, Khakis, gedämpfte Farben entschieden. Eleganz ohne jede Aggression.

Wann haben sie zum letzten mal radikal ihren eigenen Stil gewechselt?

Ich verändere mich eher langsam. In jeder Saison probiere ich etwas Neues, zuletzt viel Kord in kräftigen Farben. Und nun bevorzuge ich halt Khaki und Marineblau.

An welchen peinlichen Mode-Moment erinnern sie sich bis heute?

Als ich klein war, hat meine Cousine eine Ausbildung zur Friseurin gemacht. Einmal hat sie mich gebeten, Model zu sein. Aber sie hat mir nicht verraten, dass sie eine Dauerwelle machen will. Am Ende hatte ich also Locken wie eine Barbie. Allerdings nicht lange: Zu Hause habe ich mir alle Haare abrasiert.

Christian Lacroix

Christian Lacroix

Wie lange hat es gedauert, bis Sie heute morgen angezogen waren?

Ich kann mich mittlerweile fast mit geschlossenen Augen ankleiden - in meinem Schrank passen die Hosen und Jackets alle perfekt zusammen. Mein Pullunder hier ist allerdings brandneu.

Wie viel Spass macht es ihnen, sich zu stylen?

Da fühle ich mich wie ein Musiker, der jeden Tag probt: Für mich ist das gleichermaßen Gymnastik, Unterhaltung und eine Übung. Jeden Tag kombiniere ich neu. Wobei ich zugebe, dass ich sehr oft dasselbe trage, dieselbe Jeans etwa ein Jahr lang, jeden Tag... Von Saison zu Saison gewinne ich an Sicherheit, weiß, was mir steht, welche Farben zu mir passen.

Wie leicht können Sie sich trennen?

Ich liebe alles, was authentisch ist, alt, mit Löchern. Da bin ich richtig treu. Gestern hat meine Frau sich durchgesetzt und ein Sweatshirt von mir weggeworfen. Es hatte wirklich zu viele Löcher.

Haben Sie je einen radikalen Stilwechsel vollzogen?

1992 habe ich mir die Haare abgeschnitten. Da habe ich Tabula rasa gemacht, mich komplett verändert. Bis dahin trug ich immer Anzug und Krawatte. Doch eines Tages merkte ich, dass mein Äußeres so gar nicht mehr zu mir selbst passte. Also habe ich meine Haare rasiert - und fing an, so auszusehen, wie Sie mich jetzt sehen!

Bernhard Willhelm

Bernhard Willhelm

Stylen Sie sich gern?

Kurz vor einer Schau habe ich nie Lust dazu. Ich bin so in der neuen Kollektion gefangen, dieser anderen Welt, dass es mir keinen Spaß bereitet, mich selbst hübsch anzuziehen.

Warum haben Sie sich heute für diese leicht alberne Aufmachung entschieden?

Ich finde schlechten Geschmack interessant: Durch einen Twist, eine andere Perspektive kann er genauso als guter Geschmack gelten.

Welche Perspektive denn?

Ich liebe es, den Kontext der Dinge zu verändern: Meine aktuelle Superman-Kollektion etwa macht aus Mädchen einen neuen Typus Supergirl.

Wie fühlen sich die Menschen in ihren Kleidern?

Meine Stücke sollen ihrem Träger einen besonderen Moment geben. Es ist ein starkes Gefühl, toll angezogen zu sein. In der Mode geht es mir um Innerlichkeit, die durch Äußerlichkeit erwächst.

Sind Ihre Sachen bequem?

Ich glaube, dass meine Sachen, so extrem sie auch scheinen, immer so angenehm wie ein Jogginganzug sind.

Tragen sie ihre eigenen Klamotten?

Ich mache ja erst seit einem Jahr Männerkleidung. Ich bin gerade umgezogen und habe die Kartons bislang nicht ausgepackt: Willhelm trägt zur Zeit also fast ausschließlich Willhelm.

Giorgio Armani

Giorgio Armani

Warum treten Sie meist ganz in schwarz auf?

Das ist meine Uniform - ich mache mich nicht zurecht für Fotos. Nur das T-Shirt kann auch mal weiß sein oder dunkelblau.

Durch welche Kleidung drücken Sie Persönlichkeit aus?

Sie soll aus einfachen Stoffen wie Cashmere bestehen, und sie muss einen ausgeklügelten Schnitt haben. Meine Mutter sagte: "Willst du Schönheit erschaffen, tue nicht mehr als das Notwendige."

Interviews: Katrin Kruse

print

Mehr zum Thema



Newsticker