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"American Crime Story" "Reine Fiktion": Versace-Familie kritisiert Doku über ermordeten Modeschöpfer


Der Mord an Gianni Versace erschütterte vor 20 Jahren viele Menschen. Nun hat Netflix eine Dokumentation über den Kriminalfall gedreht. Die Familie des Modeschöpfers reagiert verärgert.

Es war einer der Kriminalfälle, die auch Jahrzehnte später in Erinnerung bleiben: Am 15. Juli 1997 wurde der Modeschöpfer Gianni Versace vor seinem Anwesen in Miami erschossen. Der damals 50-jährige Star-Designer brach auf den Marmorstufen seiner weißen Villa zusammen und verstarb kurz darauf. Der Beerdigung im Mailänder Dom wohnten zahlreiche Prominente bei, darunter Elton John, Prinzessin Diana oder Supermodel Naomi Campbell. Der Täter, ein 27-jähriger Callboy namens Andrew Cunanan, hatte zuvor schon andere Menschen erschossen und nahm sich kurz darauf das Leben. Das Motiv ist bis heute unklar. 

Es ist ein filmreifer Stoff, wie gemacht für "American Crime Story", eine von dem amerikanischen Pay-TV-Kanal FX initiierte Reihe. Die erste Staffel befasste sich mit dem O.J.-Simpson-Prozess und war ein großer Erfolg. Die zweite Staffel trägt den Titel "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story" und arbeitet den Mord an dem schillernden Modeschöpfer auf. Allerdings, das ist eine Besonderheit dieser Reihe, nicht in Form von Dokumentar-Bildern und Zeitzeugeninterviews, sondern mit Schauspielern nachgedreht: darunter Penelopé Cruz als Donatella Versace und Ricky Martin als der letzte Lebensgefährte des Designers.

Versace-Villa
Vor seiner Villa in Miami wurde Gianni Versace am 15. Juli 1997 niedergeschossen.
© ipol/ / Picture Alliance

In der Machart liegt auch der Grund, weshalb die Familie Versace mit der Verfilmung nicht glücklich ist. In einem Statement betonen die Angehörigen, die Serie weder autorisiert zu haben noch in irgendeiner Weise involviert zu sein. Die Folgen basieren auf dem Buch "Vulgar Favors"der Journalistin Maureen Orth. Für die Angehörigen keine seriöse Quelle, denn die Autorin kenne die Fakten ausschließlich vom Hörensagen. "Da Versace das Buch, auf dem die Serie basiert, nicht autorisiert hat noch am Drehbuch beteiligt war, sollte diese TV-Serie als reine Fiktion betrachtet werden", ließ die Familie mitteilen.

Stellt "American Crime Story" Gianni Versaces Tod korrekt dar?

Auch von anderer Seite kommt Kritik: Versaces letzter Freund Antonio D'Amico beklagte sich darüber, wie er dargestellt wird: "Das Bild, wie Ricky Martin den Toten Gianni Versace in seinen Armen hält, ist lächerlich", sagte er dem "Observer". So habe er damals nicht reagiert.

Der Sender FX weist die Vorwürfe zurück und betont, alle Fakten gründlich recherchiert und sorgfältig geprüft zu haben. Und auch Penelopé Cruz tritt der Sichtweise der Familie entgegen. "Ich hatte ein Gespräch mit Donatella Versace", sagte die Schauspielerin im vergangenen Sommer"Entertainment Weekly". Sie wolle keine Details verraten, aber es sei eine lange Konversation und für sie sehr wichtig gewesen. Sie bringe Versace durch die Art ihres Spiels "wahre Liebe und Respekt" entgegen.

Die deutschen Zuschauer können sich ab dem 29. Januar ein eigenes Bild von der Serie machen. Dann läuft "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story" auf Sky.

che

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