Kleider machen Leute – doch verhelfen sie auch zum Oscar? Die 98-jährige Award-Geschichte zeigt zumindest ein deutliches Muster: Wer gewinnt, trägt auffallend oft Schwarz – dicht gefolgt von Weiß und Gold. Zufall – oder steckt doch ein geheimer Oscar-Code dahinter?
Klar ist: Bei den Oscars geht es nicht nur um die Trophäe, sondern auch um den perfekten Auftritt auf dem roten Teppich. Wer hier strahlt, bleibt im Gespräch. Und im Gedächtnis von Werbekunden und Filmemachenden. Und dafür braucht es knallige Farben. Zum Beispiel: Rot! Nicole Kidman, Anne Hathaway, Raye, ebenso Jennifer Lawrence: Als sie 2011 zum ersten Mal bei den Oscars eingeladen war, sorgte ihre rote Robe für so viel Aufsehen, dass sie im Folgejahr nicht nur die Hauptrolle in „Tribute von Panem“ bekam und einen Werbedeal mit Dior erhielt, sondern auch den Oscar gewann.
Oscar-Mode: Auch die Farbe der Kleider ist entscheidend
Auf der Bühne erschien sie aber nicht in Rot – sondern in Weiß. Die Farbe wirkt ikonisch, rein, für manche wie ein Neuanfang. So auch für Courtney Love, als sie 2003 nach Skandalen und Drogenexzessen ein Comeback anstrebte; ebenso für Lady Gaga, als sie sich 2016 als ernst zu nehmende Schauspielerin etablieren wollte.
Und Schwarz? Die Farbe ist seriös, sexy und vor allem zeitlos. Julia Roberts machte sie 2001 sogar zum Vorbild eines Hypes: Damals räumte sie in einem schwarzen Valentino-Kleid aus dem Jahr 1992 den Oscar ab – und entfachte einen Vintage-Kult. Seitdem hüllen sich viele Stars in Roben alter Zeiten. Die Botschaft: Dieses Kleid ist eine Ikone – so wie ich!
Zu diesem „Old Hollywood“-Glamour passen auch Kleider, die von Filmstars inspiriert sind. Lupita Nyong’os hellblaues Prada-Robe von 2014? War eine Hommage an Liz Taylor. Und Uma Thurman und Zendaya in Rock und Bluse? Sie erinnerten an Sharon Stones Oscar-Look von 1998.
Cher & die Federhut-Revolte
Auffallen um jeden Preis – das geht natürlich auch mit Exzentrik. Weil sich Cher 1986 für ihre Rolle in „Die Maske“ von der Oscar-Jury übergangen fühlte, erschien sie aus Trotz in einem federgekrönten Hauch von Nichts, entworfen von Kostümlegende Bob Mackie. Ein Look, der Geschichte schrieb – und dafür sorgte, dass die Jury sie nicht länger übersah. Zwei Jahre später erhielt Cher für „Mondsüchtig“ endlich den begehrten Filmpreis.
Und vielleicht ist das der wahre Oscar-Code: Ein schönes Kleid allein reicht nicht – es braucht eine Geschichte, einen besonderen Effekt. Nicht immer gewinnt man damit einen Oscar – aber garantiert Aufmerksamkeit, die vielleicht wichtigste Währung im Filmgeschäft.