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Porsche Design Studio: Echt pferdestark

Sein Gründer gab einst dem 911 seine Form. Heute wird im Porsche Design Studio an der stilsicheren Komplettausstattung des Mannes gearbeitet. Ein Besuch in einer Welt ohne Frauen.

Von Stefanie Luxat

Bei Luxusprodukten gilt: Es ist schon alles designt worden. Nur noch nicht von jedem. Man kann die Dinge höchstens hübscher machen - oder komplizierter.

Aber nein, also bitte, so sieht man das im Porsche Design Studio im österreichischen Zell am See nicht. Hier werden die Produkte "verbessert", nicht verkompliziert. Nur will das der Besucher im Ausstellungsraum nicht so recht glauben, zum Beispiel vor diesem seltsamen silbernen Gerät stehend: Ist das eine Musikanlage? Darf ich da drücken, oder zischt dann ein Fallschirm aus der Öffnung? "Das ist unser neuer Toaster", sagt Roland Heiler stolz, "mit Schiebedach. Das schützt vor Fliegen und Staubpartikeln."

Heiler, 50, arbeitet als Chefdesigner des Hauses. Als "Produktpapst", wie Jürgen Geßler ihn nennt. Geßler, 44, ist "CEO & President" der Firma. Bis vor fünf Minuten saßen die beiden noch ein Stockwerk höher, in einer Beiratssitzung. Jetzt geleiten sie wie Bodyguards ihren Besuch durch das traditionelle Pinzgau-Haus, das so unauffällig ist, dass die Kunden früher immer daran vorbeifuhren. Weshalb es seit zehn Jahren einen modernen Anbau gibt. An dem man ebenfalls vorbeifährt.

Design der Luxus-Accessoires

Im Porsche Design Studio werden Luxus-Accessoires wie Portemonnaies aus Kalbsleder und Merchandising-Artikel wie ein Aluminium-Schlitten designt. Hinzu kommen Aufträge von Industriekunden, etwa von Veuve Clicquot, die sich einen Kühlschrank für Champagner wünschten. Und dann sind da noch die Kooperationen, etwa mit Rem Koolhaas. Der Architekt lässt in Dubai zwei, wie immer spektakuläre, Gebäude bauen, und das Design Studio berät ihn bei der Außenarchitektur und Innengestaltung.

Nein, die Autos würden nicht hier, sondern im Entwicklungszentrum in Weis sach bei Stuttgart entworfen, erzählt Roland Heiler und verzieht dabei ein wenig das Gesicht. Trotzdem bleibt alles in der Familie: Die Porsche AG hält 65 Prozent am Design Studio, der Rest gehört dem Porsche-Clan.

Die für Kreativbuden üblichen Fußballkicker, bunte Wände und verrückte Frisuren sucht man vergebens. Die 18 Designer sind zwischen Anfang 20 und Ende 40. Ihr Großraumbüro wirkt wie eine aufgeräumte Werkstatt mit Amtsstuben-Flair. Frauen arbeiten hier nur als Empfangsdame oder Praktikantin.

Gerührte Fans

Mehrmals im Jahr bekommt das Studio Besuch von Porsche-Clubs aus verschiedenen Ländern. Besonders gerührt zeigen sich die Angereisten, so erzählt Roland Heiler, wenn sie das Büro von Ferdinand Alexander Porsche sehen. F. A., wie er genannt wird, hat 1963 dem 911 sein Aussehen gegeben und neun Jahre später, als die Familie beschloss, sich aus dem operativen Geschäft der Porsche AG zurückzuziehen, das Design Studio gegründet. Seit 2005 sitzt er dem Beirat ehrenhalber vor.

Seine Design-Philosophie wird weiterhin umgesetzt. Sie lautet: Denkt man lange genug über die Funktion eines Produkts nach, ergibt sich die Form von allein. Wie viele Überstunden nötig waren, bis einer der Designer auf die Idee kam, dem neuen Toaster für Siemens ein Schiebedach zu verpassen, wird nicht verraten. Dafür aber der Gedankengang des zuständigen Tüftlers. Der stellte sich nämlich die Frage: "Was macht eigentlich ein Toaster, nachdem er seinen morgendlichen Job verrichtet hat?" Und kam dann auf den Gedanken: Der Toaster wird heimgesucht von Fliegen und Staubpartikeln. Davor müssen Toaster doch beschützt werden!

Mobiltelefone, deren Gehäuse aus Aluminiumblöcken gefräst werden, Feuerzeuge, die auch bei Sturm funktionieren, Stifte, deren Minen man mit einer Handgelenkbewegung ausfahren kann - wer träumt von solchen Produkten? Klar, Männer. Für sie wird hier designt. Und wie tickt der Kerl, der sich gelegentlich Laufschuhe für 350 Euro oder eine Automatikuhr für 110.000 leistet? "Der Porsche-Mann ist zwischen 30 und 70", sagt Roland Heiler, "und ein ehrlicher, authentischer Typ." - "Der will nicht angeben", fügt Jürgen Geßler hinzu und klingt, als wolle er den typischen Porsche-Kunden in Schutz nehmen, der dem Klischee zufolge eher überals untertreibt. Übrigens führen nur 15 Prozent der Design-Kunden einen Porsche, so Geßler.

Schlicht und kühl gestaltet

Um Männer für Design-Artikel zu begeistern, braucht es Technik. Und genau die liefert das Studio mit jedem schlicht und kühl gestalteten Produkt. Nicht nur der Toaster, auch der Wasserkocher und die Kaffeemaschine aus gebürstetem Aluminium wirken, als spränge gleich ihr Motor an. Bei ihrem Anblick röhrt es dem Betrachter im Kopf.

Die Produkte aus dem Porsche-Studio geben der männlichen Kundschaft das Gefühl, mit Sicherheit guten Geschmack zu demonstrieren. Die Prominenz zeigt sich schließlich auch gern mit Porsche-Uhren (Bruce Willis) und Porsche-Brillen (David Beckham).

Porsche-Stücke sind eine sichere Bank, zeitlos. Nicht wie bei Ferrari zugepflastert mit aufgeschreckten Pferden. Der Porsche- Design-Kunde scheint keine Frauen beeindrucken zu wollen, eher will er signalisieren, dass er weiß, wie man stilsicher lebt. So wie Carrera-Fahrer ihren Motor an Ampeln nicht aus Balzverhalten aufheulen lassen, sondern um den Artgenossen in den leistungsschwächeren Schüsseln zu imponieren.

An Frauen trauen sie sich nicht heran

Obwohl Frauen mehr Geld für Design-Produkte ausgeben als Männer, traut sich in Zell am See noch niemand so richtig an diese Zielgruppe heran. Vorsichtig nähert man sich über ein paar uninspirierte Merchandising-Artikel, eine weiße Kollektion und Unisex-Produkte, dem unbekannten Wesen.

Lieber wird an der Komplettausstattung des Mannes gearbeitet. Im September erscheint das erste Porsche-Parfüm - in einem Flakon, der wie ein kleine Zapfsäule dasteht. "The Essence" heißt der Duft und riecht nicht nach neuen Ledersitzen oder Benzin, sondern wie so viele Herrendüfte - halt nach frisch geduschtem Mann. Sogar vermeintliche Frauen-Domänen wie die Küche sollen dem Mann durch puristisches Design schmackhaft gemacht werden. Zusammen mit dem Hersteller Poggenpohl wurde die Kochzone für den Kerl entwickelt. Preis? 50.000 Euro aufwärts.

Nach einem Tag in einer der letzten Männerbastionen kommt die Besucherin zu dem Fazit: Die meisten Klischees über Männer stimmen nach wie vor. Doch sie erscheinen schnell als liebenswert, wenn sie nur in eine gute Form gebracht und hübsch verpackt werden.

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