Porträt Zac Posen Beim Posen


Er ist jung, er arbeitet mit seiner Familie, er liebt die Frauen, für die er seine Mode entwirft. Und das sind keine Models, seine Kleider sollen alle tragen können. Hoch sympatisch, dieser New Yorker! Auf der Berlin Fashion Week gebührt Zac Posen die Ehre der Abschlussshow.
Von Lars Jensen

Zac Posen liebt die Frauen, er versteht die Frauen, er möchte ihnen schöne Kleider entwerfen und es kümmert ihn nicht, ob die Kundinnen alt sind oder jung, dick oder dünn, groß oder klein – nach seiner ersten New Yorker Modenschau im Februar 2002 erklärte der Designer: "Mir gefällt der Jugendwahn der Modeindustrie überhaupt nicht. Wir haben Models im Alter von 15 bis 45 benutzt und wir hatten einige Größen dabei, die sehr untypisch sind. Meine Kleider sollen alle Frauen tragen können." Damals war Posen 21 Jahre alt.

Vor kurzem feierte er seinen 27. Geburtstag und Posen gilt in der New Yorker Modeszene bereits als Klassiker. Er muss außerdem einen Betrieb mit gut fünfzig Mitarbeitern in Schwung halten, der im nächsten Jahr massiv expandieren wird. "Wir führen Schuh-, Taschen-, Uhren- und Accessoire-Kollektionen ein. Besonders aufgeregt bin ich wegen unseres Parfums", kündigt Posen an. Den Namen des Dufts darf er noch nicht verraten. "Und dann ist da natürlich die Fashion Week in Berlin."

Die Stars lieben ihn

Posen liebt die Frauen in Berlin, er versteht sie auch ein bisschen. Ihm gefällt, wie selbstbewusst sie auftreten und wie stilsicher sie sich kleiden. Als seine Agentur IMG anfragte, ob er Lust habe, seine Nebenkollektion "Resort" auf der Modewoche der deutschen Hauptstadt vorzuführen, sagte er spontan zu. "Berlin heute ist wie New York in den 80er Jahren. Da passiert alles, da entsteht Neues – in der Kunst wie in der Mode." Persönlich hat er die Stadt zwar noch nie besucht, doch Freunde hätten ihm die tollsten Geschichten übermittelt. Was soll's? Das New York der 80er Jahre hat er schließlich auch nur als Kind erlebt: "Ich bin in der besten Zeit in Soho aufgewachsen", sagt er. Die Leute bei IMG, die auch die Berlin Fashion Week organisieren, scheinen Posens Begeisterung für den Auftritt im Berliner Postbahnhof zu teilen und terminierten sein Defilee als Finale am 31. Januar – das Beste kommt auch in der Mode immer zum Schluss.

Von allen Jungdesignern, die in den ersten sechs Monaten nach den Anschlägen vom 11. September als Retter der New Yorker Mode vorgeschlagen wurden, ist Zac Posen derjenige mit dem größten Stehvermögen und dem ausgeprägtesten rhetorischen Talent. Behnaz Sarafpour? Benjamin Cho? As Four? Alice Roi? Wir haben sie vergessen. Die Entwürfe von Zac Posen hingegen kann man in jeder Ausgabe von "Gala" oder "Bunte" bestaunen, denn der Designer ist ein Liebling der Showstars. Beyoncé Knowles, Natalie Portman, Cameron Diaz, Nicole Kidman und viele andere erscheinen auf roten Teppichen am liebsten in Posens Kleidern. Weil die komplex geschneiderten Teile mit ihren edlen Seidenstoffen so wunderbar glamourös aussehen und jeder Körperform schmeicheln.

Zac Posen plaudert so wortgewandt über seine modische Philosophie oder die nächsten Entwürfe, dass man ihm am liebsten eine eigene Fernsehshow geben würde mit dem Titel "Ich über mich": "Ich will keine Erwartungen erfüllen, sondern Träume und Fantasien in Wallung bringen. Um eine Frau elegant aussehen zu lassen, muss man die Modegeschichte aufsaugen, verbissen auf jedes Detail achten, die Konstruktion eines Kleides lieben. Dann nachdenken und diese Elemente für die Lebenswirklichkeit der modernen Frau interpretieren. Aber die Kundin darf den Aufwand nie spüren, sie soll sich nur wundervoll fühlen."

Hang zur Selbstironie

Neben der gepflegten Rhetorik hat auch seine freundliche Erscheinung der Karriere nicht geschadet. Schwarze Engelslocken, buschige Augenbrauen, neugieriger Blick, gewinnendes Lachen, und ein für diese Branche unüblicher Hang zu Selbstironie und Ehrlichkeit zeichnen Posen aus. Er sagt: "Ach, wir hier in New York haben es schwer. Alles dreht sich ums Geld, kreativ ist die Mode unserer Stadt schon längst nicht mehr. Ich selbst bin auch gezwungen, Geld einzuspielen. Habe mich in Paris und Mailand umgeschaut: Da ist es genau so unerfreulich." Bei ihm klingt es, als käme diese Systemkritik von Herzen. Lachen kann er trotzdem.

Denn Zac Posen ist als Modedesigner auf die Welt gekommen und zweifelte nicht eine Sekunde lang, ob dies der richtige Beruf für ihn sei. Schon in der Schule war er zu nichts anderes als zum Malen, Zeichnen und Entwerfen der Kostüme der Theatergruppe zu gebrauchen. Mit 16 brach er ab, begann ein zweijähriges Praktikum am Metropolitan Museum - dem idealen Ort, um die Modegeschichte zu studieren. 18-jährig zog er nach London, wo er am St. Martin's College studierte und einige Klassen übersprang. Er wäre gern länger geblieben, doch ging ihm das Geld aus und so entschloss er sich mit 20 Jahren, sein eigenes Label in New York zu gründen.

Schon mit der ersten Kollektion entstand in der Stadt ein Hype um Posen, den er nicht erwartet hatte: "Ich arbeitete wochenlang rund um die Uhr, nahm meine Umgebung nicht wahr und am Morgen nach der Schau schlage ich die Zeitungen auf und alle feiern mich – es war wirklich wie im Traum." Was Kritiker wie Suzy Menkes vom "International Herald Tribune" und Cathy Horyn von der "New York Times" begeisterte, war die unglaubliche Reife, die Posens Kollektion schon damals auszeichnete. Andere New Yorker Jungdesigner bezogen sich auf Musikvideos von 80er-Jahre-Bands oder schickten die Mädchen mit Moon Boots auf den Laufsteg. Posen orientierte sich an Azzedine Alaia und anderen Pariser Haute-Couture-Meistern wie Dior und Givenchy und schickte semiprominente Schulfreundinnen wie die Schnabel-Schwestern oder seine Muse Paz de la Huerta über den Catwalk – er schien beweisen zu wollen, wie sehr er die Frauen wirklich liebte. Die dankten es ihm mit grenzenloser Zuneigung. Als Naomi Campbell umgehend eine Maßanfertigung orderte, gewann der Debütant den Respekt der Branche.

Nach oben - ohne Geld und Beziehungen

Zac Posen konnte sich nicht auf reiche Eltern verlassen wie Stella McCartney oder auf erstklassige Beziehungen wie Marc Jacobs. Posen hatte sich 10.000 Dollar geliehen und funktionierte die Wohnung seiner Eltern – Vater Künstler, Mutter Anwältin – zum Studio um. Bereits 2001 gründete er "Outspoke LLC", die Dachgesellschaft seiner künftigen Unternehmen. Heute leitet Mutter Susan die Geschäfte – sie fädelte unter anderem 2004 die Partnerschaft mit Sean Combs, bekannt als P Diddy, ein, als "Outspoke" dringend finanzielle Hilfe benötigte. Schwester Alexandra ist so etwas wie das Mädchen für alles. Posen funktioniert nur, wenn er seine Liebsten immer um sich hat.

Derzeit tüftelt Zac Posen an der 21. Kollektion seiner Karriere und hat mal wieder seit Monaten sein Atelier "House Of Z" im New Yorker Garment District nicht verlassen. Die Schau in Berlin bereitet ihm nicht so viel Mühe, denn die Sachen - inspiriert von Faye Dunnaway in "Bonny and Clyde" und der Stilikone Bo Derek - zeigte er bereits in New York. Dass er Ende Januar nach Deutschland kommen wird, kann Posen nicht versprechen: "Wir haben ein unheimlich anstrengendes Jahr vor uns. Aber richten Sie den Damen meine Grüße aus."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker