New Yorker Modewoche "Ich will keine Girlies einkleiden"


Wolfgang Joop ist zurück auf dem Laufsteg. Der deutsche Designer zeigte zum Abschluss der New Yorker Modewoche seine neue Kollektion unter dem Label "Wunderkind".

Der Begriff "Wunderkind" assoziiert Wirtschaftswunder, Aufbruch und Neubeginn. Und genau das wagte auch der deutsche Designer Wolfgang Joop, der zum Abschluss der New Yorker Modewoche sein neues Label zum ersten Mal auf internationaler Bühne präsentierte. Trotzdem fängt er natürlich nicht bei Null an. "Die Summe meiner Erfahrungen" sei diese Kollektion, sagte der Designer am Ende hinter der Bühne. Der ultimative Luxus sei für ihn, vieles dem "gesteuerten Zufall" zu überlassen. Seine Klientel stellt er sich dafür reif vor. "Ich will keine Girlies einkleiden, sondern selbstbewusste Frauen", sagt er.

Für die Frühjahrs- und Sommerkollektion setzt Joop das mit einem Sammelsurium an Stilelementen um: Mäntel in Gold- oder Silberstoffen, durchsichtige Blusen, Hosen in leichten Stoffen mit schmalen Perlen- Gürteln und enge Röcke, die streifenförmige Volants zieren. Insgesamt dominieren die Farben schwarz und weiß. Einen groben weißen Stoff, der wie schwere Leinwand wirkt, hat er zu Jacken umgearbeitet, die absichtlich unvollendet daher kommen. Highlights sind ist ein bodenlanges schwarzes Chiffon-Kleid mit schwingendem Rock und mehrere weiße Abendkleider.

Neulinge breschen nach vorne

Eine andere Art der Reifeprüfung war Fashion Week auch für andere Designer. Frühere Mode-Rebellen, die außerhalb der offiziellen Spielstätte Bryant Park begonnen hatten, füllten jetzt die ersten Reihen der Zelte mit Stars, zogen Trend-Sucher und das Blitzlichtgewitter der Fotografen an. Tara Subkoff hatte mit ihrem Label "Imitation of Christ" vor allem mit spektakulären Inszenierungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt bot sie neben ausgefallenen Tuniken auch tragbare Capri-Hosen, Kapuzenjacken und mit Flitter gesäumte Kleider an. Fans ihrer Shows kamen trotzdem auf ihre Kosten: Sie schickte vorab Männer in arabischem Outfit und Tarnanzügen über den Laufsteg und in der ersten Reihe saß ein täuschend ähnlicher George W. Bush-Darsteller.

Ähnlich gereift präsentierte sich das Label "As Four". Das Quartett, das einst mit exzentrischen Designs wie spiralförmigen Hosenbeinen auftrat, hat eine Metamorphose zum tragbaren Design hin mitgemacht. "Wir haben diesmal mehr die Leute berücksichtigt als nur unsere eigenen Ideen. Und es sieht nicht aus wie ein Kompromiss, es fühlt sich sehr angenehm an. Wir haben dabei nicht verloren", sagte der Designer Kai (kein Nachname) dem Modemagazin "The Daily". Das sie ihre Lust am Spiel nicht verloren haben, bewiesen Stücke mit dem Titel "gotahaveballs" (etwa: man muss Mumm haben): ein bodenlanges silbergraues Abendkleid, das von einem Halsband aus mit Stoff überzogenen Kugeln gehalten wird.

Nachwuchsdesigner keine Eintagsfliegen

Die beiden superjungen Nachwuchsdesigner Esteban Cortazar und Zac Posen zeigten in den Zelten ebenfalls, dass ihre anfänglichen Erfolge nicht nur eine Eintagsfliege waren. Kritiker bestätigten beiden, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen weit übertroffen hatten. Vor allem Zac Posen, der mit Sean "P.Diddy" Combs’ Label Sean John eine Kooperation einging, ist auf dem besten Wege Marc Jacobs Konkurrenz zu machen.

Was die Trends für den kommenden Sommer anbelangt: schwingende Röcke mit angedeutetem Petticoat bleiben weiter im Trend, wenn man Marc Jacobs trauen darf. Silber und Gold durchwirkte Stoffe konnte man bei extrem vielen Designern beobachten, so auch bei Wolfgang Joop. Und wer weiß und beige im Sommer langweilig findet, kann auf eine wahres Feuerwerk an Farben zurückgreifen. In Tommy Hilfigers neue "H Hilfiger" Kollektion finden sich einige Stücke in grellem Orange und Türkis. Und auch Calvin Klein hatte leuchtendes Rot und Türkis auf seiner Palette gefunden. Er präsentierte sie als Jersey- Schlauchkleider mit überraschenden Einblicken.

Designer im Olympia-Fieber

Einige Designer wie Michael Kors und Lloyd Klein hatten sich wohl auch vom Olympia-Fieber in Athen mitreißen lassen: Kors "Greek Chic" Kollektion hatte dabei eher moderne griechische Göttinnen im Sinn, die gut gebräunt auf der Terrasse sitzen und Cocktails trinken. Kurze Kaftane über knappen Tiger-Bikinis, eine ozean-blaue Seidenbluse im Bauernstil kombiniert mit weißen Leinenhosen passen dazu am besten.

Lloyd Klein nahm das mit dem antiken Olympia schon ernster: Er schickte seine Models in lange fließende Gewänder gewickelt auf den Laufsteg. Dazu trugen sie hochhackige Schuhe, die bis über die Wade geschnürt waren. Ob das Olympia-Fieber jedoch noch bis in die neue Frühjahrs- und Sommerkollektion lodern wird, ist fraglich.

Von Carla S. Reissman

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