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Prêt-à-porter Paris: Des Kaisers neue Kleider

Nirgendwo ist die Promi-Dichte höher als bei Karl Lagerfelds Chanel-Schau. Claudia Schiffer, Kirsten Dunst und Victoria Beckham drängelten sich in der ersten Reihe und bewunderten den Chic von Chanel.

Nach sechs Tagen Modewoche sind die Flaggen gehisst - die Trends sind klar. Erstaunliche Einigkeit scheint bei den Pariser Prêt-à-porter-Designern darüber zu herrschen, was Frauen im Sommer 2008 kleidet: viel Farbe, Dekor und eine architektonische Schnittführung. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen wie den neuen Hippie-Look mit Flattertüchern und Walle-Kleidern, einen 20er-Jahre-rend mit lässigen Hängern, Futuristisches mit strengen Linien oder ein ausgefeiltes Spiel mit Volumen.

Die Rocklänge, ewige Frage der Frauen, scheint dagegen kein Thema. Hier ist vieles erlaubt: Mini, knapp knielang, Midi oder überlang mit Schleppe. Die Hosen präsentieren sich hingegen meist in orientalisch anmutenden Formen: oben weit und locker und unten schmal zulaufend oder gar als Jodphur - der Reiterhose aus Indiens kolonialen Zeiten. Schuhe treten superhoch auf - als Plateaus oder mit Bleistiftabsatz.

Verspielt wie selten

Karl Lagerfeld drehte sich in seiner Chanel-Schau am Freitag in Richtung Sternenhimmel. Nachtblau dominierte seine Kollektion: Er zeigte zarte, mit "planetaren" Glitzersteinen übersäte Roben und Kombinationen, die die amerikanische Flagge verfremdeten. Darunter waren ein sternenübersäter dunkelblauer Shorts-Anzug mit rot-weißem Taillenbund und ein elegantes Seidenkleid mit klassisch wirkender "US"-Streifenjacke.

Wo Blau ist, dürfen Jeans nicht fehlen: Lagerfeld schneidet sie in die aktuelle Marlene-Form und kombiniert sie zur feinen ärmellosen Bluse in pudrigem Rosé. Jeans-Höschen in Slip-Form passen zu schmal taillierten Jacken. Die Entwürfe gaben sich besonders detailreich: Auf schwarzen Abendkleider ziehen sich lange Perlenschnüre durch Ösen, Schuhe tragen kleine Geldbörsen am Riemchen, dichte Goldpailletten formen sich zu Kreisen oder Schleifen.

Stella McCartney tritt aus dem Schatten des Vaters

Die Fangemeinde von Stefano Pilati, Designer des Pariser Traditionshauses Yves Saint Laurent, wächst von Saison zu Saison. Ihm ist es gelungen, dem Saint-Laurent-Stil treu zu bleiben und dennoch eine ureigene Handschrift zu entwickeln. Seine Schau am Donnerstag experimentierte mit futuristischen Formen und Volumen. Die Schultern einer scharf taillierten Kostümjacke in Dunkelblau rundeten sich zu Ellipsen, das messingfarbene Abendkleid wurde durch den Faltenwurf im Rücken aufgeblasen, die fließende asymmetrisch geschnittene Robe in einem wunderbaren Pflaumenton geriet durch eine Schleppe in Bewegung.

Etwas blass erschien dagegen zunächst die Kollektion der begabten Céline-Designerin Ivana Omazic. Zwar waren ihre mädchenhaften Kleider in Weiß mit ausgestellten Röcken, ihre auf Figur geschnittenen Westen und weiten Hosen perfekt gemacht, doch fehlte ein wenig der Kick. Dann kam aber ein leuchtendes Zinnoberrot ins Spiel, das sowohl Trenchcoats als auch Cocktailkleider zum Blickfang machte. Die passenden hochhackigen Sandalen in buntem Lack haben das Zeug zum Kultobjekt.

Stella McCartneys lockere Overalls sind über und über mit Blüten bedruckt, duftig und leicht. Bei aller Romantik wirken ihre Entwürfe kraftvoll und sexy, auch dank der Kombination mit weiten Herrenjacken. Längst hat McCartney sich vom Ruf der privilegierten Beatles-Tochter emanzipiert. In Paris steht sie für junge, zeitgemäße Weiblichkeit, verkörpert zweifellos ein strahlendes Element des modischen Kaleidoskops der französischen Hauptstadt.

Stefanie Schütte/DPA / DPA