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Schön und erfolgreich: Make-up statt Muckis

Ihr Mann verbringt mehr Zeit im Bad als Sie? Dann liegt er voll im Trend. Denn: Schöne Männer sind erfolgreicher, wie zwei Studien belegen.

Irgendwann hatte Lucien Aubert genug davon, sich jeden Tag Frauencremes in sein Gesicht zu schmieren. Aubert ist Entwickler von Kosmetikprodukten, und sein Job bestand lange Zeit auch darin, Cremes auf ihre Verträglichkeit zu prüfen. "Ich wünschte mir eine, die sich Männer auftragen, ohne dass sie sich dabei vorkommen wie eine Frau." Ein Wunsch mit Folgen: Aubert erfand 1985 beim Kosmetikkonzern Biotherm die Kosmetik für den Herrn.

Das erste Pflegeprodukt für Männergesichter war eine Aftershave-Creme, die nicht auf der Haut brannte wie ein scharfer Schnaps im Magen und die keine Schmierspuren hinterließ. "Männer wollen vermeiden, dass man ihnen ansieht, dass sie Cremes benutzen", sagt der Entwickler.

Seine Aftershave-Creme war - ganz und gar unweiblich - verpackt in einer grauen Tube und entwickelte sich rasch zu einem Verkaufserfolg, den andere Kosmetikhersteller nicht ignorieren konnten. Nivea brachte eine Männerserie auf den Markt, ebenso die politisch korrekte Ladenkette "Bodyshop".

Männer machen sogar vor Kajal nicht Halt

Die Firma Clinique legte im Hochpreissektor nach, ihr folgten Marken, die ein Mann bislang nur aus der Schminktasche seiner Frau kannte: Clarins, Shiseido, Lancôme, Vichy. Dass es mit Marken wie Zirh nun auch Linien ausschließlich für den Mann gibt, weist den Weg in die Zukunft, ebenso die Kajal-, Puder- und Lipgloss- Produkte von Jean Paul Gaultier. Überall heißt es, dass der Mann an allen Fronten gegenüber der Frau verliere:

Mädchen sind schlauer als Jungs - hat die Pisa-Studie ergeben. Frauen bilden Netze, die sie nach oben tragen und dort halten - wie man an Angela Merkel sehen kann. Sogar Frauenboxen erzielt im Fernsehen häufig höhere Quotenals Männerboxen. Und wie reagiert der moderne Mann auf diese Umwälzungen?

"Die Gesichtscreme ist das Make-up der Männer"

Er cremt. Eine Studie des "Trendbüro" von Peter Wippermann zum 20. Geburtstag der Männerkosmetik drückt es so aus: "Die Gesichtscreme ist das Make-up der Männer." Angeblich verbringen viele Männer jeden Tag 20 bis 30 Minuten im Bad. Aubert glaubt, dass der Mann sein Bad in eine Art Wellness- Zone verwandelt habe: Der morgendliche Pflegereigen wird eröffnet mit einem Peeling, gefolgt von einem Öl, mit dem sich die Bartstoppeln gefügig machen für die Klingen des Rasierers. Ihnen schließt sich Aftershave-Creme an und manchmal sogar eine Antifaltensalbe für die Augenpartie. Nach harten Nächten stehen Tuben wie "Morning After Rescue Gel" bereit - der Morgenkaffee für die müde Haut ab 30. Dazu sagt die "Trendbüro"- Studie: "Pflege ist Teil der Karrierestrategie: "Schöne Menschen verdienen mehr Geld."

Bei Biotherm hat man den "Neuen Mann" im großen Stil erkunden lassen - einen Typus, irgendwo zwischen antikem Diskuswerfer und Calvin- Klein-Model. Für Lucien Aubert zeichnet er sich dadurch aus, dass er keine körperliche Arbeit mehr kennt, sich seine Muskeln also nicht mehr im Berg antrainiert (beim Kohlehacken), sondern am Berg (beim Freeclimbing).

Das "Trendbüro" bestätigt: "Wenn körperliche Arbeit ausstirbt, wird der Körper zum Selbstzweck." Passend dazu hat Aubert für Biotherm "Aquapower" entwickelt. Der Schwimmsportler Thomas Rupprath wird die Feuchtigkeitsspende in Deutschland bewerben. Auch für ihn gilt: Es gibt viel zu pflegen - cremen wir's ein.

Oliver Creutz / print
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