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Verweigerte Geburtshilfe: Krankenhaus schickt mehrere Schwangere wieder weg – so begründet es die Klinik

Schwangere, die am Wochenende ein Krankenhaus in Hamburg zur Entbindung aufsuchten, mussten damit rechnen, wieder weggeschickt zu werden. Die zuständige Behörde sorgt sich um die geburtshilfliche Versorgung.

Kreißsaal

In einem Hamburger Krankenhaus blieb der Kreißsaal am vergangenen Wochenende größtenteils leer (Symbolbild)

Picture Alliance

Für schwangere Frauen ist es eine Horrorvorstellung: Die Wehen setzen ein, man kommt im Krankenhaus an – und wird dort wieder abgewiesen, weil der Kreißsaal wegen Ärztemangel gesperrt ist. Genau das ist am vergangenen Wochenende in Hamburg passiert: Die Helios-Mariahilf-Klinik in Harburg im Süden der Hansestadt meldete ihren Kreißsaal zwischen Freitag und Montag gleich zweimal stundenlang von der Notfallversorgung ab und schickte schwangere Frauen, die in dieser Zeit mit Wehen kamen, mit dem Hinweis weg, sich ein anderes Krankenhaus zu suchen.

Wie eine Sprecherin des Klinikbetreibers dem stern mitteilte, wurden in den gesperrten Zeiträumen "nur Kinder entbunden, die es ganz eilig hatten. Alle Frauen, die aus medizinischer Sicht guten Gewissens noch Zeit hatten, wurden gebeten, einen anderen Kreißsaal aufzusuchen“. Die Kreißsaal-Sperrungen galten von Freitag 12 Uhr bis Samstag um 9 Uhr und von Sonntag um 8 Uhr bis Montag um 8 Uhr. 

Personelle Situation in der Geburtsklinik ist angespannt

Als Grund für die drastische Maßnahme gibt die Sprecherin an, dass nicht immer ein Oberarzt im Haus war, um bei Komplikationen innerhalb weniger Minuten bei den Müttern zu sein. Zwei Oberärzte hätten sich krank gemeldet, ein daraufhin beauftragter Honorararzt wäre ebenfalls wegen Krankheit kurzfristig ausgefallen. Daraufhin folgte der Entschluss zur Schließung. "Notfälle wurden selbstverständlich durch Rufdienste durchgängig abgesichert. Das Hebammenteam war kontinuierlich vollständig besetzt“, heißt es. Vier Babys wurden dann auch während der Sperrzeiten entbunden.  

Die Schließung des Kreißsaales sorgte in der Hansestadt für einiges Aufsehen. Denn seit das Asklepios Klinikum Harburg seine Geburtenstation 2017 schloss, ist Mariahilf die letzte verbleibende Geburtenklinik in Hamburg südlich der Elbe. 2087 Kinder sind dort 2018 auf die Welt gekommen. Die zeitweilige Schließung am vergangenen Wochenende hat entsprechend auch die Gesundheitsbehörde auf den Plan gerufen: "Wir haben der Geschäftsführung mitgeteilt, dass die geburtshilfliche Versorgung weiterhin sichergestellt sein muss und beobachten die Situation aufmerksam“, teilt ein Sprecher auf Anfrage des stern mit. 

Die personelle Situation der Geburtsklinik  war schon vor dem vergangenen Wochenende ein Thema. Im Dezember 2018 hatte die damalige Chefärztin der Klinik gekündigt, vier Oberärzte gingen ebenfalls. Ein Paukenschlag. Bei Helios gibt man sich indes zuversichtlich, die Stellen kurzfristig und lückenlos nachbesetzen zu können. "Wir befinden uns bereits in engem Austausch mit Bewerbern für die Chefarztposition und auch für die frei werdenden Oberarzt-Stellen liegen uns bereits Bewerbungen vor“, teilt die Sprecherin des Klinikbetreibers mit.

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Immer weniger Geburtsstationen in Deutschland

Im Mariahilf war die Kreißsaal-Sperrung eine unrühmliche Premiere, in anderen Krankenhäusern kam ähnliches in der jüngeren Vergangenheit durchaus schon vor. Im niedersächsischen Gifhorn etwa wurde der Kreißsaal wegen Hebammenmangels im Dezember 2018 gleich für fünf Tage geschlossen. 

In ganz Deutschland ist die Zahl der Geburtsstationen in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Kritiker monieren den wirtschaftlichen Druck, der in Krankenhäusern herrsche. Das System sei nicht auf Bedarf, sondern auf Ertrag ausgelegt. Denn: Erst ab einer gewissen Fallzahl im Jahr trägt sich eine Geburtenabteilung überhaupt. Und je komplizierter ein Fall ist, desto höher fällt unterm Strich die Vergütung für das behandelnde Krankenhaus aus. Das lässt sich anhand des Fallpauschalen-Katalogs des G-DRG nachvollziehen. Der listet die sogenannte Bewertungsrelation für jede Diagnose und die dafür zu erbringende medizinische Leistung auf. Je höher der Wert ausfällt, desto höher ist die Vergütung für das Krankenhaus, da die Werte mit sogenannten Basisfallwerten, die für jedes Bundesland festgelegt werden, multipliziert werden. Die Bewertungsrelationen für Kaiserschnitte liegen im Fallkatalog sämtlich über denen einer natürlichen Geburt ohne Komplikationen – auch, wenn diese häufig ungleich länger dauert. Sprich: Kaiserschnitte bringen dem Krankenhaus in der Regel mehr Geld ein.  

Quellen: Ärzteblatt (1), Ärzteblatt (2), NDR, G-DRG Fallpauschalenkatalog, VDEK Landesbasisfallwerte

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