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Selbstversuch: Alle sprechen über den Netflix-Horrorfilm "Eli" – aber ist er wirklich so krass?

Seitdem Netflix den neuen Horrorfilm "Eli" veröffentlicht hat, liest man im Netz ständig von Zuschauern, die danach vollkommen verstört gewesen sein sollen. Aber ist er wirklich so krass? Unsere Autorin hat sich geopfert und den Film für euch geschaut. 

Junge im Gruselhaus: "Eli": Das ist der Trailer zum neuen Netflix-Horrorfilm

Ich hatte keine Ahnung, worum es in dem neuen Horrorfilm "Eli", den Netflix pünktlich zur Vor-Halloween-Zeit vergangene Woche veröffentlicht hat, eigentlich geht – und trotzdem las ich überall davon. Schon als der Trailer veröffentlicht wurde, versprach sich die Online-Community einen Schocker, der die Zuschauer vom Schlafen abhält und – mal wieder – der gruseligste Film aller Zeiten werden sollte. Seitdem er am Freitag endlich online gestellt wurde, liest man auf Twitter Posts wie: "Ich habe gerade 'Eli' auf Netflix geguckt und ich SCHWÖRE, jetzt sehe ich Dämonen in meinen Augenwinkeln. HILFE!" Aber auch: "Ähm, hat noch jemand 'Eli' auf Netflix gesehen? JESUS, was für ein Plot-Twist!" 

Ein Film, der Menschen verstört zurücklässt und ein überraschendes Ende hat? Das muss ich sehen! Denn: Ich LIEBE Horrorfilme! Schon als Teenie holte ich mir meine Portion Adrenalin beim Gruseln vor dem Fernseher. Am liebsten nachts, im Dunkeln und ganz alleine in meinem Kinderzimmer. Einen Jungen, an dessen Ärmel ich mich festklammern konnte, wenn mal wieder ein Kind mit leerem Blick aus dem Nichts erschien oder eine Wandergruppe naiver Jugendlicher von einem Serienmörder abgeschlachtet wurde, gab es ohnehin nicht. Stattdessen hatte ich eine DVD des Animationsfilms "Große Haie, kleine Fische", den ich nach jedem Thriller oder Splatter zum Einschlafen guckte. 

Ist "Eli" auf Netflix wirklich so schlimm?

Aber zurück zu "Eli". Horrorfilmtitel, die nur aus einem nichtssagenden Namen bestehen, scheinen noch immer voll im Trend zu sein: "Marianne", "Veronica", "Eerie" ... Im Fall von "Eli" macht der Name aber tatsächlich Sinn, wie ich im Verlauf des Films noch erfahren werde. Eli ist Protagonist des Films und ein Junge mit einer schweren Autoimmunkrankheit, durch die er nicht in Kontakt mit Luft, Wasser oder Staub kommen darf und deswegen im Haus seiner Eltern in einem Zelt wohnen muss. Seine Eltern (die liebevolle Mutter Rose und der passiv-aggressive Vater Paul) haben alles versucht, um ihn zu heilen. Ihre letzte Hoffnung: die abgeschiedene Klinik von Dr. Isabella Horn, in der Eli einer Gentherapie unterzogen werden soll. Nun ja, das ist zumindest mal was anderes, dachte ich. Aber es kam natürlich so, wie es kommen musste ... ACHTUNG, SPOILER!

Die Klinik ist ein altes, renoviertes Haus. Wow, voll innovativ. Und natürlich verläuft die Therapie, bei der Eli ohne Narkose ins Rückenmark gespritzt und ins Gehirn gebohrt wird, überhaupt nicht so, wie der Junge sich das vorgestellt hat. Er sieht Geister in Spiegeln, hinter Vorhängen, mysteriöse Schatten – oh, Mann – und immer wieder haucht Eli gegen die Fenster seines Krankenzimmers und malt auf die beschlagene Oberfläche etwas. Zum Beispiel seinen Namen. Wie von Geisterhand (im wahrsten Sinne des Wortes) wird das E weggehaucht und ein neues E hinter das LI geschrieben. Nun steht da: LIE (deutsch: Lüge). Schon fast ein bisschen kreativ. Als etwas, das im Haus zu wohnen scheint, das Wort auf die Tür des Kleiderschrankes kratzt, merkt Eli: Auf dem Kopf gelesen, ergibt es die Zahlenfolge 317 – der Code für den abgeriegelten Medizintrakt im Haus. Respekt! In den Aktenschränken dort findet Eli natürlich die Antworten auf seine Fragen – aber zu viel will ich dann doch nicht spoilern.

Der "Stranger Things"-Star macht es auch nicht besser

Ein Lichtblick: "Stranger Things"-Star Sadie Sink aka Max spielt in "Eli" ein Mädchen namens Haley, das in der Nachbarschaft wohnt und durch die Fenster hindurch mit Eli spricht. Leider ändert auch sie nichts daran, dass die letzte halbe Stunde des Films zwar eine sehr unerwartete Wendung nimmt, diese aber so ... mir fällt kein Wort dafür ein, aber horror-kitschig trifft es wohl am besten ... wird, dass man das Ende einfach nicht ernst nehmen kann. (An alle, die den Film vielleicht auch schon gesehen haben: Versteht ihr, warum der Junge nicht an die Luft durfte?!)

Ganz im Ernst, ich grusele mich auch immer sehr bei (guten!) Horrorfilmen, aber wem "Eli" schon zu viel ist, der sollte wirklich überlegen, ob Filme mit FSK 16 nicht generell eine zu große Zumutung für das schwache Gemüt sind. Und der Plot-Twist am Ende ist nicht "mindblowing", sondern vollkommen überzogen. Wer sich an Halloween wirklich gruseln will, dem empfehle ich "Ich seh, Ich seh", einen österreichischen (ja, richtig gelesen) Horrorfilm von 2014, der seit neustem auch bei Netflix zu streamen ist. Der ist wirklich verstörend – und hat einen viel besseren Twist am Ende. Versprochen.

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