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Mord an Debbie Sue Carter: Neue True-Crime-Serie auf Netflix: Der unglaubliche Fall des Ron Williamson

Seine Geschichte wird ab dem 14. Dezember zum Mittelpunkt der neuen Doku-Serie "The Innocent Man": Ron Williamson – das einstige Baseball-Wunderkind, das elf Jahre im Todestrakt verbrachte. Für einen Mord, den er nicht begangen hat.

Ron Williamson

Ron Williamson bei seiner ersten Zigarette in Freiheit – nach elf Jahren. Seine Geschichte steht im Mittelpunkt der Netflix-Doku "The Innocent Man".

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Es ist zurecht eine der größten Ängste, die wir alle teilen: unschuldig im Gefängnis zu landen. Franz Kafka beschrieb sie in seinem Roman "Der Prozess", Millionen tauchten auf Netflix in die Welt von "Making a Murderer" ein. Denn bei einem sind sich alle einig: Ins Gefängnis zu kommen, ist gar nicht weiter schwer. Aber es dann wieder zu verlassen – das ist beinahe unmöglich.

Mit einem Fall wie diesem beschäftigt sich auch die neue Eigenproduktion des Streaming-Dienstes, die am 14. Dezember 2018 global ausgerollt werden soll. "The Innocent Man" basiert auf dem Bestseller "Der Gefangene" von Autor John Grisham, der wiederum von einem wahren Fall handelt: Dem Mord an der damals 21-jährigen Debbie Sue Carter im Jahr 1982.

Der Fall Debbie Sue Carter

Die Cocktail-Kellnerin wurde erwürgt in ihrer Wohnung in der Kleinstadt Ada im US-Bundesstaat Oklahoma aufgefunden. Der Täter hatte sie nicht nur vergewaltigt, sondern auch mit einer Ketchup-Flasche sexuell gefoltert. Daraufhin waren ihr Körper und die Wände der kleinen Garagenwohnung mit Tomatensoße und Nagellack beschmiert worden. 

Erst fünf Jahre nach der Tat wurden die Freunde Ron Williamson und Dennis Fritz verhaftet und des Mordes an Debbie Sue Carter bezichtigt. Sie waren Stammgäste in der Bar, in der die junge Frau gearbeitet hatte und laut Aussage einer Freundin des Opfers, hatte diese einst gesagt, die Männer würden sie "nervös machen". 

Williamson war einst ein Lokalheld gewesen. 1953 geboren, erfreute er sich bereits als junger Mann großer sportlicher Erfolge, spielte einst sogar für eines der berühmtesten Baseball-Teams der Welt – den New York Yankees. Doch nach einer Schulterverletzung sah er sich mit nur 25 Jahren gezwungen, wieder in seine Heimatstadt Ada zu ziehen, wo er schnell in eine Depression verfiel. Trotz einer Diagnose mit bipolarer Störung, erhielt er keine Therapie und begann, seine Gefühle in Drogen und Alkohol zu ertränken.

John Grisham

Krimiautor John Grisham verwandelte die Geschichte um den Mord an Debbie Sue Carter in eins seiner erfolgreichsten Bücher: "Der Gefangene"

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Keine wirklichen Beweise – dafür zwei wenig glaubwürdige Geständnisse

Am Abend des Mordes platzierte ihn die Zeugenaussage eines Mannes namens Glenn Core in der Bar, in der das Opfer arbeitete. Da weder er, noch sein Kumpel Dennis Fritz ein Alibi präsentieren konnten – laut eigener Aussage erinnerten sie sich nicht mehr an den Abend –, wurden sie schnell zu Hauptverdächtigen, mussten jedoch wegen Mangels an Beweisen laufen gelassen werden. Bis Williamson fünf Jahre später wegen eines Fälschungsvergehens im Gefängnis auf sein Verfahren wartete. Dort gab ein Mitinsasse an, Williamson habe den Mord ihm gegenüber gestanden. Laut Informationen der US-Vereinigung "The Innocence Project", handelte es sich hierbei allerdings um die Wiedererzählung eines Traumes, die die Polizei dennoch als Geständnis wertete.

Und wie es der Zufall wollte, gestand auch Dennis Fritz wenig später angeblich den Mord an der jungen Debbie Sue. Im Mai 1987, fünf Jahre nach dem Mord, wurden Fritz und Williamson verhaftet und nach der Analyse einiger Haare, die auf dem Opfer gefunden worden waren, des Mordes an Carter bezichtigt – ungeachtet der Tatsache, dass Haaranalysen dieser Art bereits in den 1980er Jahren ein nicht anerkanntes forensisches Verfahren waren. Doch wenig später verurteilte eine Jury die Angeklagten: Dennis Fritz zu einer lebenslangen Haftstrafe und Ron Williamson zum Tode.

Freispruch dank DNA – und ein altbekannter Täter

Sie sollten die nächsten elf Jahre hinter Gittern verbringen, wo Williamsons Depression und bipolare Störung weiterhin unbehandelt blieben. Fritz und Williamson legten unabhängig voneinander Berufung ein – und wurden zurückgewiesen. Doch als Fritz sich an "The Innocence Project" wandte, teilte man ihm mit, dass Williamsons Anwälte eine weitere Überprüfung der physischen Beweise beantragt hatten. Dank einer Verfügung der Vereinigung wurden die Fälle hierfür zusammengeführt und im Jahre 1998 die Erlaubnis erteilt, die Beweise auf DNA-Spuren zu testen.

Dennis Fritz (l.) und Ron Williamson hören zu, während ein Richter sie nach elf Jahren Gefängnis freispricht

Dennis Fritz (l.) und Ron Williamson hören zu, während ein Richter sie nach elf Jahren Gefängnis freispricht

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Das Ergebnis: Weder Williamsons noch Fritz' DNA stimmten mit den Spuren am Tatort überein. Stattdessen führten die Spuren zu einem anderen Täter: Glenn Core, dem Mann, dessen Augenzeugenaussage Williamson vor über einem Jahrzehnt zum Hauptverdächtigen gemacht hatte. 1999 hob ein Richter die Verurteilung auf und die Männer wurden freigelassen. Dabei war Williamson seinem Exekutionsdatum um nur fünf Tage entgangen. 

Nach ihrer Freilassung reichten die beiden Männer eine Zivilklage gegen ihren Landkreis Pontotoc County ein und bekamen eine unbekannte Menge Geld ausgezahlt. Doch daran sollte Williamson sich nicht lange erfreuen können. Er verstarb im Dezember 2004 im Alter von nur 51 Jahren an einer Leberzirrhose und hatte etwa ein Fünftel seines Lebens im Gefängnis verbracht – unschuldig.

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jgs