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Finale der ersten Staffel: Nach Kritik an Suizid-Darstellung: Netflix streicht Szene aus "Tote Mädchen lügen nicht"

Die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" steht schon länger wegen der expliziten Darstellung eines Suizids in der Kritik. Vor dem Start der dritten Staffel haben die Macher die Szene nun entfernt.

Hannah aus "Tote Mädchen lügen nicht"

Schülerin Hannah (Katherine Langford) nimmt sich in der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" das Leben

Die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" (Originaltitel: "13 Reasons Why") zog auf der Streaming-Plattform viele Zuschauer an – doch es gab auch viel Kritik. Fans und Psychologen störten sich daran, wie explizit in der Serie das Thema Suizid behandelt wird. In "Tote Mädchen lügen nicht" geht es um die Schülerin Hannah, die sich das Leben nimmt. Auf Kassetten, die sie vor ihrem Tod aufgenommen hat, erklärt sie ausführlich, was sie zu diesem Schritt getrieben hat.

Netflix hat nun darauf reagiert und eine besonders umstrittene Szene aus der Serie entfernt. Es handelt sich um den Schluss der ersten Staffel. In der Ursprungsfassung der Szene, die im März 2017 auf Netflix veröffentlicht wurde, wird der Suizid von Hannah drei Minuten lang sehr deutlich dargestellt. Diese Darstellung haben die Serienmacher jetzt deutlich entschärft.

"Tote Mädchen lügen nicht": Macher entfernen Suizid-Szene

"Wir wollten eine Geschichte erzählen, die jungen Zuschauern das Gefühl gibt, gesehen und gehört zu werden", beschrieb Brian Yorkey, Mastermind hinter der Serienumsetzung des Bestsellers von Jay Asher, in einem Statement seine kreative Absicht im Hinblick auf die ursprüngliche Version der Szene. Er habe die "hässliche, schmerzliche Realität des Suizids" zeigen wollen, damit "niemand sich jemals wünscht, es nachzuahmen". Nach Rücksprache mit Experten für Suizidprävention habe man sich aber entschlossen, auf die Szene zu verzichten.

Mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung ist diese somit nicht mehr auf Netflix verfügbar. Stattdessen ist laut "Hollywood Reporter" nur noch zu sehen, wie Hannah sich selbst im Spiegel anschaut – danach wird zu ihren Eltern umgeschnitten. Der Akt des Suizids selbst ist nicht mehr zu sehen. 

Experten warnen vor Nachahmern

Nach der Veröffentlichung von "Tote Mädchen lügen nicht" hatten Experten davor gewarnt, dass Menschen mit Suizidgedanken durch die Serie dazu animiert werden könnten, sich ebenfalls das Leben zu nehmen – der sogenannte "Werther-Effekt". Die "Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde" (DGPPN) hatte damals psychisch labilen Menschen ausdrücklich "dringend von dem Konsum der Serie abgeraten".

Eine Studie von Forschern der Ohio State University hatte zudem ergeben, dass bei den zehn- bis 17-Jährigen im Monat nach Erscheinen der Serie die Suizidrate deutlich angestiegen war. Netflix hatte daraufhin immerhin einen Warnhinweis am Beginn jeder Folge eingeblendet. In diesem Jahr soll die dritte Staffel der Serie erscheinen.

Quellen: "Hollywood Reporter" / Stellungnahme von DGKJP und DGPPN / Studie "Association Between the Release of Netflix's 13 Reasons Why and Suicide Rates in the United States"

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

epp
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