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"Tote Mädchen lügen nicht": Warum Behörden vor der Netflix-Serie warnen

Kaum eine Serie bewegt die Netflix-Zuschauer derzeit so wie die Serie "Tote Mädchen lügen nicht". Doch Behörden warnen vor dem Mehrteiler - weil dort der Suizid eines Mädchens gezeigt wird.

"Tote Mädchen lügen nicht"

Dylan Minnette und Katherine Langford sind die Hauptdarsteller der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht"

In der 13. und letzten Folge passiert es. Der Zuschauer sieht in einer quälend langen Szene dabei zu, wie sich Hannah Baker das Leben nimmt. 

Diese Szene ist der dramatische Mittelpunkt von "Tote Mädchen lügen nicht". In 13 Episoden erzählt die auf einem erfolgreichen Jugendbuch basierende Netflix-Serie, wie es zum Suizid der High-School-Schülerin kommen konnte. Im Original heißt sie "13 Reasons Why", was dem Inhalt besser entspricht. Denn die fiktive Hauptdarstellerin Hannah Baker (Katherine Langford) hat vor ihrem Tod 13 Kassetten-Seiten besprochen. Auf jeder erzählt sie einen Grund für ihren Suizid.

Was das Mädchen dort schildert, geht an die Nieren. Selten hat eine Serie so anschaulich die Themen Bullying und Missbrauch in Schulen thematisiert. "Tote Mädchen lügen nicht" lässt keinen Zuschauer kalt, vielen geht sie ans Herz - wie die vielen Reaktionen in den sozialen Netzwerken zeigen. Seit dem Start der Serie am 30. März wurden unter den Hashtags #13ReasonsWhy und #ToteMädchenlügennicht. weltweit über elf Millionen Tweets abgesetzt. Damit ist die Netflix-Produktion die meistdiskutierte Serie des Jahres und erfolgreicher als "The Vampire Diaries" und "The Walking Dead".

Auch das Ensemble an zuvor durchweg unbekannten Schauspielern profitiert von dem Hype. So verzeichnet Christian Navarro, der einen der wenigen moralisch integeren Jugendlichen spielt, innerhalb kürzester Zeit einen Anstieg von 625 auf mehr als 100.000 Follower. 

Netflix-Serie kann Suizid-Gedanken fördern

Doch die Serie scheint nicht für jeden Zuschauer gleichermaßen geeignet. So hat die australische Gesundheitsbehörde "Headspace" auf ihrer Website eine Warnung an Eltern und Schulen ausgegeben. Die Serie sei insbesondere für jüngere Zuschauer gefährlich, da sie Suizid-Gedanken fördern könne.

Auch in den USA wird ein besonnener Umgang mit "Tote Mädchen lügen nicht" angemahnt. Dort hat "Save", eine Einrichtung für Suizid-Prävention, Diskussionspunkte und Tipps zum Anschauen von "Tote Mädchen lügen nicht" zusammengestellt. Unter anderem heißt es auf der Seite: "Suizid ist niemals eine heroische oder romantische Tat. Hannahs Suizid (obwohl fiktional) ist ein warnendes Beispiel, das nicht heroisch erscheinen und als eine Tragödie betrachtet werden soll."

Auch Netflix ist sich der Wirkung der Bilder bewusst. Aus diesem Grund erscheint vor der letzten Folge ein Warnhinweis. "Die folgende Episode enthält Szenen, die manche Zuschauer verstörend empfinden können und/oder die für jüngere Zuschauer nicht geeignet sein können."

So sinnvoll dieser Hinweis sein mag: Wer die ersten zwölf Folgen gesehen hat, wird deshalb nicht auf die letzte verzichten wollen. Freigegeben ist die Serie ab zwölf Jahren. Eltern mit Netflix-Account sollten darauf achten, ob ihre Kinder "Tote Mädchen lügen nicht" gucken - und die Folgen mit ihnen gemeinsam anschauen und darüber sprechen.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.