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McKamey Manor: Der Rekord liegt bei sechs Stunden: Diese Horrorshow hält niemand bis zum Ende aus

Sind dir Geisterbahnen schon lange zu langweilig? Dann solltest du dich vielleicht mal auf der Seite von McKamey Manor in den USA umschauen. Denn dieses Gruselhaus ist so schlimm, dass es bislang noch niemand bis zum Ende ausgehalten hat.

Frau schreit

Blanker Horror – das verspricht das McKamey Manor (Symbolbild)

Getty Images

"Für deine eigene Sicherheit, musst du diese Grundanforderungen bestehen", steht auf der Website des McKamey Manor, die mit Bildern scheinbar blutverschmierter Menschen geschmückt ist und einem schon beim ersten Blick irgendwie Schauer den Rücken runter treibt. "Du musst mindestens 21 Jahre alt sein. Du musst einen Sporttest bestehen und einen Brief vom Arzt dabei haben. Du musst unseren Background Check bestehen. Du wirst über Facetime oder ähnliches geprüft. Du musst beweisen, dass du krankenversichert bist. Du musst eine 40 Seiten lange Verzichtserklärung unterschreiben und am Tag deines Events einen Drogentest bestehen."

Was klingt wie die Voraussetzungen für einen Astronautentest, sind in Wahrheit die Regeln, die Russ McKamey für sein Gruselhaus aufgestellt hat. McKamey Manor wird als eines der gruseligsten seiner Art gehandelt, Russ McKamey von einigen als Sadist beschimpft, von anderen als Meister des Horror in den Himmel gelobt. Denn was er in seinen "Manors" (eigentlich handelt es sich hierbei um von außen eher unscheinbare Einfamilienhäuser) geschaffen hat, hat mit einer handelsüblichen Geisterbahn eigentlich nichts mehr zu tun.

Nicht Geisterbahn, sondern "Survival Horror Boot Camp"

Wer das Haus betreten will, tut dies nicht etwa durch die Haustür. Teilnehmer werden im umliegenden Ort von Schauspielern entführt. Die Anwohner haben sich bereits daran gewöhnt, dass hier ab und zu Menschen in schlafanzugähnlichen Einteilern von Männern in Horror-Outfits in ihre Autos geworfen werden. Trotzdem sage er der Polizei immer vorher Bescheid, erzählt McKamey in einem Interview mit der Zeitung "The Guardian", damit es nicht zu Missverständnissen komme.

Seine Horror-Events nennt der Ex-Marine "Survival Horror Boot Camps", denn tatsächlich ist das einzige Ziel der Besucher, dem grausamen Geschehen im Haus so lange wie möglich standzuhalten. Theoretisch dauert es acht Stunden – bis zum Ende hat es bislang noch niemand geschafft. Den Rekord hält eine junge Frau, die nur Sarah P genannt wird. 2014 hielt sie es ganze sechs Stunden in dem Haus aus, das damals noch in San Diego, im US-Bundesstaat Kalifornien stand.

Alle Besucher von McKamey Manor werden gefilmt und ins Netz gestellt

Was genau einem Besucher im Haus passieren wird, ist schwer zu sagen. Denn die Performance, wie der Meister des Horrors sie nennt, ändert sich bei jedem Besuch – und wird auf jeden Menschen angepasst. Nur maximal drei Besucher werden gleichzeitig ins Haus gelassen, es gibt meist nur eine "Tour" in der Woche. Kein Wunder, schließlich ist der Aufwand, der dafür betrieben werden muss, riesig. Es braucht zahlreiche Schauspieler, lebendige Tiere – Schlangen, Spinnen, alles, was zu panischen Heulkrämpfen führen kann –, Foltervorrichtungen, die aus dem Mittelalter zu kommen scheinen – und mit all dem verdient McKamey keinen Cent. Alles, was er von seinen "Gästen" haben will, ist eine Spende in Form von Futter für seine Hunde.

Was in den letzten Jahren bereits passiert ist, lässt sich allerdings bestens nachvollziehen. Denn jede neue "Tour" wird akribisch gefilmt – und das Ergebnis ins Netz gestellt. Hunderttausende Neugierige sehen sich die Videos an, scheinen sehen zu wollen, wie Menschen freiwillig bis an ihre äußersten Grenzen gebracht werden. Besonders gruselig ist hierbei übrigens: Es gibt kein Safe Word. Das heißt, Besucher werden erst dann aus dem Haus gelassen, wenn Russ und seine Kollegen das entscheiden. Das erklärt dann auch die 40 Seiten lange Verzichtserklärung.

Die besagt unter anderem, dass die Besucher kein Problem damit haben, geohrfeigt oder gefesselt zu werden, in Kontakt mit Tieren zu kommen und in extremen Fällen sogar ihr eigenes Erbrochenes zu essen und sich die Haare abrasieren zu lassen. Verrückt, würde man meinen, wieso sollte das irgendjemand freiwillig machen. Aber McKameys Warteliste ist lang – 24.000 Menschen lang, um genau zu sein. Gegenüber "The Guardian" erklärt er das so: "Alle sind so nonchalant darüber, was in der Welt abgeht. Sie brauchen einen Ort, an dem sie einfach mal loslassen können. Wir kreieren eine cineastische Erfahrung und geben den Menschen das Gefühl, dass sie in einem echten Horrorfilm sind. Filme können uns nichts mehr anhaben. Es ist wahnsinnig schwer, heute noch Emotionen aus den Leuten herauszubekommen."

Die Gäste sind zu jedem Zeitpunkt sicher, sagt McKamey

Dennoch ist es ihm wichtig, eines klarzustellen: "Das hier ist eine Live Theatervorstellung. Es ist nicht echt. Wenn Menschen tatsächlich verletzt würden, müssten wir zumachen. Es ist Schall und Rauch", betont er. (Kratzer, Beulen und blaue Flecken scheinen bei ihm nicht als echte Verletzung zu zählen.) Und auch den Vorwurf, die Schauspieler würden Wasserfolter nutzen, weist der Horror-Fan zurück. Nachdem eine Besucherin das behauptet hatte, sagte er der "San Diego Union Tribune": "Wir machen keine Wasserfolter. Nicht mal ein bisschen. Alles, was wir machen, ist psychologisch. Sie sind zu jedem Zeitpunkt sicher."

Das einzige, was in McKameys Haus übrigens absolut verboten ist: Schimpfwörter. Die führen zu Bestrafung, sollten sie einem Teilnehmer entfleuchen, während er beispielsweise gerade im Dunkeln auf allen Vieren und mit Maske über dem Kopf versucht, aus einem sehr engen Gittergang zu entkommen und dabei auch noch von allen Seiten gepiekst wird. Da könnte man ein kleines "FU**" eigentlich nachvollziehen. Aber nicht Russ McKamey. Er raucht nicht, trinkt keinen Alkohol und keinen Kaffee – und schimpft nicht.

Aber im Interview mit "Fox News" so Dinge sagen wie: "Willst du wahre Angst sehen? Dann leg jemandem lebendige Spinnen auf's Gesicht und sieh einfach zu, wie ihnen stumme Tränen über das Gesicht laufen. Das ist fast, wie einen Stummfilm schauen." Ääähh ja. Muss man nicht verstehen.

Grusel: Diese Puppe soll besessen sein
jgs