HOME
Interview

Hannes Wittmer: Warum dieser Singer-Songwriter jetzt seine Musik verschenkt und Gratis-Konzerte spielt

Spaceman Spiff war gestern, jetzt tritt Hannes Wittmer unter seinem bürgerlichen Namen auf. Im Interview erzählt er, warum er seine Musik verschenkt und was ihn am Kapitalismus stört.

Hannes Wittmer

Musiker Hannes Wittmer war zehn Jahre lang als Spaceman Spiff unterwegs

Als Spaceman Spiff war Hannes Wittmer eine feste Größe unter den deutschsprachigen Singer-Songwritern. Drei Alben veröffentlichte Wittmer unter dem Künstlernamen, der dem Comic "Calvin und Hobbes" entlehnt ist. Er besaß einen Plattenvertrag beim Indie-Label Grand Hotel van Cleef – was will man mehr? 

Mittlerweile ist vieles anders bei Hannes Wittmer. Der 33-Jährige tritt unter seinem bürgerlichen Namen auf, hat seinen sicheren Labelvertrag aufgegeben und verschenkt seine Musik fortan. "Pay what you want" heißt das Motto: Wittmer hat sein neues Album "Das große Spektakel" ausschließlich auf seiner Website veröffentlicht, wo es sich jeder kostenlos herunterladen und dem Musiker eine freiwillige Spende zukommen lassen kann. Auch bei seinen Konzerten tritt er nun kostenlos auf, jeder darf so viel Eintritt bezahlen, wie ihm der Abend und die Musik wert sind.

Wittmer lebt eine Utopie: Ein Musikerleben ohne Label, Spotify oder Amazon. Seinen Schritt versteht er als Alternative zum Kapitalismus. Aber: Kann das wirklich funktionieren?

Hannes Wittmer im Interview: "Ich habe mich von Musik als Produkt gelöst"

Hannes, seit kurzem bietest du deine Musik kostenlos im Internet zum Download an und verlangst auch bei deinen Konzerten kein festes Eintrittsgeld mehr. Wie bist du zu dieser Entscheidung gekommen?

Die Entwicklungen um die Klimakrise, Migration und unser desolater Umgang damit, steigende Ungleichheit und Spaltung der Gesellschaft, der weltweit aufkeimende Autoritarismus und die immer weiter fortschreitende Ökonomisierung aller Lebensbereiche haben mich in den letzten Jahren sehr politisiert. Bei der Frage nach den Ursachen bin ich am Ende immer wieder beim entfesselten Kapitalismus gelandet und hab angefangen, meinen Part im großen Ganzen zu hinterfragen. Das sind natürlich riesige Fässer, die ich da aufmache. Ich hatte aber das Bedürfnis, in meiner Rolle als Musiker irgendwie aktiv zu werden und hab dann beschlossen mich so weit es geht von Musik als Produkt zu lösen.

Wie lange hat dieser Prozess für dich gedauert – von der ersten Idee bis zur Umsetzung?

Ich hatte die Idee seit vier oder fünf Jahren im Hinterkopf. Am Anfang hat mich gestört, dass ich als Musiker im Indiebereich eigentlich kein Album rausbringen kann, ohne dass es automatisch über Spotify, Amazon, Google, Apple und Co. vertrieben wird. Das sind Firmen, mit denen ich eigentlich nichts zu tun haben möchte. Mit meinem neuen Album habe ich dann diesen Befreiungsschlag gestartet.

Bands wie Radiohead haben auch schon ihre Alben frei ins Netz gestellt. Das ist aber eine andere Liga.

Stimmt, die Idee ist nicht neu, aber Radiohead hatten zum Beispiel gleich neben dem Download eine Bezahlfunktion. Ich gehe einen Schritt weiter. Bei mir besteht quasi keine Möglichkeit, mir direkt für mein Album Geld zu geben. Stattdessen gibt es auf meiner Homepage einen "Unterstützen"-Button. Dort findet man meine Kontodaten und kann mir einfach generell für Blogeinträge, Musik und mein Projekt etwas überweisen.

Das ganze Projekt ist ein großes finanzielles Risiko. Wie oft hast du das Ganze im Kopf durchgerechnet?

Schon ziemlich oft. Ich hab mir erstmal etwas angespart, so dass es auch kein Weltuntergang wäre, wenn ich am Ende drauflegen würde. Aber ich bin einer der Glücklichen, die von ihrer Musik leben können und das hat sich bisher auch nicht geändert. Natürlich habe ich zwischendurch überlegt, ob ich mir bald einen Nebenjob suchen muss. Aber so wie das Ganze anläuft, habe ich das Gefühl, dass es auch mittelfristig funktionieren kann.

Deine Zwischenbilanz ist also positiv?

Vor allem merke ich, dass die Verbindung zwischen den Menschen, die meine Musik hören, und mir, tiefer geworden ist. Ich bekomme wahnsinnig viel Feedback sowie Nachrichten von Leuten, die ähnliche Gedanken haben. Viele lassen sich noch einmal anders auf die Musik ein und oft entsteht ein Austausch. Das meine ich in erster Linie, wenn ich sage, dass es funktioniert. Musik auf Spotify streamen ist ja eine eher unpersönliche, oft auch oberflächliche, Angelegenheit – es ist schön, am eigenen Leib zu erfahren, wie es auch anders sein kann.

Was zahlen dir die Leute denn so?

Manche schicken fünf, manche 100 Euro, einige haben sogar einen Dauerauftrag für mich eingerichtet.

Wie sind die Reaktionen auf deine Entscheidung ausgefallen? Gab es viele Musikerkollegen, die dir gesagt haben, dass das so nicht funktionieren kann?

Bis auf wenige Ausnahmen waren die Reaktionen allesamt positiv. Viele Kolleginnen und Kollegen in meinem Bekanntenkreis beschäftigen ähnliche Themen. Die sind natürlich interessiert und fragen, wie es läuft. Richtigen Gegenwind hab ich bisher noch keinen bekommen.

Wo siehst du die entscheidenden Probleme in der Musikindustrie?

Darüber könnte man stundenlang reden, ein großes Problem ist aber auf jeden Fall die Monopolisierung. Spotify zum Beispiel ist heute ein Gatekeeper, wie es früher die Radiosender waren. Die meisten Bands versuchen vor allem in Playlisten zu kommen, weil sich so noch am ehesten mit Streaming Geld verdienen lässt. Dafür braucht man aber die entsprechenden Connections und den dicksten Fuß haben natürlich die großen Majorlabels in der Tür. Im Livebereich gibt es leider ähnliche Entwicklungen mit Firmen, die den Markt dominieren. Aber eigentlich geht es mir bei meinem Projekt gar nicht darum, Kritik an der Musikindustrie zu üben. Mich beschäftigt vor allem, was der Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken in unseren Köpfen anstellt.

Kann kostenlose Musik im Internet wirklich etwas gegen knallharten Kapitalismus ausrichten?

Natürlich werde ich mit meiner Aktion nicht den Kapitalismus stürzen. Das ganze ist auch eher ein Prozess, als ein zu Ende gedachtes Konzept und irgendwo zwischen Experiment, Kunst-Projekt, Verzweiflungstat, Suche nach Alternativen, und hoffnungsvollem Aktionismus anzusiedeln. Ich glaube, vielen Menschen, die über den Tellerrand schauen und mit den Verhältnissen nicht einverstanden sind, fehlen oft die positiven Gegennarrative. Ich hab das Gefühl, viel öfter gegen etwas sein zu müssen, als für etwas sein zu können, das auch in der Realität passiert oder umgesetzt wird. Das versuche ich anzubieten.

Hannes Wittmers neues Album "Das große Spektakel" lässt sich hier kostenlos herunterladen. Hier kann man den Musiker freiwillig unterstützen. Hannes Wittmer ist im Februar auf Tour in verschiedenen Städten.

Musik-Quiz: "Ich kann deinen Heiligenschein sehen" - Aus welchen Hits stammen diese Zeilen?

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.