HOME
Interview

Rockband aus Schweden: Smash Into Pieces: "Fans sind wie eine Armee, die man steuern kann"

Smash Into Pieces wollen auch in Deutschland den Durchbruch schaffen. Im NEON-Interview spricht die Band über ihr neues Album, bizarre Konzerterlebnisse in Japan und lebensgefährliche Unfälle auf der Autobahn.

Smash Into Pieces

Per Bergquist, Chris Adam Hedman Sörbye, Benjamin Jennebo (v.l.n.r.) und The Apocalypse DJ sind Smash Into Pieces

In Schweden sind Smash Into Pieces schon eine bekannte Rockband, nun wollen sie auch im Rest Europas den Durchbruch schaffen. Gestartet sind die Skandinavier als Alternative-Rock-Gruppe, die dann immer mehr elektronische Elemente in ihren Sound integriert hat. Mit ihrem neuen Album "Evolver" machen sie ihre Musik noch einmal massentauglicher.

Auf der Bühne treten Smash Into Pieces stets mit einer geheimnisvollen Kunstfigur auf: The Apocalypse DJ, ein maskierter Schlagzeuger und DJ im schwarzen Umhang. Aus seiner Identität macht die Band ein Geheimnis, auch zum Interview taucht er nicht auf. Stattdessen hat NEON Sänger Chris Adams Headman Sörbye sowie die Gitarristen Per Bergquist und Benjamin Jennebo getroffen. 

Elektro-Rock aus Schweden: Smash Into Pieces im Interview

Euer neues Album "Evolver" wird von euch als "game changer" angekündigt. Was können Fans von der Platte erwarten?

Per: Es wird mehr in Richtung melodischen Pop gehen. Es ist ein sehr freigeistiges Album, wir haben alles dabei - von ganz soften bis zu ganz harten Songs. Jedes Stück hat seinen eigenen Stil, es gab keine Einschränkungen. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Benjamin: Der "game changer" ist wohl, dass wir etwas Neues versuchen. Wir sind kreative Leute und mögen es nicht, immer das Gleiche zu machen. Ich habe viele Songs in letzter Zeit geschrieben und für das Album die besten ausgesucht. Für mich sind das echte Diamanten, meine Babys.

Wenn man sich durch eure bisherigen Alben hört, wird schnell klar, wie stark sich eure Musik verändert hat. Wie würdet ihr die Entwicklung beschreiben?

Chris: Es muss nicht immer Rock sein. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und wir hatten einfach Lust auf etwas anderes. Wer weiß, vielleicht wird das nächste Album wieder nur aus Riffs bestehen. Aber niemand will fünf Alben haben, die sich alle gleich anhören. Die Fans wollen geschockt werden.

Wie reagieren denn die Fans der ersten Stunde?

Chris: Manche sind im Moment schon etwas verwirrt. Wir hatten immer zwei Lager unter den Fans - die einen, die die härteren Sachen mochten, und diejenigen, die die leiseren Songs besser fanden.

Benjamin: Manche sagen, wir hätten uns an die Industrie verkauft. Aber ein Songwriter kann keinen guten Song schreiben, wenn er nicht dahinter steht. Wenn du das, was du tust, nicht magst, wird es nicht gut.

Wie funktioniert denn das Songwriting bei euch, wenn jeder etwas zum Album beiträgt?

Benjamin: Wir haben da ganz verschiedene Herangehensweisen. Manche Songs schreiben wir mehr oder weniger zusammen, manche getrennt. Ich schreibe meistens alleine zu Hause, in Unterwäsche, mit Kaffee und meinen Melodien. Dann suche ich nach ein paar Worten, die die Melodie beschreiben, und rufe Per an. Der hat meistens eine Idee für die Story.

Per: Ich setze mich nicht hin und sage: Jetzt schreibe ich einen Song. Meistens fällt mir etwas beim Spazierengehen ein.

Chris: Ich bin kein wirklich guter Songwriter. Wenn wir im Studio sind, sitze ich meistens auf der Couch und warte auf meine 15 Sekunden, in denen ich mal eine gute Idee habe. Ich brauche die anderen, um zu glänzen.

In eurer Band gibt es noch ein viertes Mitglied, das wohl auch das auffälligste ist: euer Schlagzeuger The Apocalypse DJ, der immer mit einer Maske auftritt. Was ist die Geschichte dahinter?

Per: Der Apocalypse DJ war eigentlich immer da. Beim ersten Album gab es ein Bild von ihm im Booklet. Das zweite war nach ihm benannt. Er verkörperte irgendwie den Geist unserer Band. Und auf dem dritten Album war er dann ein Mitglied der Band. Mit ihm ist unser Sound elektronischer geworden. So können wir mehr experimentieren.

Ihr habt in den letzten Jahren auf der ganzen Welt Konzerte gespielt – insgesamt 100 Shows in 17 Ländern. Was war da euer außergewöhnlichstes Erlebnis?

Chris: Auf jeden Fall Japan. Wir waren in Tokio, ein total seltsames Erlebnis. Als wir gespielt haben, sind die Leute total abgegangen, und wenn wir etwas sagen wollten, war es mucksmäuschenstill im Club und alle haben ganz konzentriert zugehört.

Benjamin: Stimmt. Die Fans dort sind wie eine Armee, die man steuern kann.

Per: Wir haben gesagt: “Wenn wir euch das Zeichen geben, dann müsst ihr springen.” Aber dann hat Chris vergessen, an der richtigen Stelle das Zeichen zu geben. Und niemand ist gesprungen.

Was ist das Besondere am deutschen Publikum?

Chris: Ihr kauft tatsächlich Tickets. Wir haben tolle Fans in Ländern wie Italien, aber dort weiß man am Nachmittag nicht, ob man nicht abends in einem halbleeren Club spielt. Die Leute kommen alle spontan zur Abendkasse. Hier kann man auch in kleinen Clubs irgendwo auf dem Land spielen und es ist voll.

Unter Musikern sagt man, dass das Schlimmste, was man einer Freundschaft antun kann, sei, gemeinsam auf Tour zu gehen. Wie klappt das bei euch?

Benjamin: Für uns war das nie ein Problem. Wir leben in unserem Tourbus quasi aufeinander, ohne Schlaf, ohne Essen, wir stinken, es ist einfach supereklig. Aber das ist okay. An einem Tag hängt jeder allein an seinem Telefon und am anderen sind wir die besten Freunde.

Chris: Man wird kreativ, wenn es ums Schlafen geht. (Er zeigt auf seinem Handy Fotos, die die Bandmitglieder in den verrücktesten Schlafpositionen zeigen.)

Per: Einmal hat unser Tourbus in Deutschland auf der Autobahn ein Rad verloren – wir hätten sterben können! Alle waren total aufgeregt, nur Chris ist nicht mal aufgewacht.

Chris: Ich habe einen einjährigen Sohn, für mich ist die Tour wie Urlaub.

Benjamin: Per ist dann über die Autobahn gelaufen und hat das Rad gesucht, es war so was von gefährlich. Aber ich hab alles für Facebook gefilmt.

Per: Wir spielen oft abends ein Konzert und müssen dann noch in der Nacht 500 Kilometer fahren. Nach einer Weile fühlst du dich wie ein Zombie und willst einfach nur, dass es vorbei ist. Aber wenn wir nach Hause kommen und drei Tage Pause haben, dann sind wir wieder bereit.

Ihr seid vor allem über Spotify auch international bekannter geworden. Was braucht man im Internetzeitalter, um als Band erfolgreich zu sein?

Chris: Es ist vor allem viel harte Arbeit. Wir hatten keinen Superhit, sondern haben immer einen Schritt nach dem anderen gemacht. Man muss einfach stur sein.

Benjamin: Wir waren damals noch nicht dabei, aber man muss vieles anders machen als die Bands vor zehn oder 15 Jahren. Heute kann jeder irgendwas zu Hause aufnehmen und ins Internet stellen. Da musst du innovativer sein, besonderer, auffälliger, weil überall so viel Musik herumschwirrt.

In Deutschland gibt es gerade eine Diskussion darüber, ob sich Musiker zu gesellschaftspolitischen Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit äußern sollten. Wird darüber auch in Schweden gesprochen und wie steht ihr dazu?

Per: Es wird in Schweden viel über Flüchtlinge usw. diskutiert, aber wir als Musiker machen etwas anderes. Diese Diskussion gibt es bei uns im Land nicht wirklich. Und zumindest ich persönlich denke, dass man Politik und Musik nicht vermischen sollte.

Benjamin: Wenn wir Songs schreiben, denken wir nicht darüber nach, etwas Politisches damit zu sagen. Musik ist für jeden wichtig, egal, welche politische Meinung er hat. Musik soll alle verbinden. Das versuchen wir zu vermitteln.

Das neue Album "Evolver" erscheint am 12. Oktober. Im November treten Smash Into Pieces in Hamburg, Köln, Frankfurt und Trier auf. Alle Tour-Termine gibt es hier.

The Gardener & the Tree bringt euch den Festival-Sommer zurück - und überrascht mit ihrer Herkunft