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Reeperbahn Festival: "Konzerte haben mein Leben gerettet": Warum es so wichtig ist, regelmäßig zu eskalieren

Eine Freundin unseres Autors behauptet, dass ihr regelmäßige Konzertbesuche über die schwierigste Phase ihres Lebens hinweggeholfen haben. Und tatsächlich ist die gesunde Wirkung von Live-Musik inzwischen sogar statistisch belegt.

Reeperbahn Festival

Auf Konzerten – wie hier beim Reeperbahn Festival – fühlt sich die Welt oft ein bisschen besser an, als sie wirklich ist

Ich habe eine gute Freundin, Lena*, die sagt: "Konzerte haben mein Leben gerettet." Sie hatte vor ein paar Jahren eine Phase, in der sich um sie herum gleich mehrere Schicksalsschläge ereigneten, von denen sie sich nur schwer erholte. Bis ein Freund sie aufs Casper-Konzert mitschleppte. Sie mochte Casper noch nie, war aber sogar zu antriebslos, sich gegen das Mitschleppen zu wehren.

Es sollte sich als ihr großes herausstellen: Der Abend geriet zur Befreiung. Um sie herum entrückte Menschen zwischen 14 und 40 Jahren, die lauthals Songs wie "Im Ascheregen" vom damals aktuellen Album des Rappers, "Hinterland", mitsangen. Eine Energie in der Halle, die sie wie warme Wellen überspülte. Und die Erkenntnis, dass Konzerte wirklich IMMER gut tun können: egal, wie down du bist; egal, ob du die Band magst oder nicht.

"Der Moment, in dem der Funke überspringt"

Im darauffolgenden Jahr besuchte Lena rund 40 Konzerte unterschiedlichster Acts von Adele bis Zugezogen Maskulin – sie ging bei der Auswahl fast nach dem Zufallsprinzip vor, und sie hat keinen einzigen Abend bereut. "Jeder Sänger, jede Band, jede Location entfaltet eine andere Atmosphäre", sagt sie, "aber eines haben alle Konzerte gemeinsam: den Moment, in dem der Funke von der Bühne aufs Publikum überspringt. Der ist unbezahlbar."

Lena geht es längst wieder gut, aber sie sagt, dass sie es ohne die Konzerte kaum geschafft hätte. Konzerte seien wie friedliche Demonstrationen, sagt sie, bei denen Gleichgesinnte mit derselben Absicht zusammenkommen. Das verbindet. Deshalb fühle sich die Welt auf Konzerten oft ein bisschen besser an, als sie wirklich ist – so, als ob alle miteinander einverstanden wären. Und die besten Konzerte seien wie guter Sex, weil du dich zur völlig vergessen kannst.

Jeder genießt diese Live-Erlebnisse anders: manche mit verschränkten Armen an der Bar, manche mitwippend, manche Arm in Arm und lauthals grölend mit dem besten Kumpel, manche vorne im Moshpit. Lena drehe am liebsten durch, sagt sie: "Ich finde es wichtig, regelmäßig zu eskalieren."

Und tatsächlich gilt es inzwischen als wissenschaftlich belegt, wie gut Konzerte für uns sind. Erst kürzlich haben Verhaltensforscher der Goldsmith-Universität in London zur Wellness-Wirkung von Live-Musik eine Studie veröffentlicht, die besagt: Wer alle 14 Tage ein Konzert besucht, lebt bis zu zehn Jahre länger.

Einer der Leiter des Projekts, Patrick Fagan, sagte gegenüber der britischen Zeitung "The Sun": "Unsere Forschungen heben den starken Einfluss von Konzertbesuchen auf unsere Wahrnehmung von Gesundheit, Glück und Wohlbefinden hervor." Voraussetzung dafür sei eine gewisse Regelmäßigkeit: Etwa alle zwei Wochen solle man sich für den langfristigen Effekt schon vor eine Bühne begeben.

Der Effekt auf dem Reeperbahn Festival

Kurzfristig ist der Effekt dieser Tage aber auch zu beobachten, und zwar besonders deutlich: Das Reeperbahn Festival in Hamburg sorgt im Stadtteil St. Pauli mal wieder für glückliche Gesichter an jeder Ecke. Zehntausende lassen sich von Location zu Location durchs Viertel treiben und besuchen Konzerte von Bands, die sie im Zweifel gar nicht kennen, aber von denen sie sich diesen einen Moment erhoffen. Den Moment, in dem der Funke überspringt.

Es klingt vielleicht kitschig, aber in gehässigen Zeiten wie diesen kommt dem Funken besondere Bedeutung zu. Weil er Menschen zusammenbringt. Weil er verbindet. Und weil er manchmal sogar Leben retten kann. Lena kann viele Lieder davon singen.

*Name von der Redaktion geändert

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