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Musiksause auf dem Kiez: Fünf Gründe, warum das Reeperbahn Festival besser ist als andere Festivals

Es geht wieder los: Für vier Tage wird Hamburg wieder das Mekka für Musikfans und Branchengrößen. Die Organisatoren des Reeperbahn Festivals begrüßen 500 Bands in 90 Clubs und rechnen mit einem neuen Besucherrekord. Zu Recht!

Reeperbahn Festival

Auf St. Pauli brennt noch Licht: Beim Reeperbahn Festival lassen sich die Strecken zwischen den Bühnen auch gut mit dem Fahrrad zurücklegen

Hamburg wird von heute an für vier Tage wieder zur Pophauptstadt Europas: Das Reeperbahnfestival startet in seine 13. Ausgabe. Mit Metronomy, Passenger, Jess Glynne, Ibeyi, Get Well Soon, Joep Beving, Parcels und Jungle mischen sich mehr Namen bereits etablierter Acts unter das Line-up als noch in den Vorjahren. In diesem Jahr sei es nicht darum gegangen, in die Breite zu wachsen, sondern in die Tiefe zu gehen und das Programm zu verfeinern, erklärten die Veranstalter. Neben 37.000 Musikfans werden 5000 Fachbesucher aus 57 Ländern erwartet. Partnerland ist Frankreich – 50 Konzerte französischer Bands und Künstler sind geplant.

Dem feierlichen Anlass angemessen werden im Rahmen des Reeperbahn-Festivals auch einige Preise verliehen, darunter der Helga Award für das beste Festival und der prestigeträchtige Anchor: Acht vielversprechende Newcomer dürfen sich bei diesem zum dritten Mal ausgetragenen Musikwettbewerb der Jury um Tony Visconti präsentieren. Das Reeperbahn Festival findet seit 2006 jährlich in den verschiedensten Spielstätten rund um die Reeperbahn statt. NEON erklärt dir, warum die Sause auf dem Kiez in der deutschen Festival-Landschaft so einzigartig ist.

Fünf Gründe, warum das Reeperbahn Festival besser ist als andere Festivals: 

1)    Der Überraschungsfaktor

Normalerweise weiß der Musikfreund auf einem Festival ziemlich genau, was er will: Er pickt sich die Perlen aus dem Line-up, fügt sie mit geschmeidigen Übergängen zusammen und taktet so seinen Tag durch. So läuft das beim Reeperbahnfestival nicht: Zwar werden euch viele Kiezgänger empfehlen, den Timetable vor dem Start zu studieren wie ein Mathematiker, weil ihr sonst Gefahr lauft, allzu viel zu verpassen. Das lässt sich bei 500 Bands in 90 Clubs, bei zwangsläufigen zeitlichen Verschiebungen und bei der Distanz, die ihr teilweise zwischen den Locations zurücklegen müsst, aber ohnehin nicht vermeiden. Also macht euch lieber keinen Stress und lasst euch treiben und überraschen. Und ganz ehrlich: Wenn ihr nicht der ganz harte Musiknerd seid, werdet ihr im Line-up mehr Bands nicht kennen als kennen. Und das ist auch der faire Deal des Festivals: Die Macher filtern für euch die heißesten Newcomer und Geheimtipps – und präsentieren sie euch in der muggeligen Club-Atmosphäre von St. Pauli.

2)    Die Locations

Die Dichte an winzigen, an kleinen und an mittelgroßen Konzertlocations ist auf dem Kiez so groß wie nirgendwo im Land. Sie alle versprühen ihren eigenen Charme und stehen als Live-Locations für ein langes Wochenende gleichberechtigt nebeneinander. Es ist völlig egal, ob ihr euch für den brachialen Bunker an der Feldstraße, die erhabene St. Pauli Kirche, das eher zweckmäßige Docks, das katakombige Mojo oder die altehrwürdige Große Freiheit 36 entscheidet – genau wie bei der Bandauswahl könnt ihr nicht viel falsch machen. Weil zumindest die Atmosphäre immer stimmen wird. Dafür möchten wir als NEON-Redaktion an dieser Stelle mit unserem Wort bürgen. Einzige Voraussetzung, natürlich: Ihr müsst offen für Neues sein. Aber das versteht sich hoffentlich von selbst.

3)    Die Leute

Natürlich ist das Reeperbahnfestival ein Fest für echte Musikfans: Für Menschen, die gerne neue Bands entdecken, die ein Album auch mal durchhören, die Booklets lesen und Musik nicht nur als Soundtrack zum Putzen oder Autofahren (miss-)brauchen. Kurz: Für Menschen, die Musik bewusst hören und sich für die Geschichte(n) dahinter interessieren. Aber auch wenn Hamburg diese Menschen vermehrt ab heute wieder magisch anzieht und außerdem zum großen Branchentreff der Musikindustrie mutiert, ist das Reeperbahnfestival keine hochexklusive Veranstaltung: Hier wird auch derjenige zum Musikfreak, der sonst nur "Charts" oder "alles Mögliche" hört. Weil die Begeisterung der echten Freaks ziemlich ansteckend ist.

4)    Das Wetter

Häh? Wieso das Wetter? Sollte es bei einem Indoor-Festival nicht relativ egal sein, ob draußen gerade die Sonne scheint, ob es regnet oder schneit? Einerseits ja. Andererseits gibt es nichts Besseres, als zwischen zwei Gigs mit einem Bierchen am Spielbudenplatz zu stehen und die vorbeiziehenden Leute zu beobachten. Und vor allem ereignet sich Jahr für Jahr in großer Regelmäßigkeit ein kleines Wunder in der Hansestadt: Pünktlich zum Reeperbahn Festival bricht auch die dickste Wolkendecke auf, möge sie vorher noch so wochenlang über der Stadt gehangen haben. Das war zwar in diesem Supersommer selbst in Hamburg ausnahmsweise nicht der Fall, trotzdem sind die Aussichten wieder zuverlässig hervorragend: Mindestens bis Freitag lacht die Sonne über dem Kiez bei sommerlichen Temperaturen. Der Wettergott meint es also abermals gut mit den Musikfreunden – und das will bei einer Stadt, deren Ruf doch eher verregnet daherkommt, wirklich was heißen.

5)    Die Stadt

Apropos die Stadt: Hamburg ist für ein Festival wie dieses tatsächlich der beste denkbare Austragungsort. Wegen besagter Locationdichte auf kleinem Raum, aber auch wegen der Musikgeschichte, die diese Läden, aber auch die sie umgebenden Straßen und Gassen atmen, wegen der Anekdoten, die sie erzählen, wegen des Respekts, den dieser Stadtteil seit jeher für den Rock’n’Roll hat. Es ist die Geschichte, die schon ein paar Mal zu oft erzählt wurde, aber sie ist nun mal bezeichnend: In St. Pauli wurden sogar die Beatles groß, bevor sie groß wurden. Auf dem Kiez spielten sie Anfang der 60er zahllose Konzerte, bevor sie sich anschickten, die Welt zu erobern. Hier hat sich die wichtigste Band aller Zeit ihr Rüstzeug für eine rauschende Karriere geholt. Ihren allerersten Gig in Hamburg spielten die "Fab Four" damals im Indra auf der Großen Freiheit. Und ja, bevor jemand fragt: Selbstverständlich zählt auch das Indra an diesem Wochenende zu den Spielorten des Reeperbahn Festivals.

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tim