HOME

Newcomer-Rapper Mero: Wie ein 18-Jähriger zu Deutschlands erfolgreichstem Musiker wurde

Wer derzeit mal einen Blick auf die beliebtesten Songs in Deutschland bei Spotify wirft, dem sticht sofort ein Name ins Auge: Mero. Ein 18-jähriger Rapper, der vor wenigen Monaten nicht einmal Experten bekannt war. Wie konnte er so schnell erfolgreich werden?

Ein Park irgendwo in Rüsselsheim am Main. Die hessische Stadt, die durch den Autobauer Opel international bekannt wurde. Eine Gruppe Jugendlicher hängt hier ab. Sie sitzen in einem Pavillon. Ein typischer Treffpunkt zum Chillen, an dem normalerweise laut Musik gehört, geraucht, getrunken und gekifft wird. Doch in diesem Moment sitzt die Jungs-Clique einfach nur im Kreis und staunt. Über das, was ihr 16-jähriger Kollege im Trainingsanzug mit umgedrehter schwarzer Cap und dunkler Bauchtasche da gerade macht. Er rappt. Über grüne Scheine, gelbe Scheine, Waffen und das Ticken am Block. Typische Gangsterrap-Themen halt. Alles festgehalten von einer Handykamera.

Drei Jahre liegen zwischen den Aufnahmen von damals und heute. Mittlerweile ist jener Junge aus dem Video der Shootingstar des Deutschrap: Enes Meral, besser bekannt als Mero. Ein 18-jähriger Rapper aus Haßloch in Rüsselsheim. Wie es zu seinem Durchbruch kam, weiß kaum einer – noch nicht einmal die vermeintlichen Experten der Szene. Tatsächlich wirft der bisherige Verlauf seiner Karriere viele Fragen auf. Innerhalb von wenigen Monaten ist Mero zum Star geworden. Aus dem Nichts generierte er mit seinem ersten Track "Baller los" in vier Tagen fast sechs Millionen Views auf Youtube und über vier Millionen Streams auf Spotify. Wenig später landete er auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Gleich mit seinem ersten Song. Rekord. Das hatte noch kein Rapper vor ihm geschafft. Auch seine zweite Single "Hobby Hobby" ging direkt auf Platz eins, ebenso seine dritte, "Wolke 10", die dazu noch einen Youtube-Rekord brach: 4,4 Millionen Videoaufrufe innerhalb von 24 Stunden. Am vergangenen Freitag veröffentlichte er nun sein Debütalbum. Nur wer ist dieser Mero überhaupt? Wie konnte er so schnell erfolgreich werden? Und warum bricht ein nahezu unbekannter Künstler urplötzlich einen Rekord nach dem anderen?

Der Aufstieg von Mero

Ein Teil der Antwort gibt der Newcomer selbst in "Baller los." Darin rappt er: "Ich hab‘ schon alles nur durch Handyvideos gef***t, man / Ihr habt lang genug gewartet, aber jetzt bin ich da / und ich werd‘ alles auseinandernehm’n!“. Handyvideos also. Wie jenes aus dem Park von vor drei Jahren. Genau dadurch baut sich Mero über Monate eine stabile Fanbase auf. Seine Videos werden tausend-, millionenfach geklickt. Das bringt ihm jede Menge Aufmerksamkeit und die richtigen Kontakte. In seinem Fall hört dieser auf den Namen Eno, ebenfalls ein Rap-Newcomer.

View this post on Instagram

Sound für den Hooof 🔥 #abriss @dogan_428

A post shared by MERO (@mero_428) on

Vergangenes Jahr, im Mai, geben die beiden ein Spontankonzert in der Wiesbadener Innenstadt. Der Menschenandrang ist immens. Es herrscht völliger Ausnahmezustand. Die Folge: Das Konzert muss abgebrochen werden – es sind einfach zu viele Fans vor Ort. Für Mero bedeutet der Vorfall noch mehr Aufmerksamkeit. Lokalzeitungen berichten darüber. Und ein paar Monate später, Ende November 2018, nimmt ihn schließlich Xatar unter Vertrag. Von da an nimmt die Geschichte ihren Lauf. Alles geht sehr schnell. Auf einmal steht Mero da, wo er jetzt steht – und alle fragen sich: Wie hat er das geschafft?

Viel Talent, noch mehr Marketing und ganz viel Xatar

Fest steht definitiv: Ohne jegliches Talent hätte es Mero nie soweit gebracht. Der Deutsch-Türke ist ein begnadeter Rapper. Er hat einen guten Flow, eine Stimme mit Wiedererkennungswert, kann singen und trifft dazu mit seinen Songs den Zeitgeist. Dennoch wäre er wahrscheinlich nicht so schnell erfolgreich geworden – ohne die Hilfe eines Mannes: Xatar.

Der Rapper gründete vor einem Jahr das Musiklabel Push. Das Besondere ist dabei das Konzept dahinter. Push ist eine Plattform, auf der Künstlerinnen und Künstler ihre Musik hochladen können. Xatar nutzt dann seine Social Media-Kanäle, um die Musik einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Fans können im Anschluss direktes Feedback geben – und zwar durch die Klicks. Mit anderen Worten: Xatar kann gucken, in welchen Künstler es sich lohnt, Geld zu investieren.

Bei Mero war dies anscheinend der Fall. Er fädelte für seinen neuen Schützling einen Deal mit Groove Attack, einem Musikvertrieb, ein. Ein Erfolg für alle Beteiligten: "Dass Mero unglaublich viel drauf hat, wussten wir. Gemeinsam haben wir dann einen kleinen Schlachtplan erarbeitet, der aber nur aufgehen konnte, weil Mero sowohl auf den Tracks, als auch im ersten Video, alle Erwartungen übertroffen hat! Wir sind sehr froh, dass wir mit Mero einen Künstler gesignt haben, der Deutschrap jetzt schon prägt. Und das ist erst der Anfang!", sagt Frank Stratmann, der Geschäftsführer von Groove Attack.

Internet-Hypes statt Gigs

Was an diesem Fall noch einmal deutlich wird, ist, dass der Aufstieg von Künstlern heutzutage unberechenbar ist. Die sozialen Netzwerke haben die Musikwelt komplett verändert. Während es früher viel Vitamin B, Zeit und Geduld brauchte, reicht heute ein Video bei Youtube, Facebook, Instagram, oder ein Song bei Soundcloud, für den Durchbruch. Hinzu kommt, dass die Vertriebswege durch Streaming kürzer sind, jeder inzwischen Songs und Videos bei sich zu Hause produzieren und eigene Musikvideos filmen und hochladen kann. Die neue Musikergeneration findet sich inzwischen immer öfter im Internet als auf Gigs oder Demo-Tapes. Jene Szenen – wie damals im Park irgendwo in Rüsselsheim am Main – werden vermutlich in Zukunft die Grundlage vieler anderer Musikkarrieren sein.

Capital Bra und Dieter Bohlen im Instagrambattle

Quellen: rap.de / Allgemeine Zeitung / Mero-Instagram / Xatar-Facebook / Groove Attack