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Interview

Politischer Hip Hop: Rap-Band Kafvka über Nazis und Flüchtlinge: "Manchmal könnte ich einfach heulen"

Klar, direkt, provokativ – und immer politisch: Die Punkrap-Gruppe Kafvka nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit NEON sprachen sie über scheinbar plumpe Texte, die Gefahr abzustumpfen und darüber, wie schwierig es ist, das richtige Leben im falschen zu finden.

Kafvka

Punkrap gegen Rechts: Kafvka ziehen mit einer "Alle hassen Nazis"-Tour durch Deutschland

Die Bandmitglieder von Kafvka sind im Stress. Vorgestern ein Auftritt in Wien, ein Tag Pause in Berlin, direkt nach der Ankunft in Hamburg geht der Aufbau für die Show am Abend los. Dazwischen Interviews – Kafvka gehören zu den Bands, die etwas zu sagen haben, nicht nur in ihrer Musik.

Die Punkrapper aus Berlin positionieren sich politisch so klar wie wenige andere Bands. Gerade sind sie auf "Alle hassen Nazis"-Tour und setzen damit ein Zeichen gegen Rassismus und rechte Gewalt. In ihren Songs geht es auch um Themen wie Nachhaltigkeit, Flüchtlinge und Seenotrettung. Oft mit plakativen, manchmal auch provokanten Titeln und Zeilen, die eine klare Kante zeigen, aber auch Fragen aufwerfen.

Sänger Jonas Kakoschke muss im Backstage des Hamburger Clubs Molotow noch seinen kleinen Sohn wickeln, der die Band auf manchen Konzerten begleitet. Dann sprechen er und Schlagzeuger Stefan Ifkovits mit NEON über scheinbar plumpe Texte, die Gefahr abzustumpfen und darüber, wie schwierig es ist, das richtige Leben im falschen zu finden.

Jonas, Stefan, eure aktuelle Tour habt ihr nach eurem Song "Alle hassen Nazis" benannt. Kann man Hass mit Hass bekämpfen?

Jonas: Es gibt ein paar Sachen, auf die man sich mit allen einigen können sollte, auch wenn man politisch nicht einer Meinung ist – und dazu gehört, dass keiner mehr Bock auf Nationalsozialismus haben sollte. Und wenn jemand überzeugter Nazi ist, braucht man nicht mehr zu diskutieren. 

Stefan: Wir sind auch für Liebe, aber da muss man einfach klar Nein sagen. Zu einem Nazi hinzugehen und zu sagen: Ich liebe dich – ich glaube, das bringt nichts. Da ist es wichtig, sich klar zu positionieren.

Man kann eure Wortwahl in vielen Songs "klar" nennen, man kann sie auch "etwas plump" nennen – zum Beispiel Titel wie "F*** dein Volk". Hättet ihr das nicht auch etwas elaborierter ausdrücken können?

Jonas: Als Texter habe ich einige Jahre lang ziemlich verkopfte Texte geschrieben und hatte nie das Gefühl, damit jemanden zu touchen. Wenn die Leute erst mal drei Minuten beim Konzert darüber nachdenken müssen, ist da keine Emotion mehr, kein Moment, den wir teilen. Das ist eine bewusste Entscheidung: Ich sage genau auf den Punkt, was ich meine. 

Stefan: Man muss sich natürlich auch die Strophen anhören. Dann merkt man schon, dass es um mehr geht. Jeder kann seine individuelle Interpretation hineinlegen. Die Bezeichnung "plump" finde ich da zu negativ.

Jonas: Naja, es ist schon eine plumpe Formulierung. (lacht) Also, ich stimme zu, man hätte es auch eleganter sagen können.

Die Leute, die zu euren Konzerten kommen, denken wahrscheinlich zu 99 Prozent so wie ihr. Kommen eure Botschaften auch bei denen an, an die sie sich eigentlich richten?

Jonas: Wir können keine Rechten davon überzeugen, dass es besser ist, Geflüchteten eine Chance zu geben. Aber zum Beispiel an den Youtube-Kommentaren sehen wir, dass wir in ein Wespennest gestochen haben und die Rechten merken, dass etwas passiert. Und außerdem wollen wir Menschen, die sich gegen Rassismus oder auch bei "Fridays For Future" engagieren, zeigen: Ihr seid nicht allein, wir machen das zusammen. Das ist für alle Beteiligten eine Bestätigung.

Stefan: Es ist einfach, in Berlin "Refugees welcome" zu schreien, aber eigentlich geht es um Landarbeit. Wir haben auch viel in kleinen Dörfern gespielt, wo die rechte Szene groß ist. Da ist es umso wichtiger, unsere Message zu verbreiten. Das kommt manchmal gut an und manchmal nicht. 

Jonas: Da sehe ich auch Sachen wie die #wirsindmehr-Demo etwas kritisch. Wir waren da zwar eine Stunde lang mehr, aber danach ging das Leben für die Menschen vor Ort weiter. Bringt das überhaupt irgendwas?

Habt ihr denn als Band persönlich Erfahrung mit Rechten gemacht?

Jonas: Hass und Drohungen gibt es vor allem online, nicht im eigentlichen Leben. Aber das liegt auch am Standort Berlin.

Stefan: Als wir bei "Jarmel rockt den Förster" gespielt haben, hieß es, man soll das Festivalgelände nicht verlassen, weil draußen Nazis warten. Einmal lauerten unserem Tourbus mehrere Leute auf, da hat aber die Security dafür gesorgt, dass nichts passiert.

Jonas: In Schnellroda, einem richtigen Nazi-Nest, haben sich während unseres Konzerts 150 harte Neonazis in der Dorfkneipe versammelt. Da hatten die Veranstalter schon Bedenken. Es ist natürlich ein ganz anderes Gefühl: Man bekommt eine Nähe zu der Realität, in der andere Menschen jeden Tag leben müssen.

Stefan: Und genau diese Menschen muss man unterstützen. Es ist unglaublich, was die dort erleben. Diejenigen, die sich dort engagieren, sind für mich echte Helden.

In diesen Momenten merkt man, dass Engagement auch wirklich etwas kosten kann. Wie gelingt es euch im Alltag, den Anspruch, den ihr mit eurer Musik stellt, zu erfüllen? Das betrifft ja viele Themen – nicht nur den Kampf gegen Rassismus, sondern auch zum Beispiel Nachhaltigkeit.

Jonas: Wir bedienen uns da bei Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Ich kaufe seit zehn Jahren Second-Hand, ich habe kein Auto, aber ich bin viel geflogen. Das macht wieder alles kaputt. Man lebt in einer Gesellschaft, die auf Kosten von anderen funktioniert. Das kann man sich etwas angenehmer machen, wenn man nur Second-Hand-Kleidung kauft. Aber es ist unmöglich, sich davon freizumachen. Da muss jeder für sich gucken, wie er damit klarkommt. Ich weiß auch nicht, was da eine Lösung sein kann. 

Ihr werdet jetzt wahrscheinlich widersprechen, aber in euren Songs klingen trotzdem manchmal nach erhobenem Zeigefinger – zum Beispiel, wenn es heißt: "Kauf nicht bei H&M". Da sind schon viele Imperative drin.

Jonas: Nein, da widersprechen wir gar nicht. Es ist schon klar, dass da auch ein Zeigefinger dabei ist, aber vielleicht werden dadurch Menschen auf Probleme aufmerksam. Dann denkt möglicherweise mal jemand: Hmm, die Tiefkühlpizza, die ich so geil finde, die kommt doch von Nestlé – und recherchiert dann, was die eigentlich machen.

Stefan: Zugleich äußern wir einfach unsere Meinung. Wenn wir bei Nazis oder Nestlé den Zeigefinger heben – damit habe ich überhaupt kein Problem.

Mit "2018" habt ihr einen Song über das Flüchtlingssterben gemacht, den ihr 2019 eins zu eins wieder veröffentlicht habt, nur mit einer anderen Jahrezahl. Wie viel Jahre müsst ihr den Song noch machen?

Stefan: Auf jeden Fall viel zu lange. Es wird eigentlich eher schlimmer.

Jonas: Von der Silbe her geht es noch bis 2020. Ich bin da ein bisschen mutlos. Da hat sich nichts zum Positiven verändert. Wir haben einen Freund, der vielleicht bald nach Kabul abgeschoben wird, und man sitzt hilflos da und weiß, der ist vielleicht in zwei Wochen tot. Es wird einfach auf allen Ebenen dagegen gearbeitet. Manchmal könnte ich einfach heulen, wenn wir diesen Song spielen.

Hört man da schon Resignation durch?

Stefan: Nein, aber man muss halt die Realität sehen. Das macht uns eher lauter als leiser.

Jonas: Bei mir ist es schon manchmal Resignation. Wir haben Songs von 2014 über Entwicklungen, die damals schon schlimm waren und eigentlich seitdem nur noch schlimmer geworden sind. 

Wie kann man denn wütend und engagiert bleiben, ohne abzustumpfen, wenn man sich ständig mit diesen Dingen beschäftigt?

Jonas: Es ist schon so, man scrollt halt drüber – irgendwann nutzt sich das ab. Selbst bei mir: Obwohl ich viel für die Seebrücke arbeite, obwohl ich Leute kenne, die auf Rettungsschiffen sind. Ich weiß auch nicht wirklich, was man dagegen tun kann.

Stefan: Doch, der persönliche Kontakt ist das Entscheidende. Wenn man Menschen kennenlernt, die ihre Heimat verlassen müssen, ist es nicht mehr nur eine Zahl.

Jonas: Aber trotzdem bleiben die Fakten scheiße.

Stefan: Die Fakten bleiben scheiße. Aber Fakten werden auch gemacht.

Zum Abschluss: Woher kommt eigentlich die ungewöhnliche Schreibweise in eurem Bandnamen?

Stefan: Das ist eine Mischung aus dem Schriftsteller Franz Kafka, um zu zeigen, dass uns Texte sehr wichtig sind, und dem MTV-Moderator und DJ Markus Kavka. Dessen Sound sind wir am Anfang stark gefahren. Aber es hat auch Google-Gründe.

Jonas: Wir konnten nicht einfach einen der beiden Namen nehmen, weil man sonst bei der Suche immer nur einen von denen gefunden hätte und nicht uns. Also haben wir f und v genommen.

Und seid ihr mehr Franz oder Markus?

Stefan: Aus dem Bauch heraus: mehr Franz. Franz Kafka war ein großer, sehr reflektierter Schriftsteller – und Markus Kavka ... ist halt ein DJ.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(