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Regensburger Schlossfestspiele Revolverheld legen sich bei Konzert mit Gastgeberin Gloria von Thurn und Taxis an

Die Band Revolverheld bei einem Live-Konzert
Die Band Revolverheld bei einem Live-Konzert auf der Bühne
© rtn, frank dudek / Picture Alliance
Die Hamburger Popband Revolverheld kritisierte die bekannte Adelige wegen ihrer Aussagen zum Missbrauch in der katholischen Kirche und zum Thema Flüchtlinge. Die Fans quittierten das Statement mit Applaus, die Fürstin mit einem Schulterzucken.

Die Regensburger Schlossfestspiele finden seit 2003 jeden Sommer auf dem Gelände von St. Emmeram statt. Gastgeberin ist die Besitzerin des imposanten Schlosses: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Jährlich kommen rund 30.000 Besucher nach Regensburg, um neben bekannten Popstars auch Künstler aus den Bereichen Oper, Klassik und Ballett zu sehen. Das Kulturfestival hat einen sehr guten Ruf – doch nicht jeder würde dasselbe von der Hausherrin behaupten.

Revolverheld kritisierten die Hausherrin

Zumindest scheint die Hamburger Band Revolverheld, die am Sonntag auf der idyllischen Bühne stand und für die Fans ihre Hits spielte, kein Fan der 59-jährigen Adeligen zu sein. "Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen", sagte Sänger Johannes Strate bei der Zugabe ins Mikrofon, wie der "Bayerische Rundfunk" berichtete. Unter anderem ging es den Musikern um den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, wie er auch beim Kinderchor der Regensburger Domspatzen stattgefunden hat. "In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen, das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los, das ist ein gefundenes Fressen", hatte Gloria von Thurn und Taxis die Vorfälle damals kommentiert.

Eine Aussage, die den Bandmitgiedern sauer aufstieß. "Nächstenliebe bedeutet auch, dass wir den systematischen Missbrauch, der in der katholischen Kirche so lange stattgefunden hat, dass wir den nicht bagatellisieren und die Opfer ernst nehmen", so Sänger Johannes Strate beim Auftritt in Regensburg. Zusätzlich kritisierte Strate, dass Gloria von Thurn und Taxis sich mit dem amerikanischen Rechtspopulisten Steve Bannon getroffen haben soll. Ihm dürfe man keine Plattform bieten und nicht die Hand reichen. "Nächstenliebe bedeutet für uns, dass wir Menschen, egal woher sie kommen, welche Herkunft sie haben, welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion sie angehören, dass wir sie hier mit offenen Armen empfangen und nicht elendiglich im Mittelmeer verrecken lassen", sagte Johannes Strate. Für sein Statement erhielt er lauten, lange andauernden Applaus.

Die Fürstin nahm es gelassen

Inzwischen äußerte sich auch die Fürstin selbst zu der deutlichen Kritik, die Revolverheld auf ihrem Festival äußerten. "Das sehe ich ganz locker", sagte die 59-Jährige dem BR. "Wahrscheinlich haben sie sich das gut überlegt und gesagt, das müssen wir jetzt machen, wir sind schließlich Künstler. Und Gott sei Dank kann man heute noch seine Meinung sagen. Insofern können wir da ganz froh sein." Sie selbst habe das Konzert nicht persönlich miterlebt.

Quelle: Bayerischer Rundfunk

wt

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