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Revolverheld im Interview: "Helene Fischer ist keine Mariah Carey"

Seit zehn Jahren touren sie durch die Clubs und Open-Air-Locations des Landes. Revolverheld gehören zu einer der bekanntesten deutschsprachigen Bands. Im Interview reden sie über Kollegen wie Helene Fischer und ihre gesteigerten Ansprüche.

Revolverheld machen seit zehn Jahren zusammen Musik.

Revolverheld machen seit zehn Jahren zusammen Musik. Johannes Strate (3.v.l.) und Kristoffer Hünecke (r.) sprachen über deutschsprachige Musik - und was sie als Band daraus machen.

Deutschsprachige Musik ist so erfolgreich wie nie zuvor. Wie seht ihr diese Entwicklung?

Kristoffer Hünecke: Wenn acht von zehn Acts in den Top 10 deutschsprachig sind, dann spricht das für eine Selbstverständlichkeit. Es ist zur Hörgewohnheit geworden. Und deutschsprachige Musik ist so vielfältig wie nie. Schau dir die Gangster-Rapper an, die mit einer Sprache Erfolg haben, die eigentlich gar nicht salonfähig ist. Wenn ich einen Sohn hätte, würde ich nicht unbedingt wollen, dass er das hört. Aber sie scheinen wirklich einen Nerv zu treffen.


Auf der anderen Seite ist da Helene Fischer, von der behauptet wird, sie habe die Grenze zwischen Pop und Schlager eingerissen.

Kristoffer Hünecke: Ich finde es generell gut, wenn Grenzen eingerissen werden. Ein Schubladendenken wird dem jeweiligen eigenen Stil meist nicht gerecht. Helene Fischer trifft momentan anscheinend den Zeitgeist in Deutschland. Ob das nun qualitativ gut gemachte und smarte Musik ist, ist Ansichtssache. Musikalisch hat Helene Fischer jedenfalls das Rad nicht neu erfunden.

Johannes Strate: Für mich bleibt Helene Fischer Schlager. Mit ihrer Live-Show fährt sie gerade wirklich hohen internationalen Standard. Trotzdem fragt man sich, warum ihre Album-Produktionen nicht aufwändiger sind.


Inwiefern?

Johannes Strate: Echte Instrumente kommen da nur sehr rudimentär vor. Es klingt ganz einfach nach einer Produktion, die in sehr kurzer Zeit von sehr wenigen Menschen zusammengebaut wird. Bei ihrer Größe und auch offensichtlichen Wirkung auf die breite Masse, würde ich mir da mehr Liebe zum Detail wünschen. Alle großen internationalen Künstler machen das vor, völlig unabhängig vom Musikstil. Das unterscheidet dann eben doch noch eine Celine Dion oder Mariah Carey von Helene. 

 

Ihr habt mal gesagt, Eure Ansprüche an euch selbst steigern sich kontinuierlich. Wie seht ihr auf eure Anfänge zurück?

Johannes Strate: Wir waren damals noch wesentlich krachiger unterwegs und ein bisschen vom Nu Metal geprägt auf unserer ersten Platte. Inzwischen sind wir schon einiges entspannter geworden – und reflektierter. Der Rock ist dem Pop gewichen, unsere Songs haben mehr Leichtigkeit aber auch Tiefgang bekommen. Wenn es nötig ist, drehen wir jeden Song, jede Zeile hundertmal von links auf rechts und wieder zurück, bis wir wirklich zufrieden sind.


Weil die Akribie vielleicht vom Publikum mehr eingefordert wird?

Kristoffer Hünecke: Bei deutschsprachiger Musik wird natürlich viel genauer auf den Text geachtet. Das ist die Muttersprache, jedes Wort ist wichtig und kann etwas auslösen. Dessen sind wir uns bewusst, auch wenn wir vor einem leeren Blatt sitzen. "I love you" reicht auf Deutsch einfach nicht. Das macht das Songwriting aber auch so spannend.
Johannes Strate: Wir benutzen auch Worte, mit denen die Zuhörer Dinge selbst erzählen würden. So etwas verbindet natürlich.

Ist es das, was Fans schätzen? Eine gewisse Verlässlichkeit? Die Leichtigkeit?

 Johannes Strate: Wir transportieren mit unserer Musik oft ein Lebensgefühl. Ob es der "Sommer in Schweden" ist oder eben "Die Kneipe an der Ecke" in "Das kann uns keiner nehmen". Das mögen die Leute offensichtlich, sie finden darin eigene Geschichten wieder.

Kristoffer Hünecke: Und wenn Johannes an irgendeine Textzeile, die er singt, nicht glauben würde, merkt man das. Seitdem uns das bewusst ist, diskutieren wir anders über Lieder.

 

Glaubt ihr eigentlich, dass in eurer Karriere noch mehr kommt?

 Kristoffer Hünecke: Wir haben gerade ein MTV Unplugged Album aufgenommen, das im Oktober erscheint. Ein Kindheitstraum von uns allen. Und es hat uns künstlerisch sehr herausgefordert.

Johannes Strate Wir sind auf einem guten Weg, haben wirklich tolle Sachen erlebt. Wenn das in zehn Jahren immer noch so ist, dann bin ich glücklich.

 

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo