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Beste Kurzdoku: Tabubruch: "Ich kann nicht fassen, dass ein Film über Menstruation gerade einen Oscar gewonnen hat"

Neben tollen Filmsongs, brillianten Schauspielern und Special Effects, glänzte vor allem eine bei den Oscars - die Menstruation. "Period. End of Sentence", ein Film über die Periode, gewann überraschend in der Kategorie "Beste Kurzdokumentation".

"Period. End of Sentence" gewann in der Kategorie "Beste Kurzdokumentation"

Melissa Berton (Mitte links) und Rayka Zehtabchi (Mitte rechts) haben mit "Period. End of Sentence" in der Kategorie "Beste Kurzdokumentation" einen Oscar gewonnen

Getty Images

"Beste Kurzdokumentation" ist so eine Oscar-Rubrik, die eigentlich kaum wen interessiert. Gestern aber haben alle hingehört: Ein Film über Menstruation hat einen Oscar gewonnen. Das ist nicht nur ein großer Moment für Regisseurin Rayka Zehtabchi und alle, die an der 26-minütigen Doku mitgearbeitet haben, sondern für alle Frauen dieser Welt. 

Die Menstruation auf der Weltbühne

Denn in vielen Teilen der Erde, und auch in Deutschland, ist Menstruation ein Tabu-Thema. Während bei uns Tampons heimlich wie ein Drogenpäckchen an Freundinnen weitergegeben werden, gehen in anderen Ländern und Regionen Mädchen während ihrer Periode sogar nicht mehr zur Schule. So auch in Indien nahe der Stadt Neu Deli, wo "Period. End of Sentence" spielt. 

Umso wichtiger ist es, Aufklärung zu leisten und in Industrienationen laut darüber zu sprechen. Das ist heute Nacht auf jeden Fall passiert. Regisseurin Rayka Zehtabchi hielt eine Dankesrede an die Periode und Millionen Menschen schauten zu. "Ich weine nicht, weil ich meine Tage habe oder so", schluchzte Zehtabchi, die übrigens  25 (!) Jahre alt ist, "Ich kann es nicht fassen, dass ein Film über Menstruation gerade einen Oscar gewonnen hat".

"Period. End of Sentence"

Die Kurzdoku wurde von Netflix produziert, alles begann jedoch mit amerikanischen Schülerinnen, Eltern und Lehrern in einer kleinen Stadt in Kalifornien, die das "Pad Project" ins Leben riefen und die Doku unter anderem mit Kuchenverkäufen finanzierten. Ihre Mission: Eine Billig-Binden-Maschine promoten. Klingt komisch, kann aber das Leben vieler Frauen verändern. Diese Maschine schafft in ländlichen Gegenden nicht nur Zugang zu den Hygieneprodukten, sondern auch Arbeitsplätze für Frauen. Um diese Maschine geht es in "Period. End of Sentence", der im deutschen den etwas sperrigen Namen "Stigma Monatsblutung" (WOW, Netflix Deutschland ...) trägt. 

Der Film zeigt Mädchen und Frauen in Hapur, Indien, und ihre Erfahrungen mit der Installation der Binden-Maschine in ihrem Dorf. Gleich am Anfang sieht man, wie wichtig Aufklärung über die Monatsblutung ist: Auf die Frage, was die Periode sei, folgt Gekicher, Unwissen, Scham und vor allem Sprachlosigkeit. Von Männern, Mädchen und auch alten Frauen. Die Geschichten im Film machen betroffen, zeigen aber auch, dass sich etwas ändern kann und das macht der Film einfach nur meisterhaft.

Immerhin ist die Periode ein Thema, das die Hälfte der Menschheit betrifft und doch sind selbst die Macherinnen fassungslos über den Oscar-Gewinn. Endlich hat die Periode die Aufmerksamkeit, die sie verdient, zumindest für einen kleinen Moment. Bitte mehr davon! 

ivy