HOME
Interview

Trailer von Einhorn: "Wenn es Penisneid gibt, wieso sollte es nicht auch Periodenneid geben?"

Sind Männer neidisch, dass sie nicht menstruieren können? Das legt ein neuer Trailer des Kondom-Herstellers Einhorn nahe. Der Titel: "Periodenneid". Wir haben mit Einhorn-Mitgründer Philip Siefer über das neue Projekt gesprochen.

Interview mit Philip Siefer zum neuen Einhorn-Film "Periodenneid"

Einhorn-Mitgründer Waldemar Zeiler als Neumann im Trailer zu "Periodenneid" – mit Tampon im Mund

Ein Mann mit lilafarbener Mütze und Brille, Typ Berliner Hipster, steht vor dem Badezimmerspiegel, spült sich den Mund aus, begutachtet sich – und steckt sich dann einen Tampon in den Mund. Er lächelt, während das blaue Band über seine Lippen hängt.

Das ist Neumann. Er würde gerne menstruieren und ist der Protagonist des Trailers für den (bis jetzt noch nicht realisierten) Film der Kondommarke Einhorn. Neumann bekommt von seiner Psychologin die Diagnose "Periodenneid" – die titelgebend für den Film war. Er möchte zum Club der Menstruierenden gehören, wird von seinem weiblichen Umfeld aber immer ausgeschlossen, wenn er einen Tampon braucht, einen Tampon anbietet oder auch mal "Me-Time" haben möchte. Alle sehen in ihm nur den "Freak".

Den ganzen Trailer seht ihr hier: 

Der zweieinhalbminütige Clip ist ziemlich lustig und verbreitet sich gerade im Netz. NEON hat mit Einhorn-Mitgründer Philip Siefer über "Periodenneid" gesprochen.

Wie seid ihr auf die Idee zu "Periodenneid" gekommen?

Philip Siefer: "Wir entwickeln gerade Menstruationsprodukte bei Einhorn und ich habe meinen Eltern immer mal wieder was davon gezeigt und Fotos in die Familiengruppe bei Whatsapp geschickt. Meine großen Schwestern und meine Mutter haben sich total darauf gefreut – und mein Vater schrieb, er sei richtig neidisch, dass er die Sachen nie benutzen könne. Das sei irgendwie ungerecht. Als ich das dann meiner Frau erzählt habe, meinte sie aus Spaß: 'Ach joa, Periodenneid.' So als ob das was ganz Normales sei. 

Montags im Büro erzählt uns dann eine Kollegin aus der Design-Abteilung, dass sie ihrem Freund die Sachen gezeigt hat und der meinte auch: 'Ach, wie gemein. Ich möchte die auch gerne benutzen.' Und dann habe ich gesagt: 'Periodenneid gab es bei uns am Wochenende auch.' Und von da an etablierte sich das Wort bei uns – und ein Geschäftspartner wollte die neuen Produkte gerne sehen, aber wir waren noch nicht so weit mit den Prototypen. Wir haben dann gesagt, wir können ihnen die Reaktionen auf die Produkte schicken und haben ihnen dann ein Handyvideo mit weinenden Männern geschickt, die Periodenneid haben.

Das Video kam mega gut an. Dann saßen wir da und dachten: Das ist doch eigentlich ein Film. So wie 'Nymphomaniac', über einen Menschen, der diese Sache hat, von der noch nie jemand gehört hat. Aber vielleicht gibt es das ja. Wenn es Penisneid gibt ... vielleicht ist es einfach verschwiegen worden, dass es auch Periodenneid gibt. Vielleicht benehmen sich deswegen auch so viele Männer so schlecht. Die Donalds und Jens' dieser Welt sind vielleicht einfach neidisch, weil sie nicht menstruieren können aber auch kein neues Leben gebären können. Wie Neumann, der Protagonist von 'Periodenneid'."

Wie viel Neumann steckt in dir? Hast du auch Periodenneid?

"Ja, natürlich. Ich habe Periodenneid und auch Stillneid. Wir haben gerade ein Baby bekommen und ich versuche natürlich gerade so gut wie möglich für das Kind da zu sein. Aber so ein paar Sachen kann ich einfach nicht so gut wie meine Frau."

Interview mit Philip Siefer zum neuen Einhorn-Film "Periodenneid"

"Mini, Normal, Super, ich hab alles da", Neumann möchte auch zum Menstruations-Club dazu gehören

Also findest du, dass man auch Mitleid mit Neumann haben sollte?

"Die Reaktionen, die wir bekommen, sind sehr süß, weil viele Empathie für Neumann empfinden. Und das soll der Film auch aussagen: Wenn man mit diesem Mann mitfühlen kann, dann sollte man natürlich auch mit den Menstruierenden mitfühlen. 

Dadurch, dass das so ins Absurde geführt wird, dass ein Mann unbedingt menstruieren will, wird es deutlicher, wie normal die Periode eigentlich ist – aber es ist immer noch ein Tabuthema. Die weiblichen Zuschauer solidarisieren sich sogar mit Neumann und sagen, er wisse zwar nicht so richtig, was da eigentlich auf ihn zu kommen würde, aber sie könnten ihn schon verstehen. Viele haben ihm angeboten, ihm ihre Menstruation zu schenken."

Was können wir Frauen gegen den Periodenneid tun?

"Etwas dagegen zu tun ist natürlich schwierig. Ihr habt es ja und wir eben nicht. Deswegen wäre es wahrscheinlich wichtig, es zu teilen. Zu sagen, wie es euch geht, damit die Männer was davon mitbekommen und nicht so neidisch sein müssen. Und damit sie wissen, es ist gar nichts Seltsames dabei, einen Tampon oder einen Cup zu benutzen."

Die Männer sollten dann vielleicht auch öfter mal Fragen stellen, oder?

"Das wäre natürlich nett, wenn die Männer es dann verstehen würden und fragen: Kann ich dir was Gutes tun? Wir haben von Einhorn eine Umfrage gemacht und über 20.000 Menstruierende gefragt, was sie sich während ihrer Periode am meisten wünschen. Einer der großen Wünsche war mehr Verständnis und Empathie vom Partner."

Und wie geht es jetzt weiter mit "Periodenneid"?

"Das kommt darauf an, wie das Publikum und die Medien jetzt reagieren. Wird es ein Weltkinoerfolg? Ist die Welt bereit für "Periodenneid"? Vielleicht wird Periodenneid das Wort 2019. Damit wir alle verstehen, dass wir ein bisschen besser zuhören und ein bisschen mehr füreinander da sein müssen. Vielleicht musste Neumann dafür ein Coming-Out haben, damit wir alle offener über Menstruation sprechen können."

Periode und Sex