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Zuhause: Meine Stadt: New York

In der ganzen Stadt stolpert man über Filmteams – und abends im Pingpongclub mit etwas Glück auch über Susan Sarandon.

Karte von New York in der NEON-Rubrik "Meine Stadt"

In der NEON-Rubrik "Meine Stadt" zeigen Menschen ihre Lieblingsorte

Meine Stadt: Filmemacher Fred Guerrier über New York

Protokoll Katarina Lukac | Illustration: Jon Frickey

»Vergesst Hollywood – für Filmliebhaber ist New York das Paradies: Dank der zuvorkommenden Behörden, die für Dreharbeiten sogar kostenlos Polizisten zur Verfügung stellen, stolpert man in Manhattan jeden Tag über ein Filmteam (wer gezielter vorgehen will: onlocationvacations.com aktualisiert täglich Drehorte in der Stadt).

Selbst Freunde, die mich zum ersten Mal besuchen, fühlen sich in New York nach ein paar Tagen wie zu Hause, weil sie als Kino- oder Fernsehzuschauer schon unzählige Male hier waren.

Ein Klassiker ist zum Beispiel die Skyline Manhattans bei Nacht. In echt schaut ihr sie euch am besten von der Aussichtsplattform des Rockefeller Center (1) an. Dort muss man im Gegensatz zum Empire State Building (2) kaum Schlange stehen – und hat zugleich das berühmte Artdéco Hochhaus im Blick.

Auf den Spuren von Sex and the City

Ebenfalls schon vielen aus dem Fernsehen bekannt ist die Magnolia Bakery (3). In dem von ›Sex and the City‹ geadelten Laden in Greenwich Village könnt ihr bei einem Cupcake (dem adligen Verwandten des Muffins) New Yorker It-Girls beim Diätbrechen zusehen. Wer es lieber herzhaft mag: Ein paar hundert Meter weiter bekommt ihr im Corner Bistro (4) die besten Burger der Stadt.

Danach empfehle ich euch einen Spaziergang im High Line Park (5) im nahen Meatpacking District. In zehn Metern Höhe, wo früher eine Bahn unter anderem Fleisch aus den Schlachthäusern des Viertels transportierte, wuchern heute Gräser, Schilf und Wildblumen.

Zum Ausruhen und Leutebeobachten setze ich mich am liebsten auf die Treppe vor der imposanten Public Library (6), die unter anderem für Spiderman als Filmkulisse diente.

Bei Bravo Pizza (7) am anderen Ende des Bryant Parks müsst ihr ohne weiteren Blick auf die Karte unbedingt die einfache, aber sagenhafte Käsepizza bestellen.

Die typischen New Yorker Backsteinhäuser mit Feuerleitern reihen sich an der Lower East Side aneinander. In der inoteca (8), einem entspannten Italiener in meiner Straße, läuten meine Freunde und ich den Abend gerne mit einem Stapel Tramezzini ein. Einen fabelhaften Choripán con Queso, eine Art kubanischen Hotdog, gibt’s im Cafecito (9) im East Village. Falls unser Mojitopegel es zulässt, ziehen wir danach weiter ins Spin (10). In dem Tischtennisclub kommt man als Spieler oder Zuschauer schnell ins Gespräch – vielleicht sogar mit Susan Sarandon, einer Teilhaberin. Frühmorgens landen wir dann viel zu oft in der versifften, aber lustigen Mars Bar (11), einem Punkrefugium im East Village.

Mit der Fähre nach Ellis Island

Einen klaren Kopf bekommt man am nächsten Tag auf der Fähre nach Ellis Island – den braucht man für die Lektion US-Geschichte, die man im Einwanderungsmuseum (12) erhält.

Den Stopp auf Liberty Island unterwegs könnt ihr euch sparen, weil die Freiheitsstatue (13) von Ellis Island aus ohnehin besser zu sehen ist.

 Nahe der Anlegestelle (14) am Südzipfel Manhattans sind es nur ein paar Straßen bis zum traurigsten Ort der jüngsten US-amerikanischen Geschichte, der Riesenbaustelle am Ground Zero (15). Das Mahnmal für die Opfer des 11. September soll dieses Jahr im September endlich eingeweiht werden – zumindest teilweise. Dass sich die Tragödie dann wieder einmal jährt, werdet ihr auch daran merken, dass wir New Yorker um den Jahrestag herum eine Runde behutsamer miteinander umgehen als sonst – zum Beispiel beim U-Bahn-Fahren oder Einkaufen.«

FRED GUERRIER, 29,
ist Filmemacher. Er ist in Queens aufgewachsen und lebt heute an der Lower East Side – wie einst Lady Gaga.

Die besten Tipps für New York

Hinkommen: Direktflüge gibt es mit Lufthansa und Air Berlin oft für unter 600 Euro. Von den Flughäfen JFK, LaGuardia (LGA) und Newark (ERW) kommt man mit Expressbussen außerhalb der Rushhour in etwa einer Stunde zum Grand central terminal (16). Kosten: etwa 15 Dollar.

Unterkommen: Unschlagbar in Preis, Lage und Atmosphäre: Das East Village Bed & coffee (17) für alle, die Bad und Küche teilen können und mit anderen Gästen oder Eigentümerin Anne gerne ins Gespräch kommen (DZ ab 135 Dollar, besonders schön: »Black and White« oder »Afghani«). Schicker: Das Standard (18) gilt als das coolste Hotel der Stadt (DZ ab 295 Dollar). Man sollte generell ein paar Dollar mehr hinblättern, als den derzeit in Manhattan grassierenden Bettwanzen zum Opfer zu fallen.

Rumkommen: Aus Manhattan nach Brooklyn (19) verschwinden und einen der tollen Wochenendflohmärkte besuchen (wechselnde Standorte je nach Jahreszeit, brooklynflea.com). Bei Sonnenuntergang über die Brooklyn Bridge (20) nach Manhattan zurückschlendern und die Nacht mit Bier in einer RooftopBar begrüßen, etwa im unprätentiösen the Delancey (21).

Einkaufen: New Yorker Fashionistas mit begrenztem Budget kaufen ihre Markenschnäppchen bei Century 21 (22). Eine riesige Auswahl an gebrauchten und seltenen Büchern gibt’s im Strand Bookstore (23) am Broadway.

Unbedingt: Im West Side Steakhouse (24) ein Porterhouse Steak essen (dicker als ein TBoneSteak!). Der Laden liegt in Hell’s Kitchen, katapultiert Fleischliebhaber aber geradewegs ins Paradies.

Boß nicht: Die ZeroTolerancePolicy unterschätzen. Ausweis also abends immer mitnehmen, auch wenn mn schon erste graue Haare hat. Die New Yorker Türsteher sind unerbittlich. Unter 21 bekommt man sowieso keinen Alkohol, alle anderen sollten es vermeiden, die Pulle auf der Straße auszupacken – es sei denn, sie wollen im Knast übernachten.


Dieser Text ist in der Ausgabe 09/2011 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.

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