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Beerdigungen: Zeit zu gehen: So übersteht ihr die nächste Beerdigung

Alte Verwandte, vergangene Affären, der Leichenschmaus: Bei einer Beerdigung, der letzten ernst zu nehmenden Dress-code-zone, eine gute Figur zu machen, ist gar nicht so leicht. Neun dringende Empfehlungen für das nächste Begräbnis.

Von Lars Weisbrod

Mann auf Beerdigung mit Rose

Industriell gefertigte Anlasskarten, schwarze Kleidung und ein betroffenes Zusammenkommen – wie verhält man sich eigentlich auf Beerdigungen? (Symbolbild)

Getty Images

1. Das Warten 

Da wartet man seit der Erstkommunion auf eine Gelegenheit, sich mal wieder richtig schick zu machen, mit Black Tie, Stresemann, Schuhe polieren. Und dann ausgerechnet das: keine Einladung zur Traumhochzeit am Tegernsee liegt im Briefkasten, nein, man muss auf die Beerdigung eines entfernten Verwandten.

2. Ruhig Blut

Jetzt erst mal Ruhe bewahren. Es ist alles halb so schlimm, niemand ist gestorben. Quatsch, es ist natürlich jemand gestorben! Einziger Trost also: Man selbst lebt noch. Kann man ja auch mal für dankbar sein.

3. Die Anlass-Karte 

Uff, die Ecke im Schreibwarenladen, um die man sonst einen großen Bogen macht: Anlass-Karten. Nie würde man eine industriell gefertigte Geburtstagskarte mit aufklappbarer 30 verschicken! Anders diesmal: Weil uns metaphysisch Unbehausten keine Religion mehr so recht Trost spenden will im Angesicht der Endlichkeit, müssen die Trauerkartensyndikate einspringen. Der drehbare Ständer mit Beileidsbekundungen verkündet uns: Der Tod gehört zur Bürokratie des Lebens, genauso wie die Steuererklärung und das Prüfungsamt. Welche nehmen? Die mit Dürers betenden Händen? Der Sonnenuntergang am Meer? Die andere mit Dürers betenden Händen?

4. Der Dresscode

Was soll man anziehen? "Lieber overdressed als underdressed" ist am Grab noch wahrer als sonst irgendwo. In Jeans auf einer Beerdigung fühlt man sich fast immer unwohl. Es gibt kaum mehr Kleidungsvorschriften heute, CEOs tragen Sport-BHs in Vorstandssitzungen, Michelin-Sterne-Restaurants lassen auch Gäste in Unterhose rein. Man nehme also die Beerdigung als letzte Dresscode-Zone ernst.

5. Unerwartete Begegnungen

Auf einer Beerdigung ergibt sich oft die schöne Möglichkeit bzw. unmittelbare Gefahr, Fußballkollegen von früher oder Ballerfreunden aus der Star-Craft-Gilde über den Weg zu laufen. Unangenehm: der alte Kumpel, der einen mitten im Trauerzug von Kirche zu Friedhof entdeckt und mit der Hand zum High-Five-Gruß erhoben auf einen zustürmt. Könner fangen den High-Five-Versuch behände in einer Trauerstimmungsumarmung auf.

6. Alte Verflossene

Auch die Affäre ist da, weil sie Onkel Heinz auch noch kannte? Flirts sollten bei Beerdigungen nur ganz ganz dezent aufgewärmt werden. Selbst unser aller Stilvorbild Barack Obama hat sich einiges anhören müssen, als er auf Nelson Mandelas Begräbnis zu ausgelassen mit der dänischen Premierministerin schäkerte.

7. Alles hat seine Zeit

"Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit" und so weiter, Prediger 3,1 8 ist der Evergreen der christlichen Trauerfeier, alle können leise mitmurmeln, Mutige sogar mitsingen. Nur: Was ist eigentlich gemeint mit "Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit"?

8. Das Essen

Natürlich hat auch das Essen seine Zeit. Der Leichenschmaus findet nach dem Begräbnis im Pfarrgemeindehaus (kaltes Buffet) oder beim örtlichen Italiener (Tagliatelle all’emiliana, 8,50 Euro) statt und ist schon wieder Gelegenheit, in Anekdoten über den Verstorbenen zu schwelgen, mal zu lachen, mal zu weinen, süß und bitter wie das Nachspeisegedeck aus Tiramisu und Underberg.

Richtig bitter wird es nur, wenn der Pfarrer einen ins Gespräch darüber verwickelt, warum man so lange nicht mehr im Gottesdienst war. Schnell noch was vom Buffet, dann hat man den Mund voll und fängt nicht aus Verlegenheit an zu beichten. "Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes." Prediger 3,13 aber so was liest der Pfarrer ja nie vor!

9. Time to go

Zeit zu gehen. Selbst wer sonst gern auf Partys der Letzte ist – bei einer Beerdigung ist das zu vermeiden. Sonst wirkt man wie ein gruseliger Typ, der immer noch herumwuselt, weil er sich Hoffnungen aufs Erbe macht, da gab es doch das tolle Silberbesteck. Und keine Etikette verbietet es, sich jetzt mit der alten Affäre ein Taxi zum Bahnhof zu teilen. Vielleicht hat die Affäre ja jetzt ihre Zeit, und irgendwann kann man die guten Schuhe doch noch auf einer Hochzeit anziehen.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON Ausgabe 02/2017 erschienen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(