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Erfahrungsbericht: Was beim ersten Date alles falsch laufen kann

Ein erstes Date ist eine haarsträubende Angelegenheit. Manchmal sträuben sich die Haare am Synthetikbezug des Kopfkissens, im schlechteren Fall wollen sie einfach weg vom Gegenüber. Davon kann unsere Autorin eine Geschichte erzählen.

Erstes Date

Ein erstes Date mit einem Fremden kann ziemlich aufregend und schön sein. Oder ziemlich lahm.

Getty Images

Erstes Date. Wir sitzen in meinem Auto. Das ist schon der erste Fehler. Langsam kriecht der alte Audi im Stau voran, während die Boxen mit aller Kraft versuchen, einem Lied von Tina Turner gerecht zu werden. Sie scheitern, ich drehe leiser. Er fragt mich, was ich mit meinem Studium mal machen möchte. Ich bemühe eine meiner Standard-Antworten, die so glatt sind, als kämen sie aus dem Mund eines Politikers. Die Sonne entlädt sich auf das graue Metall und die Temperatur steigt von erträglich auf unangenehm. Der Versuch, das Gespräch über unseren Brotverdienst weiterzutragen, geht daneben. Mein Date hat vor drei Monaten seinen Job gekündigt und ist derzeit auf der Suche – was kein Stück unangenehm wäre, hätte er beim Erzählen nicht unsicher an seinem Rucksack herumgefummelt, um sich danach auszuschweigen. Mein Auto kämpft um jeden Meter, seine Insassen kämpfen um Leichtigkeit. Tina Turner singt leise "What’s love but a second hand emotion?".

Vor einer Woche hatten wir angefangen zu schreiben, er war schlagfertig und hatte einen guten Musikgeschmack. Das ist selten geworden. Er schien sogar lustig zu sein, was mich alles in allem dazu veranlasste, auf einen Vorschlag einzugehen, der mir zumindest fragwürdig vorkam. Eine Ausfahrt an den Strand mit Picknick und Wein.

Eigentlich alles schön

Nun fand ich die Idee von einem fremden Mann in meinem Auto nicht besonders gut, aber sein Enthusiasmus und die Tatsache, dass der Elbstrand in Hamburg schnell zu erreichen ist, warfen meine Bedenken kurzerhand über Bord. An dieser Stelle möchte ich meinen Bedenken eben sagen, dass sie sich nächstes Mal ein bisschen mehr Mühe geben könnten. Denn nun sitze ich hier und habe ein prinzipiell wunderschönes Date mit dem falschen Mann. Schön ist es vor allem, weil das Wasser vor uns glitzert, wir unsere Füße in den kühlen Sand vergraben und die Sonne sich langsam hinter den Containerhafen schiebt. Nicht so schön sind mein gezwungenes Lächeln und die immer noch müßigen Gesprächsthemen. 

Als ein Schiff mit einigem Lärm an uns vorbeifährt, bin ich dankbar für die durchbrochene Stille und sehe ihn zum ersten Mal richtig an. Er ist ein gut aussehender Mann, seine Augen sind warm und freundlich und alles, was er erzählt, scheint durch mindestens eine Bahn seines Gehirns gewandert zu sein, bevor er es anderen entgegenwirft. Auch selten. Und trotzdem mag ich ihn nicht recht, was ich strenggenommen schon wusste, als wir uns vor meiner Lieblingsbar getroffen haben, um die wenigen Meter zu meinem Auto zu laufen. Ach, wären wir doch dort geblieben.

Was macht ein erstes Date so schwierig?

Es ist so eine Sache mit dem ersten Date. Entweder bahnt es sich langsam an, geht von einer unverbindlichen Begegnung im Freundeskreis oder einem Club über zu dieser eigentümlichen Exklusivität, in der die Stimmung eine andere wird und man sich plötzlich fragt, ob dieses Hemd das richtige ist. Trifft man sich stattdessen mit einer oder einem Fremden, kann die Hemdfrage nach wenigen Minuten überflüssig werden, weil das Interesse schon bei der Begrüßung auf leisen Sohlen davon zieht. Schade nur, dass man sie sich da schon gestellt hat. 

Mein Date endet so unangenehm, wie es angefangen hat. Wir umarmen uns umständlich, er verschwindet in Richtung seiner Haustür, ich fahre um drei Ecken bis zu mir nach Hause. Zurück bleibt ein beklemmendes Gefühl, das vom leeren Beifahrersitz herüberzieht und sich gemächlich aus den offenen Fenstern verabschiedet. Und dann ein Schmunzeln über die schöne Freiheit, auch schlechte Dates zu erleben.

Ein Mann und eine Frau im Kino
sve
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?