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Sexualität: Generation Lustlos: Warum wir uns im Bett so langweilen

Wieso hören wir ausgerechnet beim Thema Sex damit auf, indviduell sein zu wollen? Unsere Autorin macht sich Gedanken über die Generation Lustlos.

Von NEON-Community-Mitglied SasiY

Generation Lustlos

Keine Lust auf Sex: Wir geben uns im Bett zu wenig Mühe, findet unsere Community-Autorin

Die Überschrift eines Artikels erregt meine Aufmerksamkeit und ich lese, was ich längst vermutet hatte: "Junge Menschen haben weniger Sex, als ihre Eltern hatten." Dabei hatten wir jungen Menschen einen wirklichen Vorsprung gegenüber unseren Vorgängergenerationen: nämlich Eltern, die von den 68ern geprägt waren und uns vorlebten, was sexuelle Freiheit bedeutet. Wir hatten die "Bravo", in der das Dr.-Sommer-Team alle nur erdenklichen Fragen zum Thema Sex beantwortete. Softpornos im TV-Nachtprogramm, nackte Körper in der Werbung, wo immer wir auch hinschauten.

Sind wir nach all dieser sexuellen Reizüberflutung zu müde geworden, um darüber zu reden, wie guter Sex funktioniert? Besteht denn überhaupt die Notwendigkeit, darüber zu reden? Nach einer halben Flasche Wein kommen meist die Themen auf den Tisch, die sonst niemand anspricht. Als Frau mit Ende 20 sind die Dinge, die mir meine Freundinnen nach einem Glas Wein hinter vorgehaltener Hand erzählen, meist dieselben: "Mein Freund und ich hatten seit zwei Monaten keinen Sex mehr". Manche seit drei oder seit vier. Manche machen es überhaupt nur noch einmal im Monat oder alle zwei Monate. Andere haben es komplett ad acta gelegt - wozu dann noch die Pille nehmen?

Wollen wir wirklich als Generation Lustlos gelten?

Die Frage danach, ob sie mit der Häufigkeit zufrieden sind, verkneife ich mir meist. Die Antwort ist in der Regel ein etwas schwammiges "Wir haben grad einfach viel um die Ohren" oder "Ja, es lässt eben mit der Zeit nach". Ich möchte all diese Ausreden hier gar nicht in Abrede stellen, sicher lässt die Lust mit der Zeit nach, sicher hat man manchmal den Kopf mit anderen Dingen voll. Aber: Wollen wir wirklich als Generation Lustlos in die Geschichte eingehen? Als Generation Porno, die lieber vor dem Bildschirm einen kurzen Selbstquickie hinlegt, anstatt lustvoll über den Partner herzufallen?

Ich denke nicht, dass es so enden muss. Denn eines ist sicher: Beziehungen enden oftmals genau aus diesem Grund. Es reicht uns eben nicht, mit unserem Partner nur nett zu Abend essen - es darf und muss schon ein bisschen mehr Leidenschaft sein.

Im Bett fahren wir immer den gleichen Film

Also, liebe Damen und Herren: "Wir müssen reden" ist eine Phrase, die euch sicher nicht gefällt - aber genau das müssen wir. REDEN - vor allem miteinander. Wir sind alle sehr individuell, zumindest glauben wir das. Wir haben einen so individuellen H&M-Stil, so einen individuellen Playlist-Musikgeschmack und einen so individuellen IKEA-Dekofetisch. Wir verbringen Wochen und Monate damit, unsere Wohnungen so einzurichten, wie sie uns gefallen und wie sie zu uns passen. Jahre damit, unsere Körper im Fitnesstudio zu drillen, bis wir so aussehen, wie wir uns fühlen.

Aber das alles ist nicht sonderlich individuell und tief in unserem Inneren wissen wir das. Was aber wirklich sehr individuell ist, ist, was wir mögen, wie wir fühlen, unsere Gedanken und unser Charakter. Die Dinge also, die beim Sex so richtig wichtig sind. Aber im Bett spulen wir den immer gleichen Film ab. Ein bisschen Knutschen, ein bisschen Fummeln, oben, unten, von hinten und das Ganze nach dem immer gleichen Muster. Geprägt von ein bisschen Porno, ein bisschen Erfahrung und jede Menge Verklemmtheit.

Wir würden niemals unserem neuen Freund ein T-Shirt unseres Ex anbieten und voraussetzen, dass er es mag. Niemals davon ausgehen, dass unserem Partner die gleiche Einrichtung gefällt wie uns. Aber beim Sex, da gibt es Einheitsgröße.

Nehmt euch Zeit!

Man fragt nicht, was gefällt und man sagt auch nicht, was gefällt. Wichtig ist vor allem die richtige Pose, in der die Problemzönchen gut verborgen sind, das richtige Stöhnen, die richtige Zeitspanne, die richtige Schnelligkeit.

Deswegen ist das erste Mal mit einem neuen Partner für uns so komisch. Es könnte ein Entdecken, ein Ausloten, ein Kennenlernen sein - aber es ist nur ein "Passt dein Ablauf zu meinem?". Passt der Rhythmus, die Ausdauer, das Ambiente? Und dann fragen wir uns, warum uns nach vier Jahren am immer gleichen Sex die Lust ausgeht. Würden wir vier Jahre täglich Hähnchen mit Reis essen wollen oder vier Jahre lang immer den gleichen Film sehen? Nein, sicher nicht.

Wir sind individuell im Bett und wir sollten nicht weniger Zeit darauf verwenden, unsere sexuelle Individualität zu entdecken als wir benötigen, um uns für einen Couchtisch zu entscheiden. Wer sich die Zeit nimmt, wird mit echter Intimität belohnt werden, wird seinen Partner noch ein ganzes Stück besser kennenlernen und sich selbst auch.

Macht euch doch demnächst mal eine hübsche Flasche Wein auf, setzt euch eurem Partner gegenüber, sagt "Wir müssen reden" und schaut, wo euch die Reise hinführt - vielleicht zu den Sternen.

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