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NEON-Hochzeitskolumne

Ja, ich will ... aber anders: Ich hatte eine Verlobung ohne Antrag – brauche ich also überhaupt einen Ring?

Wenn man keinen klassischen Kniefall-Antrag bekommen hat, braucht man dann überhaupt einen Ring? Unsere Autorin stand nach ihrer Verlobung vor der Frage, wie traditionell ihre Hochzeit eigentlich werden soll.

Hochzeit: Verlobungsring – oder lieber nicht?

Schon Beyoncé sang: "If you liked it, then you should have put a ring on it" ... Aber hat sie recht?

Getty Images

NEON-Redakteurin Denise heiratet im Juni – und ist damit in ihrem Freundeskreis eine der ersten. Da gibt es erstmal tausende Fragen, auf die sie eine Antwort sucht. Die wichtigste: Wie will ich eigentlich heiraten? In der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders" erzählt sie von der Planung einer Feier gegen das Klischee.

Bei meiner Verlobung gab es keinen Kniefall, keinen Ring, keine richtige Frage. Mein Freund und ich haben spontan im Urlaub beschlossen, zu heiraten. Wozu diese Warterei auf den perfekten Antrag? Ich hatte es ihm einfach vorgeschlagen – und er hat "Ja" gesagt. (Die ganze Geschichte könnt ihr hier lesen.) Geplant war das nicht. Ich hatte aber schon Monate vorher immer mal wieder im Internet geschaut, was für einen Ring ich eigentlich schön fände, wenn mir mein Freund DIE Frage stellen würde. Stundenlange Recherche ergab lediglich: Ich hätte gerne etwas Besonderes, aber nicht zu auffällig. Keinen klassischen Zirkonia (die farblosen Steine, die aussehen wie Diamanten), lieber einen richtigen Edelstein wie Mondstein oder Opal.

Das Problem: Entweder waren die Ringe, die in Frage kamen, unglaublich teuer oder viel zu billig. Modeschmuck, der nach zwei Wochen Tragen anläuft und einen blauen Abdruck hinterlässt, ist als Verlobungsring natürlich nicht so der Brüller. Aber auch nach oben hatte ich ein Limit: 200 Euro. Ich wollte auf keinen Fall einen Ring an meinem Finger, der so teuer ist, dass es eine Katastrophe wäre, sollte ich ihn mal verlieren – und das ist bei mir nicht sehr unwahrscheinlich. DEN RING habe ich trotzdem nicht gefunden und war irgendwann einfach gefrustet. Wenn ich nicht mal selbst einen Ring finden konnte, der mir gefällt, wie sollte es dann jemand anderes – ergo mein Freund – können? 

Wieso gibt es überhaupt Verlobungsringe?

Das war vielleicht mit einer der Gründe, warum mir ein klassischer Antrag mit Kniefall und Ring irgendwie absurd vorkam. Generell fand ich die Tradition, dass der Mann die Frau mit einem Ring als vergeben markiert, ziemlich überholt. (Trotzdem darf natürlich jeder machen, was er möchte. Steckt euch gerne gegenseitig so viele Ringe an den Finger, wie ihr möchtet!)

Als Erfinder des Verlobungsrings gilt Papst Stephan I. (gestorben 257 n. Chr.). Er sollte der Bestärkung des gegenseitigen Treueversprechens dienen. Im Mittelalter hatte der Ring dann eher praktische Gründe: die Empfangsbestätigung für den Erhalt der Mitgift. Sehr romantisch. Wieso klebt ihr der Braut nicht gleich ein Post-it auf die Stirn? Damals waren die Ringe übrigens aus Eisen. Gold und Diamanten etablierten sich erst durch geschickte Werbekampagnen von Schmuckherstellern. Sind wir also nur Opfer des Kapitalismus?

Im 20. Jahrhundert war es in Deutschland üblich, dass beide Verlobte einen Ring getragen haben. So war es auch bei meinen Eltern. Ohne Tamtam hat mein Vater einen Termin beim Standesamt gemacht. Die Ringe haben anschließend beide zusammen ausgesucht und sie später auch als Eheringe getragen. Als Kind hatte ich sie mal gefragt, wie der Antrag bei ihnen damals war – und war enttäuscht von der für mich vollkommen unromantischen Antwort. Im Fernsehen sah das doch irgendwie immer ganz anders aus ... 

Heute kann ich die beiden vollkommen verstehen. Wenn man sich liebt und weiß, dass man heiraten will, braucht es manchmal keine große Geste – sondern nur einen Mutigen, der es endlich anspricht (oder einfach einen Termin macht). 

Die lange Suche nach dem Bling

Und doch blieb nach meiner Verlobung die Frage, ob ich trotzdem einen Ring wollte. Mein Freund fand es eine schöne Geste. Also ab in die Hamburger Innenstadt, aber nichts gefiel mir. Nach zehn Geschäften hatten wir keine Lust mehr. Wir liefen am Jungfernstieg entlang, ich hatte mich schon damit abgefunden, einfach keinen Ring zu haben – da kamen wir an einem letzten Schmuckladen vorbei. "Komm, entweder da oder wir lassen's." Und tatsächlich fand ich dort einen Ring, bei dem es Liebe auf den ersten Blick war. Schmal, rosé-gold, mit einem geschliffenen Rosenquarz und kleinen Diamantsplittern drumherum – für 150 Euro. Perfekt!

Hochzeit: Die lange Suche nach dem Verlobungsring

So sieht der "Verlobungsring" unserer Autorin aus

neon.de

Für mich ist der Ring heute eher ein Geschenk als ein Zeichen meiner Verlobung. Am Anfang habe ich ihn noch fleißig getragen, mit der Zeit wurde er aber immer lästiger. Aus Angst, ihn im Abfluss zu versenken, habe ich ihn beim Händewaschen immer abgemacht – und manchmal vergessen. Beim Feiern habe ich ihn deswegen gleich zu Hause gelassen. (Vielleicht auch ein bisschen, um trotzdem flirten zu können.) Mittlerweile trage ich ihn kaum noch. Er sitzt an manchen Tagen etwas zu locker. Deswegen habe ich, obwohl er nicht so teuer war, ständig Angst, ihn zu verlieren. 

+++ Du kannst nicht genug von Hochzeiten kriegen? Hier geht es zu allen NEON-Texten rund ums Heiraten +++

Und bei der Hochzeit?

Die Erkenntnis: Ring schön und gut, aber Eheringe brauche ich auf keinen Fall. Da mein Freund auch kein Ringträger ist, war das Thema also schnell für uns gegessen. Stattdessen werden wir uns auf unserer Hochzeit tätowieren lassen. Ja, ich weiß, das klingt mittlerweile auch sehr klischeehaft. Wir wollen aber keine Ringe an den Fingern, sondern ein kleines Symbol an der Hand: ein Insiderwitz zwischen uns beiden. 

Warum ausgerechnet etwas, das für immer hält? Na, wenn ich heirate, gehe ich doch auch davon aus, dass es für immer hält. Wenn nicht, kann ich es auch gleich sein lassen.

Jeden Freitag gibt es eine neue Folge der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders". Alle bisherigen Kolumnen findet ihr hier:

Teil 1: "Ich heirate meinen ersten Freund: Warum ich keine Angst habe, etwas zu verpassen"

Teil 2: "Selbst ist die Braut: Darum habe ich gerne auf einen klassischen Heiratsantrag verzichtet"

Hochzeit: Was bringt ein Ehevertrag?