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NEON-Hochzeitskolumne

Ja, ich will ... aber anders: Ringfoto und kitschige Liebesschwüre? Warum ich meine Verlobung nicht auf Instagram geteilt habe

Die meisten frisch verlobten Paare teilen ihr Glück auf Instagram und Facebook, aber wie kann man seine eigene Verlobung ohne Social-Media-Post verkünden – und muss man das überhaupt?

Hochzeitskolumne: Verlobung verkünden ohne Instagram und Co.

Viele Paare teilen ihre Verlobung auf Instagram und Co. – aber wie macht man das eigentlich ohne?

Getty Images

NEON-Redakteurin Denise heiratet im Juni – und ist damit in ihrem Freundeskreis eine der ersten. Da gibt es erstmal tausende Fragen, auf die sie eine Antwort sucht. Die wichtigste: Wie will ich eigentlich heiraten? In der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders" erzählt sie von der Planung einer Feier gegen das Klischee.

Wenn der eigene Freundes- und Bekanntenkreis ein bestimmtes Alter erreicht hat, wird man auf Instagram – besonders um besondere Anlässe wie Weihnachten oder Valentinstag herum – von einer Flut ganz bestimmter Fotos erfasst: Verlobungsringe und Heiratsanträge. Darunter Hashtags wie #isaidyes, #shesaidyes oder ein schlichtes #jaichwill. Bevor ich meine Verlobung selbst in die Hand genommen hatte (die ganze Geschichte findet ihr hier), habe auch ich mir natürlich Gedanken darüber gemacht, wie ich ES in den sozialen Medien teilen würde, sollte ich "die Frage aller Fragen" gestellt bekommen. Würde es einen spontanen Schnappschuss geben? Ein inszeniertes Selfie? Ein Foto nur vom Ring?

Wie will ich meine eigene Verlobung verkünden?

Diese Frage hatte sich für mich erst beantwortet, als sie real geworden ist – als ich verlobt war. Plötzlich kamen mir diese ganzen Posts irgendwie zu viel vor. Mein Freund und ich hatten unsere Beziehung in den ganzen sieben Jahren so gut wie nie in den sozialen Netzwerken geteilt. Es gab keinen Beziehungsstatus-Wechsel auf Facebook, keine regelmäßigen Paar-Selfies auf Instagram und keine Liebesbekundungen in Bildunterschriften. Bevor wir zusammen gekommen sind, fand ich sowas total süß – als es dann so weit war, irgendwie albern. Wem will ich mit diesen Gesten etwas beweisen? Meinem Partner kann ich meine Liebesschwüre auch ins Gesicht sagen. 

Also fand unsere Verlobung auf Instagram und Co. einfach nicht statt. Was nicht heißen soll, dass ich Verlobungs-Posts und Pärchenfotos generell albern finde. Eigentlich ist es sogar ziemlich praktisch, da sofort alle Kontakte Bescheid wissen. Wir haben uns damit aber trotzdem nicht wohlgefühlt. Wir wollten unseren Familien und Freunden sowieso persönlich von unserem Schritt erzählen. Und das war ehrlich gesagt ziemlich fantastisch: Diese strahlenden Gesichter und herzlichen Umarmungen hätte ich durch Instagram nicht mitbekommen.

Experiment am Arbeitsplatz

Nun kommen wir auch zu einem der Gründe, warum ich einen Verlobungsring ganz spannend fand, obwohl es keinen Antrag gab: Ich wollte wissen, ob er den Leuten an meinem Finger überhaupt auffällt. Dazu muss man sagen, dass ich außer manchmal einer Kette nie Schmuck trage. Mein Testgelände war unsere Redaktion. Das Ergebnis: eine einzige Kollegin hat den Ring nach einer Weile bemerkt – sie hatte sich kurz zuvor selbst verlobt. Nur der Ring taugt als Verkündung also auch nicht. Obwohl: Als ich zwei Wochen nach der Verlobung meine engsten Freunde in der Heimat besucht habe, hat es keine drei Sekunden gebraucht, bis die erste anfing zu kreischen – und das, obwohl ich sie nur begrüßt hatte. Ihr war das winzige Detail sofort aufgefallen. 

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Natürlich hat so eine Offline-Verlobung auch seine Nachteile, wenn man die überhaupt so nennen will. Anderthalb Jahre nach dem Nicht-Antrag gibt es immer noch Bekannte und Kollegen, die keine Ahnung davon haben und verwundert sind, warum. Personen, die mir nicht super nah standen, wollte ich die Sache nicht auf die Nase binden. Wie erzählt man sowas auch? Hier guck mal mein Ring, ich bin jetzt verlobt?! Bei den meisten habe ich die Neuigkeit irgendwann im Gespräch erwähnt, wenn es sowieso gerade um das Thema Beziehung oder Hochzeit ging – denn verschweigen wollte ich es natürlich auch nicht.  

Bereut habe ich unsere Entscheidung nie. Obwohl es keine fancy Fotos gibt, die ich mal meinen Enkelkindern zeigen kann, sondern nur ein unscharfes Kussfoto von uns, das abends, nachdem wir beschlossen hatten zu heiraten, spontan am Strand entstanden ist. Gesehen hat es noch niemand – das müssen wir mit niemandem teilen.

Jeden Freitag gibt es eine neue Folge der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders". Alle bisherigen Kolumnen findet ihr hier:

Teil 1: "Ich heirate meinen ersten Freund: Warum ich keine Angst habe, etwas zu verpassen"

Teil 2: "Selbst ist die Braut: Darum habe ich gerne auf einen klassischen Heiratsantrag verzichtet"

Teil 3: "Ich hatte eine Verlobung ohne Antrag – brauche ich also überhaupt einen Ring?"

Hochzeit: Was bringt ein Ehevertrag?